Ausgabe 
(14.8.1880) 13
 
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Platz wohl recht einsam sein und nur Finkenschlag und Falkenschrei die heilige Stilleunterbrechen, aber heute ist es anders. Hoch aufjauchzend begrüßt die den Hügel hinan-klimmende Studentenschaar den heiligen Boden, wo einst ein hoher König (Max II. am9 . September 1857) die Worte sprach:Also hier stehe ich auf dem Bodenmeiner Ahnen."

Alles gruppirt sich um das sit altdeutschem Style (im achten Regierungsjahre KönigLudwig I.) ausgeführte Denkmal. Ernst und getragen erklingt mit frischen StimmenGott mit dir du Land der Bayern!" Und nun betritt eine stattliche Gestalt im schwarzenHabit die Stufen des Monuments und ob auch die Haare schneeig gebleicht sind, nachlangjähriger, mühevoller Arbeit, heute strahlt das edle Antlitz jugendfrisch und ebensojugendfrisch erklingt die Stimme, die da preist der Wittelsbacher Ruhm. Es ist HerrRektor ?. Thomas Krämer, der begeistert zu seinen Schülern spricht. Er greift zurückauf die Zeit, wo die Stätte, aus der sie stünden, von stolzen in das Land hinein-schauenden Thürmen mit mächtigen Zinnen und gewaltigen Ringmauern gekrönt waren.Wie hätten die damaligen Burgherren in ihren kühnsten Träumen erhoffen dürfen, wasihren erlauchten Enkeln die Zukunft erbrachte, das sei der Segen edlen Strebens, Segenfür das erhabene Wittelsbacher Haus und Segen für Millionen Unterthanen, die dasGlück haben, mit diesem Hause durch Liebe und Treue und Dankbarkeit festverwachsen zusein, wie die Wurzeln der 700jährigen Eiche. Und voller und Heller hat wohl noch nieein Hoch aus Herzen geklungen, wie das der begeisterten Schaar da d'roben auf demBurgplatze von Oberwittelsbach und das Echo vom Walde d'rüben klang wie Geisterchordazwischen. Ob sie nicht segnend herunterschauten aus dem sonnigen Himmel, der sichweiß und blau in hohem Bogen über uns ausgespannt, die Geister der verblichene»Ahnen des Hauses Wittelsbach? Ja wer diese von jugendlicher Begeisterung glühendenGesichter gesehen, der mußte sich sagen:Noch blüht die Liebe des Bayernvolkes zumFürstcnhause bis in die fernsten Geschlechter." Dank den ehrwürdigen Vatern von St»Stephan, die ihren Söhnen auch Vaterlandsliebe einzuimpfen wissen. Nach Absingungder Nationalhymne bewegte sich der Zug auf den Festplatz im Walde, wo durch dieLiebenswürdigkeit des Freiherrn von Beck, von Kühbach für 12 hundert PersonenTische und Bänke geschlagen waren. Viele lagerten sich in kühlen Moos, denn Hundertevon Männern, die bei St. Stephan an der reichen Wissensquelle getrunken, hatten sichmit Familien eingefunden, wenige Stunden zu träumen,wieder Student zu sein."Nachdem der Wald im Lied begrüßt war (Wer hat dich du schöner Wald"), töntemanch frischer Cantus, der die alten Burschenherrlichkeit heraufbeschwor, durch die grünenTannen. Am Schlüsse sprach Herr Medizinalrath Dr. Bauer Namens sämmtlicherFesttheilnehmer den Veranstaltern des Festes herzlichsten Dank aus, in welchen die An-wesenden mit einem Hoch freudig einstimmten. Leider allzufrüh wurde aufgebrochen undmit frohem Jubel wurde Abschied genommen von der ehrwürdigen Stätte. Noch einletzter Blick auf die bereits von Dämmerung umschleierte Kirche und wieder geht's durchden Wald hinab nach Aichach . Uns sei aber zuvor noch gestattet, einen Blick in dasKirchlcin zu werfen, das aus der ehemaligen Burgkapelle entstanden ist. Der hoheSattelthurm, von dem aus man eine herrliche Aussicht bis hinüber nach München , zumhl. Berg Andechs und anderseits bis Neuburg a. D. genießt, ist der einzige Ueberrestder alten Burg. Die Kirche ist im gothischen Style erbaut, die drei Altäre gehörenjedoch einer späteren Zeitperiode an. Im Presbyterium befinden sich an den Seiten-wänden ein paar gute alte Bilder. Beim Aufgang zur Emporkirche ist ein Bild deralten Burg an der Thür befestigt, ganz im Hintergründe gibt ein gutes Bild, jedenfallsaus späterer Zeit stammend, Andeutungen über die Entstehung der Kirche. Doch eilenwir dem Zuge nach.

Wir sind wieder in Aichach . Mit klingendem Spiel wird durch die Straßenparadirt zum Bahnhöfe, wo der Extrazug unser wartet. Vom Kirchthurm zu Aichach tönt voll und feierlich die Abendglocke herüber. Schon glitzern einzelne Sternchen am