Ausgabe 
(18.8.1880) 14
 
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Nr. 14.

1880.

zur

Ämgsbirrger Pofhritimg."

Mittwoch, 18. August

Nicht i>Ns genug dem Schwachen anfznhelsen,

Auch stutzen muß man ihn.

Shakspeare. Timon vvn*Athen A- I. 1.

Der Herr Daran.

Novelle von Ludwig Habicht .

(Fortsetzung.)

Zweiter Theil.

I.

Auf dem Schloß Bloomhaus herrschte heute ein ungewöhnliches Leben. Dergnädige Herr war freilich im fernen Süden plötzlich verstorben, aber seine hinterlasseneWittwe hatte angezeigt, daß sie am heutigen Tage auf ihrer Besitzung eintreffen unddann für immer hier ihren Wohnsitz nehmen werde.

Die Freude darüber war allgemein, denn vor mehreren Jahren war der HerrBaron auf Reisen gegangen, um sich nie wieder in seiner Heimath sehen zu lassen. Er-halte nur seine Renten eingefordert, die man bald hier, bald dahin senden mußte. .Nunwar der Herr Baron ganz unerwartet in Italien gestorben und die Dienerschaft, diewirklich noch mit großer Treue an ihrem Herrn hing, empfand darüber die aufrichtigsteTrauer, die jetzt durch die erwartete Ankunft der Frau Baronin ein wenig gedämpftwurde.

Man war höchst neugierig, wie die künftige Herrin wohl aussehen und welchesRegiment sie auf Bloomhaus führen würde?

Iwan hatte freilich schon über die Eigenschaften der Frau Baronin die aufgeregtenGemüther ein wenig beruhigt, aber man bestürmte ihn immer wieder von Neuem mitFragen über die schlechten und guten Eigenschaften der gnädigen Frau, denn er war der

Einzige, der darüber Auskunft geben konnte, weil er allein die Frau Baronin kannte.

Als Baron Bloomhaus damals auf Reisen ging, hatte er nur seinen Iwan mitgenommen,der sein volles Vertrauen besaß und auf dessen Umsicht und Gewandtheit er sich verlassenkonnte. Iwan war ein geborener Russe und zeigte die ganze Geschmeidigkeit eines Slaven .Der Baron hatte den jungen, ungewöhnlich aufgeweckten Burschen rasch lieb gewonnenund zog ihn allen seinen übrigen Dienern vor. Kein Wunder, daß der junge hübsche

Mensch von den Leuten des Barons gehaßt wurde. Man hatte ihm auch nicht das

Glück und die Ehre gegönnt, den gnädigen Herrn zu begleiten; aber der Baron warnun einmal für den Burschen sehr eingenommen und so mußten sich die zurückgebliebenenin ihr Schicksal finden. .

Vor einigen Tagen war Iwan plötzlich auf dem Schlosse angekommen, um dieAnkunft der neuen Herrin zu melden und alles für ihren Empfang vorzubereiten. Da