Ausgabe 
(18.8.1880) 14
 
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blieb den anderen Leuten des Barons nichts weiter übrig, als freundlich gegen den !

Menschen zu sein, wenn sie schon jetzt etwas über die neue Herrin erfahren wollten. f

Es ist also eine Französin? fragte der Kutscher von Neuem, indem er eifrig an i

dem Wagen weiter wusch, mit dem er die Baronin vom Bahnhöfe abhole» sollte. -

Natürlich! Ich hab' Dir's ja schon hundertmal gesagt, entgegnete Iwan ein wenig 'verdrießlich. ^

- Ach, du mein Himmel, die wird uns schön aufspielen! rief ein alter Diener, der ^

müßig uMherstand, und dem Kutscher ruhig zusah. Wenn es noch wenigstens eineDeutsche wäre, die sind gutmüthiger; aber eine Französin! Als ich vor zwanzig Jahren s

ist Petersburg war ^

Wir wissen schon, da dientest Du bei einer Gräfin, die auch eine Französin war.

Ach, du mein Himmel, wie hat die uns maldräthieret so heißt's ja wohl?

Aber unsere gnädige Baronin soll gutmüthig sein. Du hast es uns wenigstens s

versprochen Iwan, meinte der Kutscher. '

Ich verspreche Euch, daß Ihr noch niemals eine so schöne, kluge Herrin gehabt, f

wie unsere gnädige Frau, entgegnete Iwan mit großer Zuversicht. !

Wir wollen es sehr wünschen, sagte der alte Diener, denn die Weiber da hat >man Beispiele.

Du alter Junggeselle kannst ja nicht über die Frauen sprechen, entgegnete Iwan ^

lachend. !

Ach, du mein Himmel, ich kenne sie schon, seufzte der Alte, und erhob wie an-klagend die Hände.

Geh' lieber an Deine Arbeit, sagte Iwan in förmlich befehlendem Tone. Johannmuß in der halben Stunde anspannen und drinnen ist noch viel zu thun. .

Du hast mir gar nichts zu befehlen, murrte der Alte und blieb trotzig mit unter- f

geschlagenen Armen stehen. t

Das hübsche Gesicht Jwan's röthete sich vor Zorn, er ballte die Faust und schien ^

nicht abgeneigt, den störrischen Alten für seine Frechheit augenblicklich zu züchtigen; aber ker besann sich noch und bemerkte ruhig: Wenn Du glaubst, daß Du fortan wirft müßig f

gehen können, weil nun eine Frau hier herrscht, so irrst Du Dich sehr. s

Hast Dich wohl bei der Baronin schon recht einschmarotzt, daß Du hier beinahe ^

j>en Herrn spielen willst? sagte der Alte trocken, den die Drohung des Andern wenig s

einschüchterte. Ach, du mein Himmel, warum mußte unser guter, junger Herr sterben, rdenn das Weiberregiment taugt niemals was. ^

Iwan drehte ihm zornig den Rücken und kehrte rasch in das Schloß zurück, um i'nicht den uunützen Streit mit dem starrköpfigen Alten fortzusetzen. ^

Von dem Grünschnabel laß ich mir nicht befehlen, brummte ihm der Bediente nach, strotzdem ihm der vorsichtige Kutscher abmahnend zuwinkte. Das hättest Du nicht thunsollen, August, sagte er mit bedenklicher Miene.

Ach was, vor dem fürcht' ich mich noch lange nicht. Ich bin ja weit älter undso ein unreifer Bursche hat mir gar nichts zu sagen. ^

Aber Iwan ist mit der Baronin gereist und gewiß bei ihr gut angeschrieben. !Gib' Acht, er wird Dir's gedenken, daß Du heut so grob zu ihm warst. ^

Was kann der mir anhaben. Er ist ja nichts mehr als ich selber, meinte der >Bediente.

Johann war anderer Meinung, aber er schwieg, denn er wußte doch, daß sich derstarrköpfige Alte nicht belehren ließ. Ohne sich in weitere Erörterungen einzulassen, ;putzte er noch eifriger an dem Wagen herum. t

Warum beeilst Du Dich so? fragte August. Es ist ggr nicht ängstlich.

Hast Du nicht gehört, daß ich in einer halben Stunde anspannen soll?

Na, der Grünspecht hat Dir doch nichts zu befehlen, der ist ja nicht unser Baron, fAber er muß doch wissen, wann ich die gnädige Frau abholen soll.