Ausgabe 
(21.8.1880) 15
 
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Es ist durchaus kein Scherz, entgegnen der Graf so ruhig wie bisher, aber dochmit ernster Stimme. Du hast an Iwan einen sehr gefährlichen Nebenbuhler, und wennDu die schöne Wittwe heirathest, dann fürchte ich

Weiter kam Brückenburg nicht, denn der Baron stieß ein Helles übermüthiges Ge-lächter aus.

Nein, das ist kostbar! Und das tischest Du mir mit ganz ernster Miene auf! Dukannst doch selbst gegen Deinen besten Freund den Schalk nicht verleugnen. ^

Du irrst Dich, ich habe anfangs gezögert, Dir meine Beobachtungen mitzutheilen;jetzt darf ich sie Dir nicht länger vorenthalten, erwiderte Brückenburg. Diese Frau ist!Deiner unwürdig, sie unterhält mit ihrem Kammerdiener ein sehr intimes Liebesverhältniß.'

Der Baron sprang von der Bank auf und rief in höchster Erregung: nicht mög-'lich! Wärest Du nicht mein einziger und bester Freund, ich müßte Dir entgegenwerfen:Du verleumdest!

Es ist dennoch die volle Wahrheit! Ich habe mehr als einen Beweis dafür, sagteder Graf so ruhig wie bisher.

Und der wäre? fragte Rosenberg heftig, und seine Blicke ruhten voll Unruhe aufdem schmalen blassen Antlitz des Freundes.

Du weißt, ich bin den Frauen gegenüber eine etwas mißtrauische Natur, begannder Graf; aber setz' Dich wieder, unterbrach er sich selbst. Es läßt sich so leiser sprechen,und diese Dinge möchte ich vorläufig doch nicht so laut erörtern.

(Fortsetzung folgt.)

Das Kleid des Buches.

Von Bruno Bücher.

Jemand hat behauptet:Alle Deutschen schreiben Bücher, wenige lesen Bücher unddie wenigsten kaufen Bücher." Ganz ohne Einschränkung wird man diesen Satz vielleichtnicht gelten lassen; er bedarf indessen auch einer Ergänzung, da er das Schreiben undLesen über Bücher unberücksichtigt läßt. Auf diesem Gebiete aber stehen Productionund Consumtion in richtigem Verhältnisse und mancher Deutsche, welcher glaubt, dieobige Anklage sei mit auf ihn gemünzt, kann dieselbe stolz mit der Erklärung zurückweisen:!Ich lese zwar die Bücher nicht, aber doch die Bücher-Kritiken", oder auch:Ich kritisiresie wenigstens." Es ist also unrichtig, zu sagen, das Volk, welches den Letterndruck er-'funden hat, kümmere sich um das Gedruckte nicht. Und aus diesem Verhältnisse kannman den Muth schöpfen, über Buch-Einbände zu schreiben, wenn auch bis vor Kurzemdas deutsche Publicum es den Engländern und Franzosen überlassen hat, die Kunst desBüchbindens zu pflegen und zu fördern.

So groß war die Gleichmütigkeit, daß Deutschland kaum eine Literatur über dieBuchbindung hat. Als Franzosen und Engländer diesbezüglich längst reiche und schönePublicationen besaßen, brachten wir es höchstens zu Schriften über das Technische des,Bindens Schriften von sehr zweifelhaftem Werthe, da doch kein Handwerk sich ausBüchern erlernen läßt. Neuerdings haben wir allerdings werthvolle Beiträge zur Ge-schichte des höchst interessanten Kunstzweiges erhalten, so in den Bilderheften zur Ge-schichte des Bücherhandels, welche der Kölner Buchhändler Lempertz herausgegeben hat,in Wattenbach's vortrefflicher Geschichte des Schriftwesens im Mittelalter und in Steche'sAbhandlung über' die Buchbindung in Sachsen einer dankenswerthen Arbeit, welchehoffentlich die Anregung zu weitem Special-Forschungen geben wird. Ebenso unleugbarist der Aufschwung, welchen die Buchbindekunst in Deutschland , besonders in den letztenzehn Jahren, genommen hat.

Wie rüstig allerorten vorwärts gestrebt wird, wie sich stetig die Zahl derjenigenBuchbinder und Buchhändler vermehrt, welche nicht mehr Alles gut finden, was neu ist,