und daZ am besten, was durch Bizarrerie überrascht, sondern sich bemühen, stylvolleOrnamentation wieder zu Ehren zu bringen; das sehen wir in der modernen Abtheilungder Buch-Ausstellung im österreichischen Museum. Noch find Franzosen und Engländerden Deutschen überlegen, aber aus einem allbekannten Grunde, welcher auch wieder mitden eingangs erwähnten Verhältnissen zusammenhängt; wenn der deutsche BücherfreundPreise zahlen soll, welche das Drittel von den in Paris und . London üblichen betragen,so bekreuzt er sich. Wir sind zu lange Zeit gewöhnt gewesen, auf diese Dinge garkeinen Werth zu legen, Ob ein Buch sich gut aufschlagen läßt und aufgeschlagen liegenbleibt oder nicht, ob es, zugeschlagen, auch wirklich schließt oder „das Maul aufsperrt",ob die nur eingesägten, nicht gehefteten Bogen bei einmaligem Gebrauche des Bucheshervorspringen und herausfallen, ob der Papierrücken berstet und bricht, die Ecken sichabstoßen, der Calico-Ueberzug schäbig und rissig wird und all' dergleichen mehr, wurdegar nicht beachtet, wenn nur der Einband wenig kostete. Wie hätten wir für guteOrnamentation, den Unterschied zwischen Maschinen- und Handarbeit rc. ein Auge gehabt!Jetzt müssen wir erst wieder lernen, daß für Schleuderpreise auch nur schleuderischeArbeit verlangt werden kann.
Leistungsfähig sind jetzt unsere Buchbinder so gut wie andere. Man vergleiche,um sich davon zu überzeugen, die modernen englischen und französischen Bücher, welchevon Gerold und Comp, und Lechner's Universitätsbuchhandlung ausgestellt worden sind,ferner die aus einzelnen Privatbibliotheken, wie jenen der Fürsten Liechtenstein undMetternich, hergeliehenen mit deutschen und österreichischen Arbeiten. Das bekannteGeschäft von Fritzsche in Leipzig hat einen ganzen großen Glaskasten mit Einbändengefüllt, für welche Architekt Leopold Theyer , Docent an der Kunstgewerbeschule, dieEntwürfe gemacht hat: elegante Bände, darauf berechnet, auf Salon- und Lesetischen zuliegen, und daher vorzugsweise auf dem Deckel reich mit Vergoldung im Nenaissance-Styl ausgestattet. Lechner hat in langen Reihen Bibliothekswerke vorgeführt; sie habensich mit den solid gearbeiteten, zugleich praktisch und gefällig eingetheilten und betiteltenRücken zu präsentiren und zeigen erfreulicherweise, daß der Ledereinband mit den natür-liche Felder bildenden plastischen „Nerven" und bunten Titelschildern wieder allgemeinerin Aufnahme gekommen ist, welcher einen gefüllten Bücherschrank zu einem ungleich er-freulichern Anblick macht, als die so lange dominirenden dunkeln Calico-Bände nur mitGolddruck. Sind schon in dieser Abtheilung der Lechner'schen Ausstellung wohl zumeist,wenn nicht ausschließlich, einheimische Arbeiten zu sehen, so hat das Publikum nun auchGelegenheit, im Einzelnen zu beurtheilen, was unsere Buchbinder liefern können. In Schau-,und Prachtstücken, Albums, Adressen u. dgl. hat Wien sich längst hervorgethan. Vonviel größerer und allgemeinerer Wichtigkeit aber ist der tüchtige und geschmackvolle Biblio-theksband, und auf diesem Gebiete entwickeln Beringer, Franke, Hollnsteiner, Kritz,Scheibe u. A. in Wien eine höchst anerkennenswerthe Thätigkeit. Strebsame und ge-schickte Techniker, Specialisten unter den zeichnenden Künstlern haben wir also, fort undfort tauchen mechanische Verbesserungen auf, durch welche die Arbeit vervollkommnet odererleichtert wird; jetzt kommt es nur noch darauf an, daß die Schätzung der guten undschönen Arbeit auch wieder allgemein werde. Und aus diesem Grunde wünschen wir derAusstellung der alten Einbände recht viel und recht aufmerksame Besucher.
Dieselbe gibt allerdings nicht eine vollständige Geschichte des Buch-Einbandes, aberdoch reiches Material zur Illustration derjenigen Perioden, in welchen sich das Buchbindenzu einem selbstständigen Zweige des Kunstgewerbes entwickelte; seit der-Erfindung derBuchbruckerkunst und der Loslösung des Handwerks von der Klostergemeinschaft. Wohlhatte schon zu Beginn des Mittelalters jene Einheit von Buch und Deckel, wie sie indem römischen Diptychon noch besteht, aufgehört. Man schützte das geschriebene, so häufigmit Miniaturmalereien gezierte Buch durch starke Holzdeckel mit Lederüberzug oder, wiedas vornehmlich in Byzanz Sitte war, mjt vergoldeten Metallplatten, die gravirt oderemaillirt, oder mit Edelsteinen, Elfenbein-Schnitzwerk oder Filigran-Ornament ausgestattet