Ausgabe 
(21.8.1880) 15
 
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waren. Einzelne Beispiele dieser Arten finden wir auch in der Ausstellung, so einenvenetianischen Metallband mit Schmelzmalerei aus dem fünfzehnten Jahründert (Eigen-thum des Herrn Artaria ), dann galvanoplastische Nachbildungen des berühmten Oocio^nureuZ aus dem Kloster Prüm (jetzt in der Stadtbibliothek zu Trier ) mit der aus denersten Jahren des zwölften Jahrhunderts stammenden, in Kupfer gravirten Darstellungdes Heilands, umgeben von Pipin, Karl dem Großen, Ludwig dem Frommen, Lothar,Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen, ferner byzantinischer Metallbände aus demelften und zwölften Jahrhundert (Marcus-Bibliothek) und eines deutschen Evangeliariumsmit getriebener Hochrelieffigur aus der Zeit des zwölften oder dreizehnten Jahrhunderts;auch einen alten Lederband, wie dieBruder vom gemeinsamen Leben" sie gemachthaben mögen; die breiten Lederstreifen, welche die Pergamentlagen zusammenhalten,kunstreich mit den Deckeln vernäht, die letztem mit einer Ueberfallklappe und Schnallezum Verschluß versehen; endlich einen hochinteressanten geschnitzten Holzband, welchen einUdalricus im Jahre 1227 für ein Äissals des Abts Verthold von Weingarten an-gefertigt hat. Als Curiosum mag hier auch der Lederband erwähnt werden, an welchemetwas echt ist, nämlich ein Eckbeschlag, während alles Uebrige theils imitirt, theilsadaptirt wurde.

Diese Eckbeschläge, Knöpfe, Schilder rc. aus Metall erscheinen gewissermaßen alsdie Ueberreste der alten Metallplatten; auf sie wurde in der Zeit vom fünfzehnten bisins achtzehnte Jahrhundert bewundernswerthe Kunstfertigkeit verwendet, wie prächtigeBeispiele in Guß-, Treib- und Schneidarbeit, Gravirung und Filigran verdeutlichen.

Die vorhin erwähnte Holzschnitzerei gehört zu den Kunstsammlungen des kaiserlichenHauses (Ambraser Sammlung), aus welchen noch eine Reihe der kostbarsten Stücke bei-gesteuert sind; so ein Folioband, auf dessen Deckel in derben, aus Metall geschnittenenund von Emblemen (Krone, Kranaten rc.) umgebenen Buchstaben zu lesen ist, das; dasWerk von demZeug" der Grafschaft Tyrol handelt, vom Ende des fünfzehnten Jahr-hunderts; ein Gebetbuch des Erzherzogs Ferdinand, des Begründers der AmbraserSammlung, in schwarzem Sammt mit emaillirten Goldbeschlügen und dem Original-Buchbeutel" aus braunem Sammt; eine Grammatik, 1470 für den künftigen KaiserMax verfaßt und in Leder gebunden, welches, stark verschossen, auf dem vorder» Deckelbraun-roth, auf dem rückwärtigen grün zu sein scheint; ein Liederbuch, dessen Noten undText in vollendeter Weise gestickt sind u. A. m.

Zur reichsten Blüthe entfaltet, sich die Ornamentation der Bucheinbände im sech-

zehnten Jahrhundert. Italien bildet, wie in allem Kunstschaffen der Renaissance, denAusgangspunkt, und zwar lassen sich zwei verschiedene Systeme verfolgen, sich die baldvereinigen, später wieder getrennt auftreten; das eine benützt die Zierathen des Buch-druckers auch für den Einband und combinirt aus den einzelnen Schnörkeln, Blätter

u> s. w> sinnreiche Mittel- und Eckstücke; das andere entlehnt der orientalischen Flächen-

Decoration, Motive der Band- und Linienverschlingung. In glänzender Weise vereinigterscheinen beide in den italienischen Einbänden, welche sich an den Namen Majoli knüpfen,und in denjenigen, welche Grolier in Frankreich nach italienischer Art machen ließ; dieBänder bilden ein Gerüst, an welchem sich das reizendste Ranken- und Blattwerk empor-schlingt, das aber häufig auch Felder freiläßt für einen Titel, ein Wappen, einen Wahl-spruch oder den'Namen des Eigenthümers. Noch reicher wird die Wirkung, wenn di''Bände aus andersfarbigen, in den Ledcrgrund eingelegten Streifen bestehen.

Im Styl Grolier's wird neuestens viel gearbeitet. Doch nicht minder der Beachtungwerth sind spanische, italienische und französische Pergamentbände aus dem sechzehntenund siebzehnten Jahrhundert. Pergament und das häufig an dessen Stelle tretendeSchweinsleder sind in unserer Zeit in Mißcredit gerathen mit welchem Unrecht, dasMachen die erwähnten Einbände deutlich, an denen jene Lederarten ungleich rationellereVerwendung gefunden haben als da, wo sie über Holz- oder dicke Pappendeckel gespanntisind. Ein selbst so haltbares Material bedarf solcher Unterlage nicht, ermöglicht viel»