Ausgabe 
(21.8.1880) 15
 
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mehr einen festen und doch nicht steifen Einband. Diesen Vortheil sehen wir in denerwähnten Bänden bestens ausgenützt, und dabei macht das symmetrisch vertheilte, inder Regel nur Mitte und Ecke betonende Gold-Ornament auf dem gelblich-weißen Grundeden Eindruck vollendeter Noblesse.

In Deutschland hat man meistens auf den berühmten Vortheil verzichtet, und dashängt wohl mit dem herrschenden Styl der Verzierung zusammen, welcher ein architek-tonischer ist. Auch das erinnert uns wieder an die Abhängigkeit der Buchbindung vomBuchdruck. Die im Zeitalter der deutschen Renaissance so beliebten Frontispices derBüchertitel kehren in Blindpressung auf den Pergament-Deckeln wieder, mehr oder minderphantastische Säulenstellungen in Verbindung mit mythologischen oder allegorischen Figuren,Profilbildern römischer Cäsaren, Darstellungen von Scenen der alten Geschichte, welcheneine symbolische Deutung gegeben werden kann u. dgl. m. Der ganze Charakter dieserVerzierungen setzt aber feste Fläche, feste Begrenzung voraus. War das Material nichtPergament, sondern Kalbsleder, so ließ man gern Figuren und Ornament sich in leb-haften Lackfarben von dem braunen Grunde abheben.

Der Specialist wird sich mit Entzücken in das Detail der Styl-Abzweigungen undStyl-Umwandlungen vertiefen, die sich durch das siebzehnte und achtzehnte Jahrhunderthindurch vollziehen, um endlich wieder bei den Anfängen, dem einfachen Buchdruck-Ornament und dem Teppichmuster, anzulangen, welches nun aber in der Gestalt vonPapierüberzug chinesischer Herkunft oder in chinesischer Manier erscheint. Wie die Gro-lier'schen Bandverschlingungen nach und nach steif und nüchtern werden, wie eine zeitlangdie Rosette (das gothische Radfenster), theils vollständig, theils in einzelne Fächer zerlegt,beliebt ist, wie Spitzenmuster sich ein- und vordringen; das Alles ist an zahlreichen, sehrschönen Exemplaren aus den Liechtenstein 'schen, der Apponyi'schen und andern Biblio-theken und den Sammlungen des Museums anschaulich gemacht. Darunter sind Bücher,welche auch wegen ihrer einstigen Besitzer Interesse einflößen, wie ein Gebetbuch derMaria Stuart , verschiedene mit den bekannten sechs Kugeln der Medicäer. Auch reicheorientalische und schlichte japanesische Einbände fehlen nicht.

H Aus Allem wird der Bücherfreund und der Buchbinder Belehrung schöpfen. Hoffent-

lich werden uns aber Nachahmungen der antikisierenden Einbände vom Schluß des acht-zehnten und Anfang dieses Jahrhunderts erspart, die steifen Palmetten- und Mäander-Bordüren um Vasenbilder aus schwarzem Leder, in braunes eingelegt!

(Deutsche Ztg.)

Miscelleir.

* (Rollenverwechslung.) Die Zeche eines Gastes in einem Bierhause betrug57 dl., während der Gast nur mehr 50 dl. in seinem Portemonnaie auszuweisen hatte. Die Kellnerin, welche die Verlegenheit des Gastes merkte, sagte zu diesem: die 7Pfennig können's mir ja morgen geben!" Ersterer erwidert hierauf in seiner Ver-wirrung mit abwehrender Handbewegung und entsprechender Noblesse:O, ich verzichtedarauf!" '

(Ein Stoßseufzer.) Ein Bauer hatte sein ganzes Vermögen zur Erziehung*eines Sohnes aufgeopfert und als er sah, daß er nichts dafür gelernt hatte, seufzte er:Ach, wie viele Kühe habe ich für diesen einzigen Ochsen hingegeben!"

(Des Doktors Werke.) Als ein Doktor ein Quartier nicht beziehen wollte/dessen Fenster auf den Kirchhof gingen, meinte der Hausherr:Herr Doktor! Hier könnenSie ganz in Betrachtung Ihrer Werke leben."

Auslösung des Buchstabenräthsels in Nr. 13:Große Partie nach Chiemsee ."

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von vr. M. Huttlcr.