Ausgabe 
(25.8.1880) 16
 
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Nr. 16.

1880 .

zur

Mgslmrger PostMrmg."

Mittwoch, 25. August

Weg mit dem schlechten Menschen, der im Alte, vws darum keinen Baum mehr pflanzen will,weil die Frucht davon ihm nicht mehr reist! Das Wirken des Edeln ist an keine Zeit gebunden,und seine Thaten fließen durch die Ewigkeit. Klinger.

Der Herr Arrron.

Novelle von Ludwig Habicht .

(Fortsetzung.)

Der Baron folgte seinem Geheiß und nahm wieder auf der Moosbank Platz,wahrend Brückenburg mit gedämpfter Stimme fortfuhr und sich dabei vorsichtig nachallen Seiten umsah. Mir erschien schon bei unserm ersten Besuch das Verhältniß derBaronin zu ihrem Kammerdiener sehr sonderbar. Iwan zeigte ein solch selbstbewußtes,gönnerhaftes Benehmen, wenn er sich unbeachtet wähnte.

Das ist bei Kammerdienern keine Seltenheit, warf der Baron dazwischen.

Ganz Recht, bemerkte der Graf. Aber ich fing zufällig einen Blick auf, den dieBaronin mit Iwan austauschte und dieser Blick weckte meinen Argwohn.

Du gehst in Deinen Bedenken zu weit.

Laß mich nur weiter erzählen, sagte Brückenburg, der sich durch diese Unterbrechungenin seiner Ruhe nicht stör«: ließ.

Dieser Blick verrieth mir, baß zwischen Herrin und Diener ein sehr vertrautesVerhältniß bestand und nun verschärfte ich meine Beobachtungen, während ich mich ganzharmlos gab. Wirklich machte ich damit die Leutchen sicher. Dich glaubte sie ohnehinnicht fürchten zu dürfen, denn ein wirklich Verliebter sieht nicht so weit wie meine Handreicht, und der Graf streckte seinen langen Arm aus.

Der Baron hatte sich auf der Moosbank ein wenig zurückgelehnt und blickte mitallen Zeichen der Langeweile vor sich hin. Das argwöhnische Gemüth seines Freundeshatte da wieder einmal aus dem Nichts ein wunderliches Gewebe gesponnen, aber wieer den Grafen kannte, war es vergeblich, ihn zu widerlegen. Es war deshalb dasBeste, vorläufig zu schweigen und Brückenburg fuhr nach einer kleinen Pause mit leiserStimme fort:

Ich erhielt bald eine Menge kleiner Beweise, die meine Annahme rechtfertigten.Bei Tische beugte sich die Baronin mehrmals nach ihrem Kammerdiener zurück und ichkonnte dann in dem gegenüberstehenden Pfeiler-spiegel ganz gut bemerken, daß sie ihmzulächelte, so glückstrahlend und freundlich, wie nur eine junge Frau, die noch mit ihremManne in den Flitterwochcn lebt.

Narrheiten! murrte es durch das Innere des Barons, aber er schwieg und derGraf, der schon auf einen lebhaften Eimvurf gefaßt gew efcn, begann von Neuem: WennIwan in ihre Nähe kam, dann suchte sie wie zufällig /ech e Hand zu berühren und einseliges Lächeln, das ich nur bei Verliebten gesehen, sp-L lts um ihre Lippen, sobald si^