Ausgabe 
(25.8.1880) 16
 
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Das sage ich auch, bemerkte der Graf, wieder in seinen irrnrmen Ton sackend undobwohl er recht gut wußte, gegen wen der Zorn seines Freundes gerichtet war, fuhr erdoch mit sarkastischem Lächeln fort: Manche vornehme Frau, und besonders eine Fran-zösin hat nun einmal einen eigenthümlichen Geschmack und eine Vorliebe für Lakaien.

Ich begreife in der That nicht, wie Du solch' erbärmlichem Bedientengeschwätz diegeringste Beachtung schenken kannst! rief der Baron heftig aus, der seine tiefe Erregungnicht länger niederkämpfen konnte.

Du irrst, lieber Richard, wenn Du glaubst, daß man mir diese interessanten Mit-theilungen freiwillig gemacht hat, dann würden sie auch für mich wenig Werth gehabthaben, ich mußte sie vielmehr sehr theuer bezahlen; allein was thut man nicht alleseinem theuren Freunde zu Liebe.

Man hat Dir dennoch elende Lügen und Verleumdungen hinterbracht, entgegneteder Baron aufstehend, als wolle er damit das ihm höchst unangenehme Gespräch ab-brechen.

Der Graf erhob sich ebenfalls und an seine Seite tretend, sagte er mit weit größererWärme als bisher: Sei endlich vernünftig, Richard. Wie kannst Du nur denken, daßich Dir nur irgend etwas hinterbringen würde, von dessen Wahrheit ich nicht völlig über-zeugt wäre.

Du bist von dem lügnerischen Gesinde! arg getäuscht worden. Da hat Dich ein-mal Dein gewohnter Scharfblick im Stich gelassen.

Durchaus nicht, entgegnete der Graf mit großer Entschiedenheit. Bedenke, daßmir all' diese Angaben von mehreren Personen gemacht worden, die um eines gutenTrinkgeldes willen ihre Stellung nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen würden. Aber siesind Alle von dem Treiben der Baronin auf's Tiefste empört, nimm dazu meine eigenenBeobachtungen und Du wirst zugestehen müssen, daß die schöne Wittwe Deines Vetterswenigstens Deiner Liebe unwürdig ist.

Ich kann's, ich will es nicht glauben, denn ich halte sie einer solchen Verirrungfür unfähig.

Du willst es nicht glauben. Nun gut, ich werde Dir noch heute den schlagendstenBeweis liefern, daß zwischen unserer gnädigen Frau und ihrem Kammerdiener ein sehrzärtliches Verhältniß besteht, war die Entgegnung des Grafen, er bot dabei dem Freundsden Arm und Beide wanderten, ohne ein Wort zu sprechen, in das Schloß zurück.

(Fortsetzung folgt.)

Das Klima von SüdlirqL.

Eine Studie.

Ein eisiger Winter eine iuvernatu bruta, wie unsere Nachbarn, die Wälschcnsagen, lag 1880 über dem Etschland. So sagten die Eingeborenen, so diejenigen, diesich irgend eines Gebrechens wegen da aufhalten, so der Thermometer. Es kamen zehnbis vierzehn Grad Kälte vor. Brunnen froren ein und in raschen Flüssen mengte sichEisbrei unter die Wellen. Wie gewöhnlich fehlte aber, was überall den: Winter sountrennbar beigelegt wird, wie etwa den Furien ihr Schlangenhaar: die Trübung. Ichhabe Aufzeichnungen. Unter siebenundfünszig Tagen gab es sieben verdüsterte, die übrigenn,aren wolkenlos. Und mit dem Mittag kam die Wärme, und jeden Tag gab es zweiSMden, welche das Bild des Vorfrühlings zeigten. So kommt mir dieser viclver-schxiene Winter vor wie ein sonniger Traum. Die Berichte über das europäische Wetter,die man in den Zeitungen las: Niederschlüge, Nebel, Schneefälle in den Alpen und sofort, mochten für die ganze Welt gelten, nur nicht für das Etschland. Dieses schien dieEnclave eines anderen Reiches, in welchem unser irdischer Wettermacher nichts zu gebietenhat. Morgen für Morgen glänzten hoch oben auf der Mendelscharte die reichbehanaenen