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Dem Kühnen lacht das Glücks ich will auch gar nicht einmal behaupten, daß sienicht die Wittwe Deines Vetters, aber ich möchte nur wissen, wie sie dies plötzlich ge-worden äst? Hier liegt jedenfalls ein düsteres Geheimniß zum Grunde, irgend eineTragödie, und als der Baron nicht gleich etwas entgegnete, fuhr der Graf eifrig fort:Mir war es schon aufgefallen, daß die schöne Wittwe uns ungern von ihrem verstorbenenMann sprach und leicht darüber hinwegglitt, wenn ich über Deinen Vetter Näheres er-fahren wollte. Wenn ich nun die heftige Neigung bedenke, die sie für ihren Kammer-diener hegt und die sie schon lange empfunden haben muß, dann kommen mir ganz eigen-thümliche Gedanken. —
Du willst doch nicht sagen, daß sie meinen Vetter ermordet hat? fragte der Baronheftig und richtete, trotz der Dämmerung ganz betroffen, die gutmüthigen blauen Augenauf den dicht neben ihm reitenden Freund.
Muß sie eS denn gerade selbst gethan haben? entgegnete Brückenburg mit seinemgewohnten scharfen Tone. Aber Iwan kann ihr ja diesen Dienst geleistet haben undseitdem sind diese Beiden noch inniger und unzertrennlicher mit einander verbunden.Deshalb darf sie auch nicht dulden, daß dem treuen Burschen irgend eine Demüthigungwiderfährt.
Gräßlich, murmelte Nosenberg, und dennoch ist vielleicht Dein furchtbarer Verdachtnicht ganz ohne Berechtigung.
Es freut mich, daß selbst Deine sorglose Natur meine Grübeleien nicht ganz alsTrugschlüsse zurückweist.
Eine Frau, die sich an ihren Bedienten wegwirft, scheint mir zu Allem fähig,bemerkte der Baron und verrieth damit wieder, aus welcher Wunde er noch blutete.
Die Freunde ritten jetzt langsamer den einsamen Waldweg dahin und der Grafbegann nach kurzer Pause von Neuem: Je länger ich darüber nachdenke, je mehr Beweis-gründe entdecke ich für meine Vermuthung. Die Frau Deines Vetters hat sich in denhübschen Burschen verliebt, als Pariserin und besonders als Bühnenkünstlerin hat sievon der Heiligkeit der Ehe nicht gerade die stärksten Vorstellungen. Vielleicht haben esdie beiden Liebenden etwas zu arg getrieben und Bloomhaus ist dahinter gekommen.Nun mußte sich die schöne Frau entscheiden und sie zog den stattlichen Kammerdienervor, da galt es freilich, den unbequemen Gatten aus dem Wege zu räumen. Das Ehe-paar lebte damals in Italien, Dein Vetter ist in Neapel gestorben, wie sie behauptet,und dort soll das Gift wohlfeil sein. Vielleicht täusche ich mich, vielleicht bin ich aufder rechten Fährte.
Ich sträube mich noch immer, an diesen Abgrund von Schlechtigkeit zu glauben,sagte der Baron mit gepreßter Stimme. Sie hat mich durch ihren Geist, ihre Schön-heit völlig geblendet und zuletzt muß ich erfahren, daß sie mit ihrem Bedienten ein zärt-liches Verhältniß unterhält. Ich würde all' Deinen scharfsinnigsten Auseinandersetzungennicht geglaubt haben, wenn mich nicht der Augenschein darüber belehrt hätte.
Wir haben die schöne Frau und ihre Angelegenheiten mit viel zu großer Noblessebehandelt, meinte Brückcnburg, und nach dem heutigen Auftritt ist es Zeit, daß wir dieDinge etwas nüchterner auffassen. Einer solchen Person gegenüber fallen alle Rücksichten.Du hast als nächster Agnat ein Recht zu fordern, daß sie über ihre Erbberechtigung dievollgültigsten Beweise antritt. Bisher hat Niemand ihr die nöthigen Dokumente ab-verlangt, um zu sehen, daß wir es wirklich mit der Wittwe des Baron Bloomhaus zuthun haben.
Wäre es nicht unritterlich jetzt mit solchen Forderungen hervorzutreten? äußerteder Baron seine Bedenken.
Versprich es mir, das Alles in meine Hände zu legen, sagte der Graf und reichtedem Freunde seine Rechte, die dieser herzlich drückte, denn es kam ihm wieder einmalzum Bewußtsein, wie fest und treu Brückenburg zu ihm hielt, den alle Welt für kaltund herzlos hielt»
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