Ausgabe 
(28.8.1880) 17
 
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Ich muß es wohl, wenn Du es wünschest, entgegnete er deshalb, im eigenen Be-wußtsein, daß er dem Grafen selten widerstehen konnte. Nur heut morgen hatte er inliebeglühender Verblendung allen Beweisgründen Brückenburgs' getrotzt.

Das ist mir lieb, erwiderte der Graf lebhaft. Ich werde ihr zunächst einen Ad-vokaten auf den Hals schicken und dann wollen wir sehen, wie sich die Sache weiterentwickeln wird. Wenn ich- mich nicht sehr irre, endet die Komödie damit, daß Du alseinziger berechtigter Erbe in Bloomhaus einziehst. Also vorwärts! er setzte sein Pferdwieder in raschern Trab. Der Baron folgte ihm, ohne ein Wort zu entgegnen.

(Fortsetzung folgt.)

Die Tempel vott Slgrigent.

, Von Atsons von Rosthorn.

Die Sonne stand schon hoch und brannte tüchtig auf uns nieder, als wir unserwartungsvoll und ob des heitern Wetters guter Dinge auf dem Wege nach den Restendes ehemaligen Agrigcnt befanden. Zwei Girgentiner Equipagen, die, ihrem alterthüm-lichcn Aussehen und schlechten Zustande nach zu schließen, noch aus jenen Zeiten stammenmochten, da Goethe diese Gegenden bereiste, hatten unsere Gesellschaft aufgenommen.Dieselbe bestand aus einem Bcrsagliere-Major sammt Frau, einem österreichischen Fräulein,einer deutschen Familie vom Rhein und meiner Wenigkeit. Der Umstand, daß der all-bekannte Fremdenführer und Custos der Alterthümer mitfuhr, überzeugte sofort alleVorübergehenden, das; wir ^InZIeoi^ seien.

Die üppige Fruchtbarkeit der uns umgebenden Gegend macht uns bald an den ansFabelhafte grenzenden Reichthum der glücklichen Bewohner des gewesenen AkragaS glauben.'Die Girgentiner verbinden, wie alle Sicilianer, meist Garten und Feld, und so ist dennauch hier der Boden cultivirt, weist Hafer und Gerste vom schönsten Stande auf, währenddie saftgrünen Mandeln, immergrünen Oleander, frischblühcnden Maulbeerbäume undFrüchte verheißenden Feigen wohlthuenden Schatten bieten und erquickende Abwechslungin die sonst eintönige Landschaft bringen. Das Getreide soll nach statistischen Berichtenaus Palermo jetzt noch siebenfache Ernte zulassen, mährend man zu den Zeiten Cicero'szehnfach erntete, und es soll nach den Reiscbeschreibungen des Baron Riedesel aus demvorigen Jahrhundert einst einen Reiter sammt Pferd vollends verdeckt haben. Die Wiesen,mit einen: Blumcnteppich überzogen, dessen einzelne Formen in großen, bunten aneinander-stoßenden Flächen sich absondern und wiederholen und in welchem verschiedene Kleeartcnund unsere rothe Mohnblume vorherrschen, werden recht hübsch durch weidende Hcerdenausgeschmückt. Das Rindvieh, hier wie auf ganz Sicilien durchgehcnds von rothbraunerFarbe, ist schön gebaut, ziemlich groß und zeichnet sich durch kräftig geschwungene Hörneraus. Abgegrenzt werden diese Felder Wiesen und Gärten untereinander sowohl als vonder Straße her durch lebende Hecken, die von hohen, Fruchtstämme treibenden, hier bereitsblühenden Alo n und'dicht nebeneinander gesetzten Cacteen gebildet werden. Die letzter«,das Eharaktergewächs dieser südlichen Landschaft (Opuntia, 6eus inctia), hier indischeFeigen (üolii cl'Inckin) genannt, sind für Sicilien das geworden, was für Nordeuropa die Kartoffel bedeutet. Aus Südamerika ebenso wie die fälschlich Aloe genannte Agaveherübergebracht, haben sie nicht nur die Physiognomie der Landschaft verändert, indemsie ganze Berge mit ihren: ins Bleifahle schimmernden Blattgrün bedecken, sondern auchunbebaute Landesstrecken der Cultur wiedergaben. Sie kommen nämlich selbst aufFelsbodcn fort, bilden Erdreich um sich, das durch die zu Boden fallenden Blätter eineHumusschichte entwickelt, und so dient diese dem Unkraut ähnliche sehende Pflanze zurFruchtbarmachung des sterilsten Bodens. Die jungen Blätter dienen zum Viehfutter,die saftigen, rothen Früchte werden im Nachsommer und Herbst von Jung und Alt, Armund Reich in großen Quantitäten vertilgt.

Zahlreiche Staudengewächse, von Blüthen strotzend, Weißdorn, Busch an Busch,