zu bewältigen und er befand sich nicht einmal im Besitz einer Waffe. Hier konnte ihmnur List und Ucberredungskunst aus der Verlegenheit helfen.
Was verschafft mir das Vergnügen, Dich hier zu sehen? fragte er deshalb, nach-dem er sich von seiner Bestürzung etwas erholt hatte.
Die heiße Sehnsucht, mit Ihnen noch einmal zu sprechen, trieb mich her, entgegneteEnrichetta. Ich Habs kein Opfer und keine Mühe und den langen Weg nicht gescheut,um das Glück zu haben, Sie noch einmal zu sehen, Herr Baron, — und die Augender Italienerin ruhten rachefunkelnd auf dem bestürzten Antlitz des Mannes, der sichnoch immer nicht zu fassen wußte.
Was wünschen Sie eigentlich? stammelte ihr Gegner. Ich werde Ihnen gernentgegenkommen — seien Sie überzeugt — denn —
Was ich wünsche? Ich will mich an Dir rächen, Dich vernichten,, denn Du bistin meinen Händen! rief die Italienerin, und wirklich stand sie jetzt wie eine Rachegöttinhochaufgerichtet vor ihm. Zum Glück sprach sie französisch, wenn der Portier wirklichhorchte, konnte er Enrichetta nicht verstehen, denn er war des Französischen nicht mächtig.
Enrichetta, sei vernünftig! Du sollst es nicht bereuen, wenn wir als Freundescheiden. Stelle Deine Forderungen, ich werde sie erfüllen, wenn sie nicht übermäßig sind.
Du hast mich getäuscht und betrogen, mein ganzes Lebensglück zerstört und ichfordere weiter nichts als Vergeltung zu üben, entgegnete die Italienerin stark und heftig.
Was hättest Du davon, wenn es Dir wirklich gelänge, Deine Drohungen wahrzu machen? Du scheinst völlig zu vergessen, daß Du jetzt in Rußland bist und Du sehrleicht den Weg nach Sibirien antreten könntest.
Dann hätte ich wenigstens die Genugthuung in Deiner Gesellschaft dahin zu gehen.'
Der blasse, noch immer sehr hübsche Mann hatte seine Ruhe allmälig wiedergewonnen. Du dürftest Dich irren. Es wäre mir vielleicht möglich, Dich allein hinzu-schicken. Denn Geld und mächtige Freunde vermögen hier viel. Wenn ich Dich alsAbenteurerin verhaften und durchpeitschen lasse, kräht kein Hahn darnach.
Versuchen Sie es, mein Herr, entgegnete Enrichetta uneingeschüchtert. Der Steck-brief, der hinter Baron Bloomhaus erlassen worden, ist bereits in sicheren Händen. Siswerden durch eine Brutalität Ihr Verhängniß nicht aufhalten.
Noch einmal, Enrichetta, sei vernünftig, begann der Andere von Neuem. Ichkonnte damals mein Versprechen nicht halten, denn mein Herz war nicht mehr frei; aberich will Dir gern eine bedeutende Summe schenken. Du bist ja klug und hübsch, Duwirst leicht einen Mann finden, der Dir gefällt und mit dem Du glücklich lebst.
Ich wollte Dich haben, Dich allein, denn Dir gehörte mein ganzes Herz unddeshalb nur konntest Du mich zu allem bewegen und wie schändlich hast Du mich betrogen?
Hast Du nur die weite Reise gemacht, um mir die alten Klagen zu wiederholen?fragte sie Gregor, der es versuchte, ihr wieder trotzig die Stirn zu bieten, da freund-liche Reden und Schmeicheleien bei dem starrsinnigen Geschöpf nicht verfingen,
Nein, um all Deine Schandthaten aufzudecken um Dich zu entlarven, denn ich binim Besitz des verhängnißvollen Briefes, den damals die Fürstin von dem russischenGrafen erhielt und der —
Weiter kam sie nicht, denn ihr zur Verzweiflung gebrachter Feind wollte sich vollwahnsinniger Wuth auf sie stürzen, um sie vielleicht mit seinen Händen zu erwürgen;aber die unruhig funkelnden Angen der Italienerin hatten trotz ihrer Aufregung, jedeleiseste Bewegung des Anderen beobachtet und mit einer aalglatten Bewegung entschlüpftesie seinen Händen. Im nächsten Moment hatte sie schon das ohnehin nicht hohe Fenster-brett erreicht und sich damit vorläufig vor dem Rasenden in Sicherheit gebracht, der ihrauch dahin folgte und sie herabzureißen suchte.
Ich rufe um Hilfe! drohte sie sich an das Fensterkreuz anklammernd und nun dochdurch seine grenzenlose Wuth geängstigt.
.. Ihr Gegner trat rasch bis zu Thür zurück, als finde er die ruhigere Besinnung