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höhnisches Lachen aus. Aber ich war stets eine noble Natur, fuhr er, sich blühend, fort.Stelle Deine Forderungen, wenn sie nicht allzu unverschämt sind, werde ich sie erfüllen.
Meine Mittel sind erschöpft; ich möchte so rasch wie möglich in meine italienischeHeimath zurückkehren.
Wie viel brauchst Du, fragte er lauernd.
Ich verlasse mich ganz auf Ihre Großmuth.
Er sann einen Augenblick nach. Würdest Du mit 10,000 Francs zufrieden sein?
Sie beschämen mich, antwortete die Italienerin demüthig.
Du sollst sie haben, aber unter einer Bedingung.
Und die wäre? fragte sie mit einer Miene, die zu verrathen schien, daß sie jetztzu allem zu bewegen sei.
Du quittirst über die Summe und fügst hinzu, daß Du sie zur Pflege Deinerleidenden Gesundheit erhalten hast.
Sie würden mich dann als geisteskrank hinstellen, wenn ich dennoch gegen Sieauftreten wollte, brach es unwillkürlich von den Lippen Enrichetta's.
Ein kaltes, ruhiges Lächeln spielte um den Mund ihres Gegners. Ich möchteDir überhaupt rathen, dies zn unterlassen, entgegnete er scharf und schneidend.
Ich denke auch nicht daran. Es war von mir sehr thöricht, daß ich nicht schondamals die Belohnung annahm, die Sie nur boten. Ich war in jener Stunde noch zufurchtbar aufgeregt, jetzt bin ich ruhiger geworden.
Zu Deinem Glück. Mit zehntausend Francs bist Du reich genug, um noch einenhübschen Mann zu bekommen. Du sollst also das Geld auf der Stelle haben, wennDu damit einverstanden bist.
Ich werde Ihnen sehr dankbar sein, Herr Baron, war die Antwort.
(Fortsetzung folgt.)
Ei« Abenteuer Ole Wull'B.
Erinnerung von I. Brock.
Nun ist auch er todt, der ruhelose Paganini des Nordens, der vie Welt nach allenRichtungen der Windrose durchstreifte, ein moderner Troubadour, mit seiner Amati anstattder Laute. Er kannte des Lebens Leid und Lust wie selten Einer und was ich hiervon ihm erzählen will, wird einen Einblick in die Geschicke eines Mannes gestatten, derAlles, was er geworden, nur sich selbst verdankt.
Es war in Italien . Hilflos stand der junge Violinspieler da, nachdem er ver-geblich eine Gelegenheit gesucht hatte, um sein Talent an den Tag zu legen. Er mußte
Unterricht in Bologna zu 1 Lire (79 Pf.) pro Stunde geben, und da er bis dahin nur
zwei Stunden wöchentlich zu ertheilen hatte, war er in des Wortes eigentlichster Be-deutung dem verhungern nahe. — Der junge Mann ging durch das Florentiner Thor
nach seiner dürftigen Wohnung; es war finster geworden und der Hunger quälte ihngar sehr. Er öffnete die Schublade an dem dreibeinigen Tisch, um zu sehen, ob er dortnicht in einer Ecke ein trockenes Stück Brod finden werde; allein er vermochte keines zuentdecken; nur einige wenige Krümchen erinnerten an bessere Tage. Er sammelte siesorgfältig und steckte sie seufzend in den Mund. Darauf nahm er seine alte Geige,setzte sich auf's Sopha und begann wunderbare wilde und barocke Töne hervorzuzaubern,in welchen er seinen ganzen Kummer ausdrückte. So pflegte er jeden Abend zu spielen unddie ganze Nachbarschaft lauschte diesen eigenthümlichen Phantasien. Ja, oft versammelt.msich die Leute unten auf der Straße, gebannt von der Zaubermacht der Tone, und siefragten einander, wer wohl der merkwürdige Künstler sei, der so zu spielen verstehe.Aber da es Niemandem einfiel, danach zu fragen, ob der Meister auch Brod zu Hausehatte, konnte ihm die Bewunderung wenig helfen!
Wie schon so oft, sättigte er sich auch diesmal nur mit Tönen seines Instruments,