Ausgabe 
(11.9.1880) 21
 
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Gemahlin und kenne den Baron ganz genau. Wohl weiß ich, daß plötzlich das Gerüchtvon seinem Tode verbreitet wurde, aus welchem Grunde ist mir unbekannt, abersicher ist es, daß ich den Baron gestern gesehen und gesprochen habe, so sicher, wie ichjetzt vor ihnen stehe.

Nein, mein Fräulein, der Irrthum ist trotzdem auf ihrer Seite. Sie meinen dochwirklich den Baron Gregor Bloomhaus?

Gewiß. Ich war ja gestern in seinem Schlosse und will es Ihnen ganz genaubeschreiben, um Ihnen zu beweisen, daß meine Angaben auf Wahrheit beruhen.

Es ist dennoch unmöglich. Baron Gregor Bloomhaus ist todt und auf dem Schlosselebt jetzt nur seine Wittwe.

Die elende Schauspielerin Fräulein Combelaine! rief Enrichetta aus, deren Grollbei dem Gedanken an die glückliche Nebenbuhlerin erwachte.

Das stimmt! bemerkte Rasinsky und schüttelte bedenklich den Kopf, wie er diesesich widersprechenden Angaben zusammenreimen solle.

Sie sehen, daß ich den Baron und seine jetzige Gattin genau kenne.

Hinsichtlich der Baronin haben Sie Recht, nur lebt sie, wie ich Ihnen schon sagte,seit März dieses Jahres als Wittwe in Bloomhaus.

Es verbirgt sich hinter dem Allein irgend eine Schurkerei, entgegnete Enrichettanach kurzem Sinnen und sie erzählte nun lebhaft, warum sie dem Baron so hartnäckiggefolgt sei wie sie die Nachricht seines Todes erfahren und ihn doch gestern lebend undgesund in Bloomhaus getroffen habe.

Rasinsky hörte in größter Spannung zu, sein anfangs kaltes, abgeschlossenes Gesichtbelebte sich immer mehr und zuletzt verrieth der junge Advokat deutlich, in welche Auf-regung er durch die Mittheilungen Enrichetta's versetzt worden. Das waren so furcht-bare ungeheure Enthüllungen, die weit über das hinausgingen, was Rasinsky erwartethatte und die plötzlich über die ganze Angelegenheit ein ganz anderes düsteres Licht ver-breiteten. Ah, und was die Brust des Advokaten noch heftiger erregte, sie schienenvollends seine kühnsten Vermuthungen bestätigen zu wollen. Hier waren dunkle ver-worrene Fäden gesponnen, die hoffentlich endlich gelöst wurden. Glauben Sie nun, daßich gestern wirklich den Baron Bloomhaus gesprochen habe? schloß die Italienerin ihrelange Erzählung, die Rasinsky mit keinem Worte unterbrochen hatte, während die ganzeAngelegenheit sein lebhaftes Interesse erregte, mußte er zugleich über die Kaltblütigkeitdieses Mädchens staunen, das so ruhig und unbefangen seine eigene schwere Schuld be-kannte. Welch' seltsame Räthsel in einer Menschcnbrust!

Erst ihre Frage weckte ihn aus seinem tiefen Nachsinnen. Er strich sich über diehohe Stirn und entgegnete langsam nach einer Pause: Nein, den Baron Bloomhaushaben Sie nicht gesprochen, der ist todt, darüber herrscht kein Zweifel; aber wollen Sieso gut sein, mir die Persönlichkeit Ihres Barons näher zu beschreiben.

Enrichetta that es ohne Zögern und Rasinsky rief lebhaft aus: So hat mich meineAhnung nicht betrogen. Es war der Kammerdiener Iwan, der die Rolle des Baronsgespielt hat, wenigstens ist dieser Mensch in Bloomhaus nur als Kammerdiener auf-getreten.

Was soll diese Komödie wieder bedeuten? fragte die Italienerin rasch,

Rasinsky mochte vorläufig nicht verrathen, mit welchen! Verdachte er sich bereitsumhergetragcn, der jetzt durch die Angaben Enrichetta's bestätigt wurde; er entgegnetedeshalb ausweichend: Ich weiß es nicht. Vielleicht wollte er dadurch jeder Verfolgungauf immer entgehen!

Es bleibt immer höchst seltsam und Sie glauben, daß die russische Behörde jetztgegen den Baron einschreiten wird? fragte die Italienerin, deren Rachedurst seit demgestrigen Vorgänge sich noch gesteigert hatte.

Jedenfalls werde ich auf eine Untersuchung antragen und die Sache mit allevEnergie verfolgen.