164
Ich danke Ihnen, mein Herr, sagte Enrichetta und ihre dunkeln Augen leuchtetenförmlich unheimlich.
Rasinsky nahm ein Protokoll über ihre Aussage auf und fragte dann nach ihremferneren Wohnort.
Ich bleibe in ihrer Stadt, damit Sie mich in der Nähe haben, wenn Sie michbrauchen.
Der Advokat nickte zustimmend mit dem Kopfe, und geleitete dann, mit seltsamenEmpfindungen, das wunderliche Mädchen bis zur Thür.
Was wird der Graf zu diesen neuen Enthüllungen für Augen machen! dachteNasinsky stolz und erfreut darüber, daß er ihm solch' wichtige Dinge mittheilen konnteund seltsam genug, wie gerufen fand sich wenige Stunden später der Graf bei ihm ein.Er war in ungeheurer Aufregnng und ließ den Anwalt nicht erst zu Worte kommen.
Sie hatten Recht. Der Schwindel ist zu Tage! rief er sogleich und hielt trium-phirend mehrere Briefe in der Hand. Lesen Sie, lieber Rasinsky, — dann gestehenSie wenigstens, daß es diesem Abenteurer nicht an Kühnheit und Verschlagenheit gefehlthat. Sie brauchen übrigens nur den einen Brief zu studiren, setzte der Graf lebhafthinzu und' nahm aus einem großen Handschreiben ein kleineres Papier.
Es war ein Brief des Direktors der Irrenanstalt in Neapel an den russischenGesandten und enthielt die Mittheilung, daß ein Baron Bloomhaus vor zwei Jahrenvon Räubern angefallen und am Kopfe so schwer verwundet worden, daß er in völligeGeistesnacht verfallen und von seinem Bruder in die gedachte Anstalt gebracht wordensei. Hier habe endlich im Februar d. I. ein sanfter Tod seinem Leiden ein Ende gemacht.Ihre sehr scharfe Vermuthung war also völlig zutreffend — sagte der Graf, nachdemNasinsky den Brief kaum zu Ende gelesen hatte.
Es ist in der That ein kühner und verwegener Streich, sagte der Advokat nach-denklich.
Nun ist alles erklärt, fuhr Brückenburg mit gewohnter Lebhaftigkeit fort. Iwanhat also die Rolle seines Herrn weiter gespielt, als Baron Bloomhaus die Schauspieleringeheirathet und als er die Nachricht erhält, daß sein gnädiger Herr in Neapel endlichgestorben, läßt er seine Frau als Wittwe des Barons und rechtmäßige Erbin von Bloom-haus auftreten und tritt vorläufig wieder in seine Kammerdienerstellung zurück, bis Allesin schönster Ordnung ist. Deshalb also die glühende Schwärmerei der Baronin fürihren Iwan. — Ah, Madame, wir sind im Begriff, all' die kühnen freiherrlichen Träumegrausam zu zerstören, und er streckte drohend seine langen Arme aus.
Nasinsky lächelte über die ungeheure Erregung des Grafen, die er eben im Begriffwar, noch zu steigern. Dieser Iwan ist nicht nur einer der verwegensten Schwindlerund Abenteurer, der mir je vorgekommen, sonder auch ein Verbrecher, der vor demSchändlichsten nicht zurückscheut, wenn er irgend ein Ziel erreichen will.
Was sagen Sie, lieber Rasinsky? erzählen Sie nur! drängte sogleich der Graf.
Der ehemalige Kammerdiener Iwan hat als Baron Bloomhaus eine italienischeFürstin geheirathet und als er ihr überdrüssig geworden, sie ermordet.
(Fortsetzung folgt.)
Aus eisernem Lande.
Nach dieser Überschrift denkt der Leser vielleicht gar, ich käme schnurstracksvon der Insel Ferro . Keineswegs, ich komme nur aus Eisenerz in Steiermark,von jenem eisernen Boden, wo Arndt's „Gott , der Eisen wachsen ließ", geboren seinmuß, obgleich die Taufregister der alten Eisenerzer Kirche nichts davon vermelden. DieserEisengehalt des Bodens läßt einen nicht los, vielleicht weil man als richtiger Touristauch eine Magnetnadel bei sich führt, und man irrt dann wochenlang in dem Zauber-kreise herum, thalaus thalein, bergauf bergab, wie es mir geschehen. Der Mittelpunkt