Ausgabe 
(15.9.1880) 22
 
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Seit der nach verbürgten Nachrichten am 14. August 1248, an dem Todestagedes Erzbischofs Neinald von Dassel (si 1167), erfolgten Grundsteinlegung werden hinterGerard und Ryle, genannt Meister Arnold , dessen Sohn Johann (st 1330), MeisterRütger, Meister Michael, Andreas von Everdingen, Nikolaus von Buren (st 1446),Konrad Kuyn, Johann von Frankenberg. Die Ausführung der Fundamente, welche nach-weislich über 40 Fuß Tiefe haben und demgemäß wohl auf der Nheinsohle aufsetzen,muß eine lange Reihe von Jahren in Anspruch genommen haben. Laut einer 1868 ge-fundenen Inschrift hat 1271 (?) schon Albertus Magnus einen der neuen Altäre geweiht;1297 konnte Gottesdienst in den Chorcapellen abgehalten werden. 27. Sept. 1322 warder Chor selbst vollendet.

Bald nachher begann die Fundirung des nördlichen Querschiffs und 1325 die dessüdlichen. 1388 wurde ein Theil des Langschiffes dem kirchlichen Gebrauch übergebenund 1447 war der südliche Thurm genügend gefördert, um die alten Domglocken darinaufhängen zu können. Ende des 15. Jahrhunderts gab man die Hoffnung auf, denBau vollenden zu können und versah ihn mit provisorischen Dächern, deren mangelhafteEinrichtung den Verfall in der Folge sehr begünstigen mußte. Im 16. Jahrhundertgeschah ebenfalls so gut wie nichts für den Bau, und auch im 17. und 18. Jahrhundertsind fast nur moderne Veranstaltungen des Innern zu verzeichnen.

Als im Verlaufe der ersten Revolution die Franzosen Köln besetzten, wurde dieKirche zu einem Magazin eingerichtet und so dem Untergang entgegengeführt.Nachhaltiger wie Georg Förster und Friedrich Schlegel lenkte Sulpiz Boisseröe (st 2. Mai1854) durch sein Prachtwerk die öffentliche Aufmerksamkeit auf die kostbare Bau-reliquie und nahm 1811 bei einem Besuche Napoleons Anlaß, ihn um eine Unterstützungdieser Bestrebungen anzugehen aber, Gott sei Dank, erfolglos. Gott sei Dank! dennso blieb die Ehre des Friedenswerkes ungeschmälert den Deutschen. Von einschneidenderBedeutung ist der Besuch Friedrich Wilhelms, den derselbe am 16. Juli 1814 mitGneisenau, Knesebeck und Ancillon dem Dome abstattete, bei welcher Gelegenheit Boissersees gelang, in dem kunstsinnigen Prinzen, der die Zeichnungen bereits im November 1813in Frankfuhrt gesehen hatte, eine hohe Liebe für den Kölner Dom zu erwecken, die er

bis an sein Ende treu und hingebend bewahrt hat. Ihm und dem Einfluße C. F.

SchinkelS, dessen Gutachten vom 3. September 1816 sich für Erhaltung des DomeSaussprach, gelang es, zunächst die nothwendigsten Mittel flüssig zu machen, mit Hülfederen die schlimmsten Uebelstände wenigstens beseitigt werden konnten.Der gute Bau-inspettor Ahlert", wie Schinkel 1824 schreibt, leitete vom Jahre 1821 ab diese erstenmühsamen Arbeiten, die nichts weniger wie dankbar waren. Friedrich Adolph Ahlert

starb am 10. Mai 1833. Am 14. August desselben Jahres übernahm der Landbau-

meistcr Ernst Zwirncr (geb. am 28. Februar 1802 zu Jacobswalde in Schlesien , ge-storben den 22. September 1861 zu Köln ) die Fortsetzung der Wiederstellungsarbeiten,und er ist es eigentlich, der den Gedanken des völligen Ausbaues gefaßt und immerfestgehalten hat.

Demgemäß stellte auch Zwirner der ursprünglich gewählten Holzeindeckung gegen-über die Forderung der Einwölbung der Schiffe auf, welcher auch Schinkel bei seinerletzten Anwesenheit in Köln (14. August 1838) rückhaltslos zustimmte. Dieses Project,das unter Fortlassung der Strebebögen aufgestellt war, erhielt auf Grund des Anschlagesvon 1,200,000 Thlr. durch Eabinetsordre vom 12. Februar 1842 die allerhöchste Ge-nehmigung, wurde aber nach Organisation des Dombauvercins (14. Febr. 1842), welcheram 8. Dezember 1841 provisorisch zusammengetreten war, kurz darauf um die Ausführungder Strebebögen erweitert, die sich für einen Kostenaufwand von 800,000 Thlr. erfordernsollten. Bei der feierlichen Grundsteinlegung am 4. September 1842 erklärte Zwirner,mit der Summe von 2,000,000 Thlr. in zwanzig Jahren den Dom mit Ausschluß derThürme fertig stellen zu wollen, und er hat Wort gehalten.

Bis 14. August 1848 war über den Langhallen das Nothdach fertig geworden;