Dann muß ich sagen, daß ich meine erste Frau nicht selbst vergiftet habe. Dasist die Wahrheit. Aber Du gabst den Auftrag und das Gift. Diese Geschichte gehtuns übrigens nicht viel an, fuhr der Kriminalrichter fort. Das wurde uns ganz unnützeWeiterungen verursachen. Der Mord an Deinem gnädigen Herrn und der freche^Betruggenügt schon, um Dich dahin zu bringen, wohin Du gehörst.
Iwan antwortete auch jetzt nichts. Er ahnte sein Schicksal und wußte nur zugut, daß es das Klügste war, sich demüthig schweigend zu unterwerfen. Als der Beamtebefahl, ihn wieder abzuführen, machte er nur eine tiefe Verbeugung.
VIII.
Graf Brückenburg hatte gegen seinen Freund nicht eher von der Sache gesprochen,als bis alles ermittelt war und die Baronin sowohl als ihr sauberer Kammerdiener imGefängniß saßen. Der Baron hatte geglaubt, daß sein Freund längst wieder die An-gelegenheit vergessen und aus dem Gesichte verloren habe, hatte er doch selbst nicht mehrdaran gedacht. Seit, jener Entdeckung war er ohnehin ein anderer geworden. Zumersten Male hatte er eine tiefe leidenschaftliche Liebe empfunden, um die bittere Erfahrungzu machen, daß er getäuscht worden. Nein, das war er nicht; er hatte sich selber ge-täuscht und dennoch empfand er es wie die tiefste Demüthigung, daß er, der BaronNosenberg, der bei allen Damen bisher fabelhaftes Glück gehabt, von einem elendenBedienten aus der Gunst der von ihm angebeteten Frau verdrängt worden.
Diese Kränkung seiner Eitelkeit traf ihn besonders tief. Plötzlich kam ihm dasganze Gesellschaftsleben flach und jämmerlich vor. Sein höchstes Vergnügen war esbisher gewesen, das Geld mit vollen Händen auszustreuen, wenn er überhaupt welcheshatte, jetzt erschien ihm sein bisheriges Leben leer und abgeschmackt. Er zog sich in dieEinsamkeit zurück und während er früher den Verkehr mit Büchern ängstlich vermiedenhatte, wurde die Lektüre jetzt sein einziger Genuß. Der Baron bekam dadurch sogar denAnstrich eines Philosophen, wie sein Freund spottend bemerkte, der trotzdem bald seineNeigungen theilte.
Baron Rosenberg war deshalb nicht wenig überrascht, als eines Tages der Grafmit den Worten in sein Zimmer trat: Ich gratulire Dir, Richard, Du bist seit gesternBesitzer von Bloomhans.
So, ist sie gestorben, fragte der Baron ganz bestürzt. Wenn ihm diese Frau auchdie tiefste Wunde geschlagen, er hatte sie doch einmal geliebt und die Theilnahme anihrem Geschick war noch nicht erloschen.
Sie sitzt mit ihrem treuen Iwan im Gefängniß.
Der Baron sprang heftig auf und ließ die Cigarre aus den Händen fallen. Ausdem ernsten Antlitz des Freundes entnahm er wohl, daß dieser keinen Scherz gemachthatte. Ah, ist es möglich! ? Und wie ist das gekommen? rief er in größter Aufregung aus.
Meine dunkle Ahnung hat mich nicht betrogen, entgegncte Brückenburg. Wirhaben es mit trefflichen Schauspielern zu thun gehabt, nur hat Iwan seine schwierigeRolle beinahe noch besser und mit größerem Anstand gespielt als seine Gehilfin.',
Du sprichst in Räthseln.
Die Dir gleich gelöst werden, wenn ich Dir sage, daß Iwan schon vor zweiJahren seinen Herrn wahrscheinlich durch irgend ein jetzt noch nicht völlig aufgeklärtesVerbrechen ins Irrenhaus geschickt hat, daß er seitdem mit großem Glück in der Weltals Baron Bloomhaus aufgetreten ist, zuerst eine reiche italienische Fürstin gehcirathet,ihr Geld durchgebracht und sie dann vergiftet hat.
Ist das Wahrheit? Ist das nur möglich? rief der Baron ebenso verwundert alswie empört. Dieser Schurke von Bediente!
' Das alles steht bereits aktenmäßig fest, unterbrach ihn der Graf. Du siehst also,wie leicht es in der Welt ist, den vornehmen Aristokraten zu spielen — eine Entdeckung,die uns Adelige wieder einmal recht demüthigen müßte. Was bleibt uns, wenn jederhergelaufene Lump die Rolle des hochgeborenen Herrn spielen kann?!