Der innere Adel! entgegnete der Baron und erhob stolz das Haupt. Früherhätte er diese Antwort nicht gefunden. — Seit seiner Wandlung war doch in seinemInnern ein reicheres Seelenleben erwacht.
Du hast Recht, sagte Brückenburg nach kurzem Sinnen mit großem Ernst. Einwirklicher Edelmann wäre auch solcher Schurkerei unfähig, wie sie dieser Bube begangenhat. Doch ich will Dir rasch seine Abenteuer zu Ende erzählen. Nachdem Iwan seinerersten Gemahlin überdrüssig geworden und sie durch Gift hatte beseitigen lassen, hat er dieSchauspielerin geheirathet, ob sie damals schon gewußt, daß ihr sauberer Gatte nichtsweiter als ein Schwindler war, läßt sich vorläufig noch nicht genau feststellen. .
Iwan ist also ihr angetrauter Mann? unterbrach ihn lebhaft der Baron .
Brückenburg nickte mit dem Kopfe. Jedenfalls war dies Paar einander würdig.Um nun die glänzende Erbschaft Deines inzwischen verstorbenen Vetters anzutreten,übernimmt nun die Schauspielerin die Rolle der trauernden Wittwe, während sich Iwanmit der sehr bescheidenen des Kammerdieners begnügt. Weil er in Bloomhaus nicht alsein Anderer auftreten durfte und Du mußt gestehen, daß es für einen Künstler keineKleinigkeit ist, plötzlich den Bedienten zu spielen, während er schon mehrere Jahre dieRolle des Barons gegeben hat und ich kann dem Burschen meine Bewunderung nichtvorenthalten, er hat seine schwierige Aufgabe sehr glücklich gelöst und ist nicht ein einzigesMal aus der Rolle gefallen.
Wer hätte das gedacht! Es erklärt Alles! sagte der Baron und empfand docheine gewisse Befriedigung, daß dadurch die Handlungsweise der schönen Frau eine andereBeleuchtung erhielt. Unter diesen Umständen war ihr freilich nicht zu verargen gewesen,daß sie treu zu ihrem Manne gehalten hatte.
Und zum Erstaunen Aller lieferte die Schauspielerin einen Beweis von weitgrößerer Treue, den Niemand erwartet hätte. Da man ihr nicht beweisen konnte, daßsie schon vor Eingehung ihrer Ehe die Verhältnisse Jwan's gekannt hatte, wurde sie nurwegen einfachen Betruges verurtheilt und die Richter übten gegen die noch immer bild-schöne Frau ganz besondere Nachsicht. Sie kam mit einigen Monaten Gefängniß fort,die rasch verbüßt waren.
Der Kammerdiener dagegen wurde zum Tode verurtheilt, vom Kaiser jedoch zulebenslänglicher Verbannung nach Sibirien begnadigt und seine Frau setzte alle Hebelin Bewegung, um die Gunst zu erlangen, das Schicksal ihres Mannes theilen zu können.Einer solch' rührenden Hingabe Hütte man die ehemalige Schauspielerin nicht fähig ge-halten und selbst die Theilnahmslosesten wurden von dieser unerschütterlichen Treue tiefbewegt. Um ihr Ziel zu erreichen, verschmähte es sogar Desiree nicht, den BaronRosenberg um seine Vermittelung anzuflehen und das im Grunde noble, weiche Herzdes Barons wurde davon tief erschüttert. Mochte diese Frau immerhin eine Abenteurerinsein, ihre festhaltende Liebe hatte doch einen heroischen Zug. Seltsam bewegt sagte erihr die Erfüllung ihrer Bitte zu und seinem Einflüsse gelang es wirklich, für die schöneFrau die Genehmigung zu erlangen, daß sie ihrem Gatten nach Sibirien folgen konnte.
Wie der alte Kriminalrichter schon erklärt hatte, wurde der Vergiftungsfall nichtweiter erörtert und deshalb auch die Untersuchung nicht gegen Enrichetta eingeleitet. Siehatte sich, nachdem Sie ihren Rachedurst voll befriedigt gesehen, in ihr Heimathlandzurückbegeben und nichts mehr von sich verlauten lassen. Nasinsky, der kluge Advokat,gelangte in der Folge zu immer größerem Ruf und Ansehen.
Baron Bloomhaus-Rosenberg trat jetzt das Erbe seines Vetters an, aber er machtealle Voraussagen der Leute zu Schanden. Alle Welt war überzeugt daß er in kurzerZeit mit Hilfe seines Freundes sein glänzendes Besitzthum vergeuden würde, und dasGegentheil war der Fall. Der Baron begann jetzt ein stilles, ruhiges Leben zu führenund als wolle er mit seiner Vergangenheit gründlich brechen, heirathete er bald daraufeine Bürgerliche, die nichts besaß, als ihre geistige Bildung und wirkliche Vorzüge desHerzens und des Charakters. An der Seite dieser Frau führte der Baron ein wahr-