Ausgabe 
(18.9.1880) 23
 
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Angekl.: Ich arbeite als Schneider in meiner Loge. Präs.: In ihrer Loge?Also sind Sie eigentlich Portier? Angekl.: Mein Weib besorgt dieses Amt, ich binnur Limonadier. Präs.: Nur! . . . Nun, gestehen Sie, das Fräulein beschimpft zuhaben? Angekl.: Ich weiß wahrhaftig nicht, was ich ihr zugerufen habe; ich warganz toll vor Zorn, besonders weil ich sonst artig und gefällig gegen Mademoiselle binund sie z. B. auch manchmal gratis frisire. Präs.: Demnach sind sie auch Friseur?

Angekl.: Wie nicht leicht ein Zweiter: aber ich habe dieses Handwerk aufgegeben.

Der Tausendkünstler wird zu sechzehn Francs Strafe verurtheilt, ist also von jetzt anauch ein Verurtheilter.

Nur Wenige von den vielen Passagieren, welche Jahr aus, Jahr ein in Hotelswohnen, haben je das rege Treiben in der Küche eines ersten Hotels beobachtet, Keineraber vielleicht gesehen, was dem Auge am 17. d. imHotel Metropole" zu Wien sich darbot eine Küche unter Wasser. Nicht vielleicht eine geräumte, verlasseneKüche, sondern ein mit zahlreichem geschäftigen Personal gefülltes, für mehr als 500Personen in Thätigkeit gesetztes Laboratorium für culinarische Genüsse, aus welchen: demEintretenden die angenehmsten Düfte entgegenströmen. In Folge des hohen Wasscrstandesdrang nämlich Grundwasser in die im Souterrain gelegene Küche, welches bis auf dieHöhe von 14 Zoll stieg, und doch war kein Zimmer des Hotels unbesetzt, und Jederder Passagiere wollte seine Mahlzeit zur gewohnten Stunde genießen. Da galt es, raschzu handeln. Durch die vielen und weitläufigen Räume wurden über den Wasserspiegelhinweg drei Fuß breite Holztreppen in der Weise gelegt, daß die Verbindung mit undzwischen den einzelnen Herden und Tischen erhalten werden konnte. Da aber diese Treppennicht für alle Fülle ausreichten, so wurde das zahlreiche Küchenpcrsonal mit bis zu denKnieen reichenden wasserdichten Stiefeln versehen. Es gewährt, nach demKl. I.",einen eigenthümlichen Anblick, wenn ein zierliches Küchcmnädchen, mit dem schneeweißenHäubchen auf dem Kopfe und hochaufgeschürztem Kleide, mit den schweren Stiefeln durchdas Wasser plätschert, um ein aufgespießtes Huhn vom Herde nach dein Tranchirtischezu bringen. Am Abend des 18. stand das Wasser in der Küche nur noch sechs Zollvom Feuerherde entfernt.

(Eine Rauch rede.) Im deutschen Rauchkollegium, welches in B. Welz Restau-rant in Breslau tagt, hielt jüngst ein Mitglied folgende Rauchrede:Raucher! Nichtigrauchende Raucher rauchen rauchende Rauch-Rippe ruhig 'runter. Ruhig rauchende Raucherrauchen reizende runde Nauchringe. Robuste Raucher rauchen ranzige, runzelige Runkel-rüben-Rolle. Rapide Rosse reitende Raucher rauchen Riemen rüttelnd. Nennende Raucherrauchen rar. Reelle rauchende Raucher rauchen recht reine Rauchrohre. Raubritter, Räuber,Rinaldo, ruppige Rangen rauchen riechenden Ratiborer, Rawitschcr. Russische radikaleReformer rauchen Nettige, rothe Rüben, Nabunze. Rhetorische Rauchredner reden rauchendrecht rührend. Reimende Raucher reimen rauchend rabiate Rauch - Reime. Riecher rüm-pfende Raucher riechen rauchend Rauch. Reiche riechende Raucher riechen raren Rauch.Nochrige Raucher riechen recht rochrigen Rauch Raucher! rauche, rooche! rieche7Ruhe!"

(Ein grober General.) Der General N. war bekannt wegen seiner derbenAusdrücke. Eines Tages machte ihm der König Friedrich II. harte Vorwürfe wegender Excesse, welche sich junge Offiziere zu Schulden kommen ließen, und endigte mit denWorten:Er ist nicht grob genug." Ohne etwas zu erwiedern, wandte sich der Generalan das versammelte Offizierskorps:Ich frage Sie auf Ehre und Pflicht meine Herren,kann wohl ein Mensch gröber sein, als ich?"Nein, Ew. Excellenz," war die ein-stimmige Antwort.

(Was ist die höchste Potenz der Liebe?) Wenn der Mann sich aus Liebsfür seine Frau erschießt, weil dieselbe geäußert, daß ihr schwarz so gut steht.

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. M. Huttler.