Ausgabe 
(22.9.1880) 24
 
Einzelbild herunterladen

189

Die durch die Sonneuwärme arbeitende Wafserpumpe von

Foueault.

Bei der letzten Weltausstellung in Paris zogen besonders die Reflexions-Apparatevon M. Mouchot die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf sich. Diese bestanden ingroßen, parabolischen Spiegeln mit einem kleinen, centralen, tubulären Kessel. Das indiesem enthaltene Wasser sollte durch die vorn Spiegel zurückgeworfenen Sonnenstrahlengeheizt werden. Die Apparate waren mehr gelehrte Spielereien als praktisch verwend-bare Maschinen. Nach der Ausstellung wurden sie aber von den Herren Pifre undSakeron bedeutend vervollkommnet. Diese Mechaniker construirten Reflexions-Spiegel,welche in ihrem Brennpunkte einen Tubulair-Kessel enthielten, der eine bestimmte Mengeindustriell verwendbaren Dampfes erzeugte. Man kann durch dieselben in der That einenkleinen Motor, eine Wasserpumpe, ja selbst einen Pulsateur in Bewegung setzen. Wirzweifeln aber, daß diese Apparate je allgemeine Anwendung finden werden. Denn, wennnichts anderes, ihre Kostspieligkeit, welche von der Nothwendigkeit bedingt wird, daß manerstens dem Spiegel eine automatische Bewegung geben muß, damit er den Lauf derSonne verfolge, und zweitens, ihn sehr groß construircn, um eine starke erwärmendeKraft zu erhalten, wird ihrer allgemeinen Verbreitung ein starkes Hinderniß entgegensetzen.

Die Lösung des Problems aber, wie man die Wärmekraft der Sonne in derMechanik nutzbar machen könnte, wurde von einem genialen Physiker in die Hand ge-nommen und, wenigstens in einer Richtung, das heißt, insoferne als man durch Sonnen-wärme Wasser heben kann, wie es uns scheint, praktisch gelöst. Dieser geniale Physikerist Herr Foueault. Wir wollen seine Erfindung in ihren Grundsätzen besprechen. DerApparat wurde von seinem Erfinder chemische Pumpe benannt.

Um uns diese zu vergegenwärtigen, stellen wir uns eine gewöhnliche Saugröhrevor, welche im Wasser taucht und mit einem Ventile versehen ist. Sie verlängert sichnach oben in eine Ablaufröhre, die ebenfalls ein Ventil besitzt und in ein oberes Reser-voir mündet, in welches das aufgesaugte Wasser sich ergießen muß, um zu weiterenZwecken verwendet und anderswo hingeleitet zu werden. Im Verlaufe dieser Röhremündet eine zweite Röhre, welche dieselbe mit dein Stiefel der Pumpe verbindet. Nunstellen wir uns in diesem Stiefel, der senkrecht steht, einen Piston vor, der auf- und ab-steigt, und der ganze Apparat wird als eine einfache Pumpe erscheinen, die Wasseraufsaugt und ausgießt. Sie unterscheidet sich aber von den anderen gewöhnlichen Pumpendadurch, daß sie in einem weiten, geschlossenen Cylinder aus Eisenblech besteht, in welchemein flüssiger Piston auf- und absteigt, der aus einer Schichte von Erdöl gebildet wirdund der einen Schwimmer trägt, welcher einen um ein wenig kleineren Durchmesser hatals der innere Durchmesser des Stiefels ist, damit er sich in diesem frei bewegen könne,ohne an den Nieten oder anderen Erhabenheiten anzustreifen. Stellen wir uns weiterdiesen flüssigen Piston am Ende seines Verlaufes angelangt vor, und über ihm ein mitgenügender Spannkraft versehenes Gas, und wir werden leicht einsehen, daß dieses Gasden Piston hinabstoßen und in Folge dessen das darunter vorhandene Wasser durch dieAblaufröhren hinausstoßen wird. Wenn nun, sobald der flüssige Piston am unterenEnde seiner Bahn angelangt ist und noch bevor das Erdöl in die Saugröhre eindringenkann, der Druck von oben plötzlich aufhört und dagegen ein luftleerer Raum daselbstentsteht, ist es ebenfalls leicht einzusehen, daß der Piston wird hinaufsteigen müssen.Die Folge davon wird sein, daß der atmosphärische Druck das Wasser in die Aufsaug-röhren hinauftreiben wird, welches oberhalb des Aufsaugvcntils angelangt, durch denseitlichen Zweig der Saugröhre, eben in dem Maße, in welchem der Piston aufsteigt,den Stiefel der Pumpe füllen wird. Wir haben einen flüssigen Piston, welcher ohnejedwede Vorrichtung, ohne jegliche Reibung und ohne zu gestatten, daß ein TropfenWasser zwischen ihn und die Wand des Stiefels eindringe, in seinem Stiefel auf- und^igt, denn wegen seines «erinneren specifischen Gewichtes muß er immer auf dem