Ausgabe 
(22.9.1880) 24
 
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Wasser schwimmen. Der flüssige Pisten von Erdöl war also die erste griechische Ideevon Foucault. > . .

Da wir so weil in der Beschreibung der chemischen Pumpe gelangt sind, müssenwir untersuchen, wie eS geschieht, daß oberhalb des Pistons der Druck entsteht der den-selben hinunterdrückt, und abwechselnd der luftleere Raum, der ihn hinaufzusteigen zwingt.Wir müssen außerdem noch untersuchen, inwieferne die erwännende Sonnenkraft bei dembeschriebenen Vorgänge eine Rolle spielt.

Um dies aber leicht zu begreifen, müssen wir einige physikalische Sätze in Er-wähnung bringen. Diese sind:

1. Das Ammoniakgas ist im Wasser sehr löslich, denn, wenn man eine Eprouvettevoll von demselben Wasser umstürzt, ist seine Auflösung eine augenblickliche.

2. Die Auflösbarkeit des Ammoniaks im Wasser steht im umgekehrten Verhältnissezur Temperatur des letzteren.

3. Ein Liter Wasser löst, bei -f- 15 Grad, 743 LitreS Ammoniak auf.

4. Bei -j- 24 Grade löst das Wasser kein Ammoniak auf.

5. Bei 50 Grade entweicht alles Ammoniakgas, welches früher im Wasser auf-gelöst war.

6. Während das Wasser bei -s- 100 Grade Dampf von einer Atmosphäre Spann-kraft entwickelt, ist die Spannkraft des aus einer ammoniakalischen Wasserlösung bei der-selben Temperatur entweichenden Gases 7^/z Atmosphären gleich.

7. Dasselbe Wasser, welches erhitzt, das aufgelöste AmmoniakgaS entweichen läßt,löst selbes wieder auf, sobald es kalt wird.

8. Um eine bestimmte Menge von Spannkraft zu erzeugen, braucht eine ammonia -kalische Wafferlösung viel weniger Wärme-Einheiten als das Wasser, denn während jenebei 100 Grad nur 126 Wärme-Einheiten benöthiget, braucht dieses deren 537.

Aus diesen Sätzen geht hervor, daß man aus einer ammoniakalischen Wasserlösungeine viel größere Spannkraft mittelst viel weniger Wärme erhalten kann, als wenn manWasser in Dampf verwandelt, und daß man diese Spannkraft mittelst derselben Lösungconstant regeneriren kann.

Nun hatte Foucault die zweite glückliche Idee, die Spannkraft des AmmoniakgaseSzu benützen, um den flüssigen Piston in dem Stiefel der Pumpe in Bewegung zu setzenund die Wärmekraft der Sonne, um das Gas aus einer wässerigen Lösung frei zu machenoder selbes im Wasser wieder aufzulösen. Denn, wenn man eine wässerige Ammoniak-lösung erwärmt, und das sich dabei entwickelnde Gas oberhalb des Pistons in denPumpenstiefel eindringt, so wird dieser hinuntergedrückt. Wird aber die Lösung wiederkalt, so saugt sie das zuvor entwichene Gas wieder ein, es entsteht dadurch ein leererRaum oberhalb des Pistons und dieser muß in die Höhe steigen.

Daraus sieht man auch die Nothwendigkeit eines Pistons von Erdöl ein, welcherdas Ammoniakgas von dem aufzuhebenden Wasser vollkommen absperrt, damit dieseskein Ammoniak aufsaugen könne, sondern das Gas nur mit dem Wasser in Verbindungbleibe, in welchem es aufgelöst war.

Auf welche Art wird aber das Ammoniak-Gas von seiner Lösung entbunden, wiedringt es in den Pumpenstiefel oberhalb des Pistons ein, wie wird es von seinemLösungswaffer eingesaugt? . . . Der Apparat, wo diese Vorgänge stattfinden, ist eiweigenthümlich construirter Kessel, der mit dem Pumpenstiefel in Verbindung steht, vonden Sonnenstrahlen erwärmt wird, und den wir Sonnenkessel nennen wollen. Er ift-aus zwei Platten von Eisenblech zusammengesetzt, die an ihren Rändern hermetischgenietet sind, und dazwischen einen 2 bis 3 Millimeter hohen, freien Raum einschließen.Wenn man nun diesen Kessel auf Schwellen horizontal liegend sich denkt, und sein Peri-meter von einem erhabenen Rahmen umschrieben, damit seine obere Seite von einerSchichte von Wasser constant bedeckt sein könne, so hat man das klarste Bild diesesSonnenkessels. Mittelst einer feinen Röhre kann tnan ihn mit der amMniakalischen