Ausgabe 
(25.9.1880) 25
 
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heil wieder zurück; ihre Wangen rötheten sich, ihre Augen glänzten in Freude und Allesin ihr zeigte, daß ihre Wünsche nun erfüllt waren.

Moritz verbrachte jetzt meist seine Abende bei dem geliebten Mädchen; das düstereStübchen, die einfache Ausstattung desselben, die traurige, schweigsame Gesellschaft dergreisen Eltern, Alles heimelte ihn fromm an und er war glücklich mit der Geliebten,als wenn die reizendste Umgebung ihr Beisammensein verschönte; ihre Unterhaltung waraber keine lebhafte, sie betrachteten sich und träumten beide von dem Glücke ihrer !Zukunft. - l

So verfloß für Ursula und Moritz eine sehr glückliche Zeit. .

Eines Abends schien Moritz, als er zum Besuche kam, etwas aufgeregt und baldnachdem er seine Braut begrüßt hatte, machte er ihr voll Freude die Mittheilung, daß ler Nachricht erhalten habe, daß er befördert würde, und in ein recht hübsches Städtchen san der sächsischen Grenze käme.Wir müssen nun", fuhr er fort,unsere Verehe-lichung beschleunigen, damit Du gleich mit mir reisen kannst."

Das ist dann wohl eine weite Reise?" frug Ursula.

Allerdings, aber Du scheinst mir ja über diese Kunde erschreckt zu sein", meineliebe Ursula, und ich dächte doch, es müsse Dich freuen/ein neues Land zu sehen undvon diesem garstigen Erdenwinkcl einmal Abschied zu nehmen."

Es ist nicht meinetwegen, lieber Moritz, mir ist natürlich ein neuer Aufenthaltmit Dir gewiß höchst willkommen und macht mich glücklich; aber für meine armen Elternist eine weite Reise bei ihrem hohen Alter und ihrer Presthaftigkeit eine große Beschwerde."

Moritz stand stumm vor Ursula; er hatte zwar vorausgesehen, daß seine geliebteBraut, indem sie sein unstetes Leben als Eisenbahnbeamter theilen wolle, sich bei ihrergroßen Liebe, die sie für ihre Eltern hegte, nur schwer von ihnen trennen würde, zweifelte .aber doch nicht, daß sie ihre Liebe zu ihm und die Versorgung, die er ihr bot, schließlichihren Schmerz, von ihren alten Eltern scheiden zu müssen, bewältigen würde. Soschwer es ihm denn ankam, ihr diese bittere Stunde bereiten zu müßen, glaubte er dochnicht länger zögern zu dürfen, sie in dieser Beziehung aufzuklären und zu trösten. Erfaßte daher ihre Hand und sprach liebevoll zu ihr:

Meine Theure, bei den: wandernden Leben, das mir mindestens im Anfangebevorsteht, ist es wohl unmöglich, daß Deine alten und gebrechlichen Eltern uns folgenkönnen! bis jetzt haben wir allerdings nur geliebt und von dem Glücke unserer Zu-kunft geträumt, ohne die nähern Umstände zu erwägen, die mit unserer Berheirathungeintreten müssen; nun ist aber der Moment gekommen, darüber eingehend sprechen zumüssen; Du weißt, Geliebte, ich bin ohne Vermögen, ich beginne erst meine Carrisre,meine Besoldung ist gering und legt uns noch große Genügsamkeit auf, wobei ich aufDeinen Muth zähle. Die Mitnahme Deiner Eltern in unseren kleinen Haushalt würdedaher mit dem besten Willen und bei aller Aufopferung nicht ausführbar sein."

Meinen Vater und meine Mutter verlassen?" rief Ursula.

Lasse sie mit dem Wenigen, was sie besitzen, in diesem kleinen Hause; vertrauesie sicheren Händen und Du, Du folgst Deinem Gatten!" ,

Vater und Mutter verlassen?" wiederholte Ursula,aber weißt Du denn nicht, '

daß das, was sie besitzen, nicht zu ihrer Existenz ausreicht; um den Zins für diese s

traurige Wohnung zu zahlen, arbeite ich zu ihrem Besten! seit zwölf Jahren sorge ich k

allein für Fristung ihres Lebens!" >

Meine arme Ursula", nahm Moritz wieder das Wort,man muß sich in's iUnvermeidliche fügen, eröffne ihnen endlich, daß sie ihr Vermögen längst eingebüßthaben, daß sie bisher lediglich durch Deine Handarbeit ernährt wurden, daß Du Dich k

aber jetzt verheirathen kannst, und daß sie sich in die Nothwendigkeit fügen müßten, von s

der Gemeinde versorgt zu werden." I

Abreisen ohne sie! das ist unmöglich! sie der Gemeinde aufbürden, heißt ?