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meinen Aufenthalt gewechselt und Hunderte von Begebenheiten sind sich in meinem Lebengefolgt, ohne daß aber die Erinnerung an die Geschichte dieses armen Mädchens in mirerloschen wäre. — Ihre Briefe unterblieben mit der Nachricht über den Tod ihresVaters, — was ist aus ihr geworden? ist sie noch am Leben oder ist sie auch bereitsihren Eltern gefolgt? — Es wäre ihr fast zu wünschen, denn sie gehörte jedenfalls zuden Geschöpfen, denen kein Glück hienieden beschieden war.
Ein scharfer Kegler.
Der Gerichtssaal-Berichterstatter des „N. Wiener Tagbl." veröffentlicht unter derÜberschrift: „Auf der Kegelbahn" eine sehr humoristische Proceßgeschichte. Unter denBesuchern von Eibels Garten herrschte lange eine düstere Vorahnung schauerlicher Un-glücksfälle, deren Schauplatz die Kegelbahn sein werde. Es pflegte nämlich an Freitag-abenden sich dort eine Gesellschaft zu belustigen, deren Mitglieder fast durchwegs sogenanntescharfe Schieber waren. Wenn diese Gesellschaft die Kegelbahn besetzt hielt, dann warder Garten ein sehr unheimlicher Aufenthalt. Die Kegel flogen häufig bis zu den Tischender Gäste und die Kugeln sausten über deren Köpfe hinweg in den Nachbargarten, wosie die stärksten Baumäste wie Stroh knickten und sicher ab und zu auch ein Menschen-leben vernichtet hätten, wenn die nachbarliche Familie nicht schon im Frühjahre auf dasLand gezogen wäre. Im Laufe des Sommers mußten nicht weniger als vier hoffnungs-volle Kegelknaben vom Platze getragen werden, weil sie von rückprallenden Kugeln zuBoden gestreckt worden waren, und eines Tages verbreitete sich gar im ganzen Bezirkedas Gerücht von einer schauderhaften Blutthat, die in Eibels Garten begangen wordensein sollte. Es war jedoch nichts weiter geschehen, als daß ein waghalsiger Schneider-gehilfe, welcher in der Nähe des Ladens dem Spiele zuschaute, um seine sämmtlichenVorderzähne gekommen war, indem eine aufgeschlagene und daher aus der Bahn ge-sprungene Kugel den Unseligen an den Kinnladen getroffen hatte. In Folge der vielenSchadenersatzklagen war diese überaus kräftige Kegelgesellschaft genöthigt, sich zugleich alsein Sparvercin zu konstituiren, dessen Spielerträgnisse sämmtlich in eine Kasse flössen,aus welcher die Auslagen für das zerstörte Gesicht des Schneidergehilfen und die Spital-kosten für die vier elendiglich niedergeschobenen Kegelbuben gedeckt wurden. Auch wurdebestimmt, daß in Zukunft jeder „Schieber" die Kosten der Verwundung eines Kegelbubenoder Zuschauers aus seiner eigenen Tasche zu tragen habe, denn es bestand der Verdacht,daß im anderen Falle mit noch größerer Unachtsamkeit hinausgeschoben werden würde.Sonderbarer Weise war der gefürchtetste Kegelscheiber ein schmächtiger junger Mann,Namens Hermann Prinz, mit krausen Haaren und Goldbrille, der, wie es schien, all'seine Lebenskraft ausschließlich auf die Beförderung von Kugeln verwendete. Er setztenämlich seinen einzigen Ehrgeiz darin, als ein „Stecher" zu gelten, das heißt, als einMann, dem es gelingt, bei der Kriegspartie (Parteln) auch alleinstehende Kegel zu treffen.Obwohl so kurzsichtig, daß er regelmäßig noch einen Nasenklemmer vor die Augengläserstecken mußte, wenn er nach den Kegeln zielte, hatte es Herr Prinz doch allmälig zu demschmeichelhaftem Rufe eines „Stechers" gebracht, weil er mit unfehlbarer Sicherheit denlinken Eckkegel niederschieb. Es war dies schon so notorisch, daß Niemand diesen Kegeläuf's Korn nahm, wenn Herr Prinz anwesend war, sondern dieser Triumph immer diesemhervorragenden „Stecher" überlassen wurde. Herr Prinz tappte dann mit dem rechtenFuße nach einer Höhlung im Boden, in welche er den Absatz zu stellen gewohnt war,schob die Rockschösse sorgfältig in den Ellbogen der linken Hand und versetzte hieraufseinen Körper in eine schwingende Bewegung. Nach einigen Secunden sprang er wieein Tiger vorwärts mitten auf das Brett, und die Kugel flog unter dem geheimmßvollenEinfluße einer höchst sonderbaren Verrenkung seines Körpers auf den linken Eckkegel zu,während der Kegelbube von namenloser Furcht gepeitscht, im Garten umherlief, bis sichdie Kugel ausgetobt hatte und wieder zahm zwischen den todten Kegeln rollte. Es ist