Ausgabe 
(25.9.1880) 25
 
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zwar kein einziger Fall verbürgt, daß Herr Prinz je einen anderen Kegel getroffen hätte,als den linken Eckkegel, aber es muß gleichzeitig bemerkt werden, daß er auch nie einenöffentlichen Versuch dazu machte, da seine Ueberzeugung die war, er sei einStecher"und lasse es daher weniger bewährten Kräften, in die vollen Kegel zu gehen. Einbeklagenswerthcr Zufall wollte es nun kürzlich, daß Herr Prinz zugleich mit dem linkenEckkegel zugleich auch die rechte Backe des Kegeljungen traf, dem es diesmal nicht ge-lungen war, sich rechtzeitig durch die Flucht zu retten. Herr Prinz begütigte den gewaltigheulenden Jungen und versprach ihm eine Entschädigung von zwanzig Gulden für dieausgestandenen Schmerzen, zahlbar am nächsten Freitage. Allein Herr Prinz zog es vor,an diesem Tage nicht zu erscheinen und erschien überhaupt nicht mehr auf der Kegelbahn,offenbar aus Besorgniß, es könne sich jener Unfall wiederholen. Vergebens suchte ihndort der Vater des verwundeten Kegelbuben, ein ziemlich derber Maurer, und als HerrPrinz-sich auch in seiner Wohnung verleugnen ließ, überraschte ihn endlich eine Vorladungzu dem Bagatellgerichte pmnato zwanzig Gulden an Verdienstentgang und Schmerzensgeld.Hier fragte der Richter den im Namen seines Sohnes klagenden Maurer, wie derselbeden Anspruch wegen Verdienstentgangcs erklären wolle. Weil er fünf Tag hat netaufsetz'n können und weil er eine schuldlose Familie zu ernähren hat."Was? DieserKnabe?"No ja, mi', sei Muatter und zwa klanere G'schwister, sän mir eppa kaschuldlose Familie?"Als Oberhaupt der Familie sollten doch Sie dieselbe ernähren."Thu i a, wenn i a Arbeit hab, jetzt han' i g'rad kani; 's paßt m'r a net jede."Herr Prinz erklärte sich aus Rücksicht für dieschuldlose Familie" bereit, ein für allemalzehn Gulden zu erlegen, indem er bemerkte, er habe die doppelte Summe nur in derersten Aufregung über den Unfall versprochen. Der Klüger gab sich damit zufrieden undging mit der freundlichen Warnung für Herrn Prinz:Mei' lieber Herr, a scharferSchub heißt nix; schaun's mir a mal zua in Wahring d'raußd'n. I han an Vrodlschub,aber reiß'n thut er damisch Kegeln, net die Kegelbuab'n. S'is g'scheidter so,moanen's net a?"

M i s - - l l e rr.

(Ehre und Geld. Der Marschall Nep sagte einst aufbrausend zu einem Schweizer :VvU8 uutres Luisses, vous ns clliörekeir gus llargant; ls Ill-gnanis ns edereiisHue l'kiormousr.^ (Ihr Schweizer , ihr trachtet nach nichts als nach Geld, der Franzoseaber sucht nur die Ehre.") Begütigend fiel der Schweizer ein:Olmoun eourt sxreg«6 Hui lui irmnHue." (Ein Jeder läuft nach dem, was ihm mangelt.")

(Muth.) Ein Offizier forderte einen Juden, Namens Löb, auf Pistolen. DerJude weigerte sich zu stellen.Wenn Sie sich nicht stellen," sagte der Offizier,so sindSie ein Hund."Nu," sagte der Jude,bin ich doch lieber ein lebendiger Hund,als ein tauder Löb."

(Wein für die Marterwoche.) Friedrich der Große fragte einst einen schlesischenKloster-Pater, ob im Kloster auch Wein getrunken werde.Ja wohl, in der Marter-woche, Ew. Majestät," antwortete er.

BuchstabenrebuS.

Auslösung des Buchstabenräthsels in Nr. 21:Aus Wachholder blüht keine Rose."

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Mauer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts vonvr. M. Huttler.