Ausgabe 
(29.9.1880) 26
 
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Herbsttage am Attersee .

Ist das ein fröhliches, heiteres, glückvolles Leben jetzt in diesen sonnengoldig-herbstlichen Tagen am Gestade des Attersees und auf den blauen und wieder tiefgrünen,von schneeigen Schaumkämmen durchzogenen Fluthen des weiten Gewässers! Zwar leichtschon verfärbt sich das hellere Grün der Linden und Birken und das in dunklern Tintenschimmernde Farbengemisch der Tannenwälder, welche allseits die bald sanft ansteigenden,bald mächtig aufwärts strebenden freundlichen Höhen bekleiden; zwar tritt schon da unddort, wie ein mahnendes Memento an das Vergehen der herrlichen Sommerszeit, aufden zierlichen, wohlgepflegten Wegen und Pfaden und in traulicher Einschicht still ver-borgen liegenden Lauscheplätzchcn im Schloßpark zu Kammer das verrätherische Gelb undNoth einzelner Blätter hervor; zwar heben sich erst in den späteren Vormittagsstundendie dichten, See und Land einhüllenden Nebelmassen, um das reine Blau des Himmels,Berg und Wald, und die weiten in verschwimmendes Violett getauchten Fernen derWasserfläche dein Blicke freizugeben; zwar senkt früh schon des Abends die Dämmerungihre Schleier dichter und dichter herab aber all' diese von Allmutter Natur so unzwei-deutig hingeschriebenen Zeichen des nahenden Herbstes, sie vermögen doch nimmer denSensitiven und den Getreuen dieses lieblichen Edens die köstlichen Stunden zu vergällen,jene einzigen Stunden, die mit ihrer Milde und mit ihrer schmeichelnden Lieblichkeit, mitihrem lächelnden Sonnengold, mit ihrem eigenartigen Duft und Zauber, in dem ein Hauchvon Schwermuth und Sentimentalität zuweilen zu zittern scheint, unser ganzes Ich, unserHerz und unsere Seele gefangen nehmen. ....

Da schweift unser Auge von der Terrasse des Hotels hinaus über den leichtgewelltenSpiegel des unvergleichlichen Attersees. Wunderliebliche Ufer-Partien, die gegen dassüdliche Ende den entschiedensten Hochgebirgs-Charakter zur Schau tragen, fassen denSee, einer Niesenperle gleich, in das erquickende Grün einer erhabenen Landschaft. Hatvielleicht ein längst entschwundenes, langst verrauschtes Geschlecht von Göttern einst diesesglänzende Juwel nach stürmischem Streite um den Besitz desselben herabgeschleudert zurErde, oder rief etwa ein beleidigter Dämon die rauschenden Wogen aus den Tiefen derwasserreichen Berge ringsum herbei und ließ das verheerende feuchte Element, eine zweiteSündfluth, immer höher und höher steigen, um so des üppigen Thales übermüthigeBevölkerung, deren Heim und Gut für immer zu vernichten? ...

Da zur Rechten, von alten, laubrcichen Eschen, von hoch emporstrebenden Pappel-bäumen umgeben und umschattet, erhebt sich auf freundlicher, von den klaren, schaumreichenWellen in gleichförmigem Getön bespülter, weit hinein in die schillernden Wasser desSees dringender Landzunge das noch heute gar stattliche vielhundertjührige Schloß. Jetztdurch Neubauten ergänzt, gehörte es einst den Grafen Khevenhüller zu Aichelberg , einemGeschlechte tapferer Ritter und streitbarer Kämpen, das namentlich im sechzehnten, sieb-zehnten und achtzehnten Jahrhundert zu hoher Blüthe gelangt war und dessen einzelneGlieder manche hochansehnliche Ehrenstellen und Würden einnehmen und bekleiden durften.

Unter den imposanten, noch immer farbenfrischen Oclbildern, die, der Sitte damaligerTage entsprechend, zu Füßen jeder einzelnen der lebensgroß gehaltenen Porträt-Figureneinen kurzen Lebensabriß derselben geben und die nunmehr die Wände der langen Corridoredes einstigen Grafcnsitzes zu beiden Seiten zieren, finden wir eine stattliche Reihe vonwackeren Kriegshelden verewigt, von denen nur einige hier erwähnt seien. Da ist Bärtl-man Khevenhüller, dersich in Schwedische Dienst einlassen, bey Niernberg umkamen ißtvnd dein von Ihr: May: alle Guetter Confisciret worden"; dann Hans Moriz,dersich auch in kricgs fachen hat Brauchen laßen"; Sigismund Josef, ein wackerer Held,demeine feindliche stückh kugel vor Belgrad 1738" das Leben nahm; Christas,Com-missüri in hungarischen khriegen vnd gesandter zu khayßer Carol vnd Prinzen phylippen";Moriz Christas, derzu Padova seyne Studia vnd Exercitien vollsürct vnd den ertzHerrzog Albrecht vnd Wenceslai nach Hispanien geleitet hat", u. A. in.

Wenn über die grauen Holzdächer der Schloßbauten, über den weiten Hof her, in