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lächelnde Gesichtchen einer frischen rosigen Dirne mit schwarzem, nach rückwärts zu ge-bundenem, reiche braune Haarflechten eindämmendem Seidentuch, wie dies ja eine specifischeEigenart der Toilette der Oberösterreicherin bildet. Drüben, am westlichen Ufer desSees, schimmern auf grünem Grunde die weißen Häuschen und der hohe Kirchthurm vonSeewalchen , wo es gleichfalls Sommers über an fröhlichem, luftschnappendem Stadt-volk aus Wien und Linz nicht mangelt. Reizend erdacht und ausgeführt liegt da dasartige Schlößchen eines Residenzlers, ganz im Style einer alten festen Burg mit Thurmund Thürmchen, Erkern und hohen bleigefaßten Fenstern. Durch das zierliche, kunstvollgefertigte Eisengitterthor, das den herrlichen Besitz gegen die Fahrstraße zu abschließt,blickt man wie in eine kleine Zauberwclt hinein. Es ist da Alles so niedlich und ge-schmackvoll, so zierlich und neckisch, daß man unwillkürlich an das schöne Märchen vom^Spielzeug der Riesenkinder" denken mag. » . .
Non den herrlichen Ausflügen nach Steinbach, nach Weißenbach, in deren Felsen-bereich es einem Glücklichen zuweilen gegönnt ist, flinke Gemsen über Gestein und Geklüft'springen zu sehen, sollte ich lieber gänzlich schweigen. Wer wollte all' diese imposantePracht auch nur annähernd beschreiben? Ist der Himmel tiefblau und in seiner leuch-tendsten Schöne, dann ragen die Zinken und Schroffen des am östlichen Seegestadeliegenden „Hochlecken" und die des mächtigen „Höllengebirges ", in dessen Schluchten derKaiser zu jagen liebt, gerade hinein in den reinen, ungetrübten Aether.
In Ünterach drüben, am südwestlichen Ende des Attersees, in dem idyllisch dortruhenden Dörfchen, scheinen sich die echten Gebirgsfexe zu einem länger» Sommer-Meetingversammelt zu haben. Da geht es unter nackten Knien, der kurzen „Ledernen", unterBrustlatz, Bundschuhen und dem gemsbartgeschmückten Aelplerhut nicht ab. Köstliche Ge-stalten tauchen da wohl vor unserm Blicke auf — der wahre Typus des städtischen Verg-uarrcn, wie er im Buche steht. Dort steigt auch der Rigi Oberösterreichs in die Lüfte,das steinerne Wahrzeichen des Atter- und des Mondsees, der Schafberg, der jüngst erstwieder zum Schauplatze eines erschütternden Unfalles geworden ist. Uebrigens ist essicher nicht so leicht möglich — extravagante Touren hübsch beiseite gelassen — bei einerBesteigung desselben Schaden zu nehmen oder wohl gar zu verunglücken . . . Was aberunser liebliches Kammer betrifft, so geht dieses durch eine bereits in Aussicht genommeneSchienenverbindung mit der großen Eisenstraße Wien-Salzburg , (Einmündungs-StationBöcklabruck) einer noch glänzendern Zukunft entgegen. Man braucht kein Prophet vonProfession zu sein, um diesem freundlichen Fleck Erde am nordöstlichen Ende des Atter-secs ungeahnten Aufschwung zu prognosticiren. Schon jetzt weist es alljährlich einenGesammt-Fremdenvcrkehr, Alles in Allem gezählt, von mehr als fünfzehntausend Seelennach, gute Seelen, schöne Seelen und auch die übrigen pflichtschuldigst eingerechnet-...Möge denn das schnaubende Dampfroß recht bald in langen Zügen der reizenden See-kmcht die Naturfreunde des ganzen Continents zuführen l -
Kammer, am 15. September 1880.
(Deutsche Ztg.)
Herbst Kunde.
„Ade! ich stiege nun davon,
Weit, weit
Reis' ich noch heut'!"
Fcldeinwärts flog em Vögeleinund sang im muntern Sonnenschein
Doch rückwärts kani der SonnenscheinsDicht zu mir drauf das Vögelein,
Es sah mein thränend AngesichtUnd sang: „Die Liebe wintert nicht,Nein! Nein!
Ist und bleibt Frühlingsschein!"
Mir ward so woyt und doch w bang;Mit frohem Schmerz und trüber LustStieg wechselnd bald und sank die Brust.
Doch als ich Blätter fallen sah.
Da dacht ich: Ach, der Herbst ist da!Der Sommergast, die Schwalbe, zieht,'
erz l Herz!
trichst Du vor Wann' oder Schmerz?
Brust. Vielleicht so Lieb' und Sehnsucht flieht
Weit, weit,
Rasch mit der Zeit!