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Miseelleri.
(Preuß'sche Pfiff.) Ein Oesterreichs und ein Preuße saßen im Wirthshaus«zusammen. „Mein Komroden, sogns mer doch amol, nemen's nit übel, wos sind dannholt preuß'sche Pfiff, (i hob schon oft sog'n hören: preuß'sche Pfiff,) maß holt gor nit,wos dös is." — „Ei, das null ich Ihnen gleich z. B. hier zeigen," sagte der Preuße,indem er die flache Hand auf den Tisch legte; „schlagen Sie mir einmal mit der Faustdarauf." Als der Oestcrreicher einmal einen derben Schlag darauf thun wollte, zog derPreuße schnell die Hand weg, und der Andere bekam einen gehörigen Puff auf demTische. „Nun, Herr Kamerad, nehmen Sie es nicht übel, das war ein preußischer Pfiff.,,Der Oesterreicher nahm's nicht übel, und ging fort. VaH> begegnete ihm auf der Straßeein Landsmann, dem er voll Freude zurief: „Hör Komerode, i waß jetzt, wos preuß'schePfiff find, i will der's a sog'n." — „Nu, wie denn, wos denn," fragt der Andere.„Schau," sagt der Erste, „schlag mer mal auf mei Hand" — (er hielt sie, da auf derStraße kein Tisch oder sonst was Dienliches zu sehen war, auf seinen eig'nen Mund).„Schlag mir nur amol aufe." Der Andere holt endlich aus zum Schlag. Schnell ziehtder Erstere nun die Hand weg, und der Schlag fährt ihm gesalbt auf den Mund, daßihm die Zähne wackeln und die rothe Brühe nachläuft.
(Bienen in Paris .) In der letzten Zeit sind mehrfache Klagen beim Polizei-präfecten von Paris über die zunehmende Bienenhaltung und die dadurch herbeigeführteBelästigung gestellt worden. Ein einziger Züchter soll mehr als 800 Stöcke haben.Diese Bienencolonien sind größtcntheils in der Nähe der großen Zuckerfabriken angesiedelt,in denen sie ihre Nahrung suchen. Eine einzige Fabrik schätzt den ihr durch dieselbenzugefügten Schaden jährlich auf 25,000 Francs. Ein Halbliterglas mit Syrup ist inweniger als zwei Stunden vollkommen geleert. Die Arbeiter, welche genöthigt sind, ihreBeschäftigung zum Theil mit entblößtem Körper zu verrichten, wobei ihre Haut mit demsüßen Saft bedeckt ist, beklagen sich fortwährend über die Angriffe der Bienen und essind schon Fälle vorgekommen, wo in Folge davon die Arbeit eingestellt werden mußte.
(Napoleons Rückzug.) Napoleon , in dessen Kopfe so riesenmäßige Pläne ent-worfen wurden, fühlte sich einst durch den naiven Einfall einer Dame betroffen, als ernoch auf dem Gipfel seiner Macht stand. Auf einem Balle in Paris trat er einer Tänzerinzu nahe und wurde von ihr unsanft berührt. Sie entschuldigte sich aber sogleich in denhöflichsten Ausdrücken. — „Hat nichts zu sagen," erwiderte der Kaiser ebenso höflich/„ich habe mich noch zur rechten Zeit zurückgezogen." — „Sire," entgegnete sie, „ich findemich sehr geschmeichelt, die erste Person zu sein, welche Sie zum Rückzüge nöthigt."
Ein Mann, der mit seinem alten zänkischen Weibe den Stephansthurm in Wien bestieg, sagte zu einem Freunde: „Heute erinnere ich mich sehr lebhaft meiner Kinder-jahre, dazumal ließ ich, eben wie heute, einen Drachen steigen."
Original-Charade.
* So kurz an sich mein Wvrlchcn ist(Denn merkt! es hat drei Zeichen)
So kann's euch doch für lange FristWenn ihr euch drein zu schicken wißtDen Freudenbecher reichen.
Doch wenn euch Gott nicht gnädig istWenn Zwietracht herrscht, und Trug und ListJa freilich, dann gibl's manchen Zwist;
Der Gram, der dann am Herzen frißtWird früh die Wange bleichen.
Es bleibt, wenn man es rückwärts liest ^
Genau das was es vorwärts ist, '
Dies; Wörtchen von drei Zeichen.
Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des
Literarischeu Instituts von Dr. M. Huttler.