Sack, gefüllt mit den von Dir' ersehnten Reichthümern > — — Magnet fühlte alsbaldLeben in sich zurückkehren, in einer Sekunde rief er sich das Marterleben eines Jahreszurück, er vermochte sich zu erheben, er konnte sich bewegen, seine Knochen krachten, erkonnte die Augen öffnen und sah sich von einer blauen Flamme umgeben.
Das Gespenst schritt vor ihm her, zeigte ihm die Stufe» der Ruine und wiesauf den gefüllten Sack hin; — Der Gefangene lud ihn auf seine Schultern und verließmühsam die Grotte, die sich alsbald hinter ihm schloß.
Als Gagnet wieder die frische Lebenslust einakhmete, fühlte er, daß sein ganzerKörper mit Moos bedeckt war und erschreckt darüber eilte er so schnell als es seine Lasterlaubte dem Städtchen zu, sich sehnend, seine Kinder und sein Haus wieder zu sehen.^ Unterwegs begegnete er mehreren Landleuten, die aus der Christmette "kamen; dieNacht war hell und eine furchtbare Angst befiel sie, als sie ihn sahen, und sich vombösen Geiste verfolgt glaubend, entflohen sie unter Angstgeschrci.
Bis er in die Stadt kam, war bereits alles zur Ruhe gegangen; er schritt schnur-stracks in die Coqstraße seinem Hause zu und klopfte dreimal an der Thüre.
„Wer ist da?" schrieen seine Söhne.
„Ich bin's, euer Vater, ich komme, von wo noch Niemand gekommen ist! —öffnet schnell! Euer Glück ist gemacht!"
Die beiden Söhne hatten Mühe die Stimme ihres Vaters zu erkennen, dochstanden sie auf, machten Licht und stiegen hinab um zu öffnen. — Da gewahrten sie ander Schwelle den Greis, vollständig bedeckt mit Moos; — sie bebten vor Schrecken undmachten das Zeichen des Kreuzes. —
„Entfernt Euch, Verfluchter! — Ihr seid nicht unser Vater!"
„Meine Kinder!" — habt Mitleid mit euerem armen Vater, ich habe Bitteresgenug gelitten, um so zu werden, wie ich Ihr mich seht, — habt Erbarmen und laßtmich eintreten und ausruhen von meinen Leiden, — kennt Ihr diesen Sack? — er istvoll Gold!" —
Die beiden Söhne wichen ^nige Schritte zurück, worauf Vater Urban eintrat undseinen Sack auf die vor ihm stehende alte Truhe werfend, sagte er: „Oeffnet ohneFurcht, es ist Gold!"
Joachim öffnete den Sack und entleerte ihn, — aber, wer malt die Ueberrafchung,nur Menschenknochen rollten zu ihren Füßen."
„Fluch!" schrie Urban.
„Ja, Fluch über Euch!" riefen Beide entsetzt. „Ihr seid ein Gespenst der Hölleund bringt uns hier die Gebeine unseres Vaters! — weichet von uns, Satan!"
Und Hieronymus stieß den Greis in seiner Mooshülle auf die Straße und schloßlasch die Thür.
Der Vater, verkannt von seinen Söhnen, mit dem Fluche Gottes belastet, schlepptesich bis an den Kirchhof und hauchte dort am Eingänge seine Seele aus.
Als die beiden Söhne Urban's sich von ihrem Schrecken erholt hatten, sagteHieronpmus zu Joachim: „Es sind sicher ^die Gebeine unseres Vaters, lasse sie uns amEingänge des Kirchhofs zur Erde bestatten, hinter die großen Steine an der Pforte."
„Ja, laß' uns gehen!" erwiderte Joachim und sie verbrachten die Knochen wiederrn den Sack, löschten ihr Licht, nahmen Hacke und Schaufel und begaben sich nach demKirchhofe, zu dem sie den Schlüssel hatten.
Am Eingänge angekommen, verwirrten sich ihre Füße in einem Haufen Moos, dersie schier zum Falle brachte; sie untersuchten das Hinderniß und erkannten einen Leichnam,—- es war die Moosgestalt, die sich just für ihren Vater ausgegeben hat.
Sie zogen den Kadaver, der noch laulicht warm war in den Kirchhof, gruben hinterdem linken Pfeiler der Eingangspforte ein Grab aus und verscharrten Alles sammt demSacke; die Arbeit vollbracht, besorgten sie das Läuten des Angelus.
Niemand im Orte außer den beiden Gagnet's kannte das Geheimniß dieser finsteren