Diese Letztere, an deren Wiege jedenfalls nicht alle drei Grazien, wenn überhaupt einegestanden, lächelte verlegen und schwieg; sie schien ebenso unsicher auf dem Parquet des ,
Vallsaales wie Pepi. Als er, um der stummen Unterhaltung eine Richtung zu geben, ^
sie zu einem Tanz aufforderte und in möglichst ehrbarer Entfernung von seiner Tänzerin f
zu einem Walzer Miene machte, huschte gleich einem Schmetterling, und wie Pepi wahr- s
zunehmen glaubte, mit boshaftem Lächeln — seine kleine Zaunkönigin von ehedem vor- r
über. Wie groß und hübsch war sie geworden! — Ihre Erscheinung brachte ihn der- ^
maßen aus der Fassung, daß er seine Walzer-Bemühungen alsbald aufgab und die naßeStirne trocknend, sich in eine Ecke zurückzog. Herr v. Huber hielt dies für natürlicheSchüchternheit und machte diesbezüglich einige aufmunternde Bemerkungen, welche dieAnnäherung der jungen Leute jedoch nicht sonderlich förderten. Was mußte er dagegenim Laufe des Abends sehen? Daß vor seinem Sohne urplötzlich eine braunäugige, schlankeMädchengestalt stand, ihn lachend anredete, während er sie bestürzt anstarrte und — ist'smöglich — zwei Minuten nachher sich flink mit ihr unter den anderen Paaren drehte!
Herr v. Huber war diesen Abend zum ersten Mal über seinen Sohn stutziggeworden; er konnte sich einer gewissen Unruhe darob nicht erwehren. Diesem Sohndagegen kam es vor, als hätte sich für ihn aus einer Stube, die sein bisheriges Lebenbedeutete, auf einmal ein Pförtchen mit lieblicher Aussicht ins Freie aufgethan. Erwußte nur mit wenigen unklaren Reden zu antworten auf die sondirenden Fragen, wiedie sittsame Schöne ihm gefallen, und wie es gekommen, daß er mit der „Drübigen", .
mit dem dunkellockigen Wildfang, getanzt habe. Zur großen Verwunderung des Eltern- !
paares fand er weiter Geschmack am Leben außer dem Hause, an andern Faschings-Vergnügen und fing an, nach seinen Bureaustunden einen Spaziergang zu machen, was .früher selten geschehen war. Auf einem dieser Gänge passirte es, daß Jemand ihm ^
guten Abend wünschte und fragte, wie er sich neulich unterhalten habe. Es war Toni,
die des Weges kam und sich ihrem Freunde von ehedem harmlos 'anschloß. Pepi gingetwas zaghaft, aber doch froh erregt, neben ihr her und bemerkte nicht, wie es schien,daß er gegen altes, feindliches Herkommen sein angestammtes Trottoir verlassen und sodie Begegnung gefunden hatte; er schien überhaupt vergessen zu haben, daß eine unwider-rufliche Gartenmauer zwischen ihm und dem lustig plaudernden Mädchen liege, und daßsie ihn einst so sehr despectirlich einen „dummen Buben" gescholten hatte. i
Pepi's sonderbares Wesen machte die Eltern immer unruhiger; der Herr Rechnungs- irevident, dem dies Alles gegen den gewohnten Ordnungssinn ging, äußerte sich eines s
Morgens zu seiner Ehehälfte, er sehe schon, er müsse die Sache mit Pepi's Verheirathung ^
in die Hand nehmen. Das Nächste war, daß Letzterer aufgefordert wurde, im Hause ^
der bewußten Schönen vom Turnerkränzchen einen Besuch zu machen, wogegen Pepi sich .
mit erschreckender Entschiedenheit weigerte. Diese Auflehnung setzte die erste kleine l
Familienscene in dem ruhigen Hause ab. Herr v. Huber vergaß darüber seine halbe «
Morgen-Cigarre zu rauchen. Pepi dagegen verspürte stärker denn je einen Zug nach ;
frischer Luft.
Melancholisch wanderte er am Abend selbigen Tages wiederum auf dem feindlichenTrottoir und dachte darüber nach, was aus all' dem noch werden sollte. Da sah er — ^
es war dieselbe Stunde und Gegend, wo dies schon mehrmals geschehen, ein wohl- ^
bekanntes Hütchen sammt braunäugigxr Trägerin auf sich zukommen, und sein Herz '
machte in Folge dessen einige ganz unerklärliche Sprünge. Obschon Toni längst die -
Kinderschuhe abgestreift hatte, war ihr jene naive Unmittelbarkeit von früher doch geblieben;die Art, wie sie sich ihm halb launig, halb treuherzig wieder genähert hatte und jetztder Ton, in welchem sie fragte, warum er ein so betrübtes Gesicht mache, heimelten '
Pepi sehr an. Er murmelte etwas von Unannehmlichkeiten zu Hause, machte dabei abergleich Kehrt, um Toni zu begleiten. Sie fragte ihn, was das für Unangenehmes sei.
Nach etlichem Besinnen und Würgen platzte er gerade heraus, es handle sich um's ^Heirathen. *