Ausgabe 
(6.10.1880) 28
 
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Um's Heirathen?" lachte Toni und sah ihn dabei eigenthümlich an.Das istja doch nichts Arges!"

Freilich nichts Arges", stieß Pepi heraus; aber

-Zu Wem darf man Ihnen denn gratuliren?" fragte sie etwas unsichernach einer kleinen Pause. Sie nannten sich nämlich jetzt in Anbetracht ihrer GrößeSie."

Das ist's eben ich weiß es selber noch nicht."

Jetzt lachte Toni noch lauter; es klang wie Freude.Das ist lustig!" So wasVerdrehtes hab' ich noch nie gehört."

Nach dieser Aeußerung fand sich Pepi genöthigt, die Sache näher zu erklären. DasHerz wurde ihm dabei unversehens leichter. Toni blieb nach feinen mühsamen Explikationenstehen, sie waren gerade vor ihrem Hause angekommen, und gab ihm den kategorischenRath:Machen Sie es doch wie ich. Ich hab' dem Vater erklärt, daß ich nur Jemandheirathe, den ich mag oder ich werd' eine alte JungferI"

Mögen thät ich schon Jemand", sagte Pepi leichter,aber da geht's garnicht!"

Toni schaute ihn forschend an und fragte:

Warum geht's nicht!"

Wegen der alten Geschichte mit der Gartenmauer die Eltern sind sich ja feind",antwortete der Befragte noch leiser.

Toni senkte die Wimpern, räusperte und meinte:O, deswegen!"

Wäre Pepi jetzt nichtso viel scheu" gewesen, wie seine Mutter einst gesagt, sohätte Alles rasch im Reinen sein können. Der Gedanke an die feindlichen Eltern hieltihn aber doch vom Aeußersten ab. Dies schien Toni recht wohl zu fühlen. Sie hobentschlossen ihr Köpfchen, warf einen schnellen Blick am Haus hinauf und sah drobenihre Mutter, die in der Abenddämmerung offenbar auf ihr säumendes Töchterchen wartete.Ein Gedanke schien in Toni aufzublitzen. Sie verzog einen Moment den Mund zumLächeln, dann sagte sie zaghaft:Wenn ich damit gemeint bin"

Ja wer sonst, Toni!" antwortete Pepi merkwürdig schnell.

Dann wußt' ich schon Etwas", fuhr sie fort und blickte dabei wieder in die Höhenach den: Fenster.Wenn Du mich gern hast, Pepi, dann gib' mir einen Kuß", sagtesie schnell und couragirt,das Andere wird sich schon machen."

Pepi erschrack förmlich vor dieser Courage, aber er that wie ihm geheißen. Eswar die erste Kühnheit seines Lebens.

Toni!" klang es in diesem Augenblick wie ein Befehl aus der Höhe.

Die Mutter hat uns gesehen ich hab's zu Fleiß gethan", flüsterte Toni;wirst sehen, jetzt geht das Andere schnell, mußt nur n' Kopf nicht verlieren!" Damitschlüpfte sie ins Haus und ließ Pepi wie von einem Wirbelwind erfaßt stehen.

Wenn man dem ehrsamen Huber'schen Ehepaar gesagt hätte, daß der Stefans-thurin plötzlich in ihrem Garten versetzt sei, wären sie weniger außer Fassung gerathen,als durch das Unglaubliche, daß ihr Pepi, ihr stiller Pepi, für den sie sich glaubten,

umschauen zu müssen, weil erso viel scheu" sei, sich durch einen unerlaubten Kuß-;

das ganze wackere Haus mit sammt seinem unverrückbar scheinenden Ordnungssystemgeriet!) in's Schwanken. Daß es aber mit diesem Kuß wieder einmal gegangen, wieschon oft in der Welt, wo ein Wciberköpfchen für die schwankende Thatkraft des Mannesfrisch eintritt, erfuhren sie nie, Kurzum, der Rest von dem Allem war, daß nach etlichenstürmischen Unebenheiten:

1. Pepi versorgt und somit nach des Herrn Rechnungsrevidentcn'WillendaSauch noch in der Ordnung war";

2. daß er dadurch mit dem ersten und einzigen Feinde seines Lebens sich versöhnte: