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nach Chr. nächst der Stadtmauer, wo jetzt dessen Ruinen theilweise blosgelegt werden,errichtet wurde und die Fundestelle der Cassetten-Sonnenuhr genau mit dem Platze über-einstimmt, auf dem eine Circusuhr für den Gebrauch der die Spiels leitenden kaiserlichenBeamten aufgestellt zu werden pflegte.
Für diese Ansicht spricht allerdings auch der Umstand, daß auf diese einen großenRaum einnehmende Sonnenuhr eine besondere Sorgfalt und Genauigkeit von dem aufder Tafel ersichtlichen Uhrmacher (Ll'^ntistino Lupvrus kamt) verwendet worden ist.Die Projection der graphischen Stundenzeichen von einer Hohlkugel auf eins ebene Flächeist meisterhaft durchgeführt; im hohen Grade muß auch die Genauigkeit überraschen, mitwelcher die Länge der Stundenlinien, d. h. die Schattenlänge des Gcomons gemessenund auf dem Steine dargestellt wurde. Der k. k. Direktor der Wiener Sternwarte,Herr E. Weiß, hat sich der langwierigen und mühsamen Arbeit unterzogen, die Schatten-längen zu berechnen, und damit die Längen der von Europorus gezeichneten Stundeu-linien zu vergleichen. Nach Feststellung der Länge des Geomons mit 6'3 Centimeterund dessen Stellung im Winkel der Polhöhe von 45 Grad 39 Linien, ergaben sich relativsehr unbedeutende Differenzen; so war für das Sommersolstitium die berechnete Schatten-länge für Mittag 61'9 Millimeter, während Euporus dieselbe effektiv mit 62 Millimeterzeichnete, eine Genauigkeit, die wirklich staunenswerth ist, insbesondere wenn man dieUnzugänglichkeit der Hilfsmittel in Anschlag bringt, welche den Alten zur Verfügungstanden und sie mit jenen vergleicht, über welche unsere Zeit verfügt.
Die sechste Sonnenuhr aus Aquileja befindet sich im Besitze des Herrn Dr.Gregorutti in Baperiano bei Aguileja. Dieselbe stellt eine zum Aufhängen bestimmteNeiseuhr Horologium viatorium, oivv xonsüniin des Vitruv .) dar, bestehend auseiner kreisrunden Scheibe Bronzeblech von 31 Millimeter Durchmesser, die auf beidenSeiten mit den Figuren des Analemma (Zeichen der Stunden und Jahreszeiten) ver-sehen ist; also ungefähr so groß wie die heutigen kleinen Cylinderuhren.
Die Figur auf der Vorderseite bezieht sich auf die Polhöhe von Rom, jene derRückseite auf die von Ravenna; diese Reiscuhr konnte daher für Mittel- und Oberitalien eine leidlich richtige Zeit angeben. Die Uhr hing vertikal und es mußte sowohl die Lagedes im Mittelpunkt befestigten Geomon als jene der Stundenzeichen dein entspreche^transponirt werden, welche Aufgabe auf dem kleinen zur Verfügung stehenden Raumvom unbekannten römischen Uhrmacher für. die Jahreszeiten sowohl als für die einzelnenMonate des Jahres vortrefflich gelöst worden ist.
Durch die vorstehend erwähnte Arbeit ist aber nicht nur die Kenntniß über dierömischen Sonnenuhren, sondern auch die allgemeine Alterthumskunde in der verdienst-lichsten Weise bereichert worden. (W. V.)
Miseellen.
Eine Gräfin besuchte alle Jahre Karlsbad. Auf einer Reise dahin erhielt sie unter-wegs beim Wechseln der Pferde zum Postillon einen Burschen von höchstens 16 Jahren.„Kannst du auch fahren?" fragte sie ihn beim Einsteigen in den Wagen. „Ei, warumdenn nicht, gnädige Frau! Kennen Sie mich denn nicht mehr? Ich habe Sie ja vorigesJahr umgeworfen."
(Schnell gefaßt.) Gast: „Sö, Jean! Der Braten ist frisch? Er schaut zwarnit schlecht aus, aber mit dem G'ruch bin i net einverstanden." — Kellner: „Aber EuerGnaden werden doch zwei Augen mehr glauben als einer Nas'n!"
Auflösung der Original-Charade in Nr- 2tt: Ehe.