zur
„Augslmrger Pojheitimg."
Nr. 31. Samstag, 16 . Oktober 1880.
Doch in dem Herzen wohnt der Menschen Größe,
Und in dein Unglück lebt der wahre Stolz.
A u s f e n b e r g.
Fest-Cantate zu«» Kölner Dombaufeste.
Schwing' dich zum Himmel du Jubelgesang!Ring' durch die Lüste, du fröhlicher Klang!
Was vor Jahrhunderten Meister erdacht,
Heut ist's vollendet, heut ist's vollbracht!
Sehet, wie sie stolz sich heben!
Seht, wie sie zum Himmel strebenPfeiler, Thürme, Blätterranken,
Sleiugeword'ue GottgedankenHoch bis in das WolkeureichNeckt sich auf das Steingezweig!
In dem deutschen heiligen StromSpiegelt sich ab der heilige Dom,
Mit den Blumen, Figuren und BogenSpiegelt er sich in den blitzenden Wogen,
Und aus den Wogen, den schimmernden Bahnen,Ziehen die Schisse mit flatternden Fahnen,
Und in den Gassen, da singet und klingt esUnd von den Lippen zum Himmel auf schwingt esHell sich emporIn festlichem Chor:
Was vor Jahrhunderten Meister erdacht,
Heut ist's vollendet, heut ist's vollbracht!
Es sprach ein Fürst an dieser Stelle,
Er sprach das Wort am deutschen Strom:
Aus Meister, Lehrling und Geselle iVollendet sei der alte Dom!
Heran aus allen deutschen ReichenMit Gott in srischem Muth geschafft! —
Es sei der Dom ein stolzes ZeichenDer deutschen Einheit und der Kraft!
Und wenn Vollendung ward dem Werke,
Zu dem sich rüstig regt die Hand,
Dann zeug's von Muth und von der StärkeDes Volks im deutschen Vaterland!
Dann zeug' es von dem BrudersinneDer Deutschen alle nah und fern!
Und rauschend bis zur höchsten ZinneMög' fromm ertönen: Dank dem Herrn!
Ja, Dank dem Herrn! Es ist geschehen!
Es kam nach Kampf und Schwcrterstreich,
Es kam ein glorreich AuferstehenDein alten, deutschen Kaiserreich!
Vom Meere bis zum Alpenhügel,
Von Polen bis zu Maas und Saar Hat ausgespannt die breiten FlügelDer mächt'ge Hohenzollern -Aar!
Dank Dir, o Gott! Die Glocken läuten,
Es trägt die Stadt ihr Feierkleid;
-O, mög' nun das Geläut bedeutenDen Segen langer Friedeuszeit!
Laß uns zu Deinem Throne legen,
O Ew'ger, diese Bitte hin:
Dein Herrscher und dem Volke SegenUnd allen Herzen Brudersinn!
Du stolzer Wächter am deutschen Rhein ,
Nun sieb' in stürmen und Sonnenschein,
Nun steh' und prange zu GotteS Ehr'
Und noch die spätsten Geschlechter lehr'!
Lehr' demuthsvoll sür Gott sie kuie'n,
Und lehre sie Haß und Zwietracht fliehst,
Lehre sie schaffen Hand in HandZum Heile sür Kaiser und Vaterland!
So schall ' es empor im gewaltigen TonZu des Rheinlands steinerner Ehrenkron'!
In Gottes Schutz, jahraus, jahreinSteh' prangend, du riesiger Wächter am RheinSchwing' dich zum Himmel, du Jubelgesang!Kling' durch die Lüfte, du fröhlicher Klang!
Was vor Jahrhunderten Meister erdacht,
Heut ist's vollendet, Heu! ist's vollbracht!
Emil Ritterhaus.