Ausgabe 
(20.10.1880) 32
 
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Eugenik!" Dann lachte sie wieder übermüthig und beachtete nicht, wie finster dieUefblauen Augen auf ihr ruhten.

William Walter wußte, daß es der Wunsch seiner alten Eltern und Freundes inAmerika war, ihre Beziehungen freundschaftliche und geschäftliche durch eine Heirathihrer Kinder zu befestigen. Eugenik besaß indessen trotz ihrer berückenden Schönheit nichtdie Macht, das Herz des schon erfahrenen Mannes zu gewinnen; wäre der junge Walter>rst fünfundzwanzig Jahre alt gewesen dann hätte die üppige Schönheit der Creolin ihm^eren Besitz vielleicht begehrenswert!) gemacht, doch jetzt war er in den Jahren, wo dietziebe mehr nach dem Herzen und dem Gemüth, als nach der körperlichen SchönheitDerjenigen sieht, die man sich zur Gefährtin für's ganze Leben nehmen will. Das über-müthige, launenhafte Mädchen hatte nie einen tieferen Eindruck auf den ernsten, schondurch das Leben selbst und durch seinen Beruf zum Nachdenken gestimmten Mann machenkönnen; er hielt sie für herzlos, und schon oft hatte er es ihren launenhaften Aus-schreitungen gegenüber an strengen Zurechtweisungen nicht fehlen lassen. Er hätte auchgern den sehnlichen Wunsch der Eltern erfüllt, wenn Eugenie nur ein wenig ihren Ueber-muth gezügelt und ihm gezeigt haben würde, daß sie ein Herz, ein warmes für altesEdle, Gute und Schöne empfängliches und empfindendes Herz besitze, das er zu liebenim Stande gewesen wäre; daß nur ihre Erziehung eine verfehlte gewesen, daß indessenderen Folgen noch zu beseitigen wären. Allein er mußte wohl einsehen, daß solcheHoffnungen chimärische waren.

(Fortsetzung folgt.)

Furchtbare Vergeltung.

Der deutsche Kontreadmiral außer Dienst, Reinhold Werner , erzählt in seinemjüngst erschienenen vortrefflichen BucheErinnerungen und Bilder aus dem Seeleben"(Berlin 1880. A. Hofmann und Comp.) folgende, in ihrer Furchtbarkeit spannendeEpisode aus dein Seeleben. Die Episode hat zum Mittelpunkte ein menschlichesScheusal, das glücklicherweise zu den Seltenheiten gehört. Es war dies der Komman-dant einer französischen Kriegsbrigg, mit der er im Jahre 183t- auf zwei Jahre nachder Antillenstation ging, eine jener niedrigen Seelen, deren Gemeinheit und Niedertrachtsich in ihrem wahren Lichte erst zeigt, wenn sie glauben, die Macht in Händ-'n zuhaben. So lange er Subalternoffizier war, schmeichelte er Jedem, von dein er irgend-wie Vortheile erhoffte, und namentlich den Vorgesetzten. Vorwürfe nahm er von ihnenwie eine Gunst entgegen, Grobheiten und Ungerechtigkeiten mit sanftem Lackeln. Ersuchte sich einen hohen Beschützer aus, dessen verdammte Seele er spielte; er übersprangKameraden, weil er kriechen konnte, erhielt Dekorationen als Pflaster für hingenommeneBeleidigungen und endlich das Kommando der Brigg als Belohnung für Speichelleckerei.

Sein Ziel war erreicht; er streifte die Maske ab, warf seinen bespuckten Rockhinter sich und zeigte sein wahres Gesicht, das nicht erröthen konnte, weil er keine Schammehr kannte. Seine Kameraden von gestern, heute seine Untergebenen, wurden seineOpfer. Sie hatten seine Natur erkannt, es bis dahin unter ihrer Würde gehalten, ihmdie Hand zu reichen, an Bord ihn unter Quarantäne gestellt und seinen Namen nurmit einem verächtlichen Achselzucken genannt. Er hatte Alles gefühlt, aber mit lächelndemMunde auf seine Zeit gewartet; jetzt endlich war sie gekommen und fortan wurde Rachedie Triebfeder aller seiner Handlungen.

Die Brigg hatte zwei Jahre auf der Station in. Westindien gelegen, und dieseganze Zeit war für die Besatzung nur ein hartes Gefängniß, eine ununterbrochene geistigeund körperliche Quälerei gewesen. Der Kapitän wohnte am Lande, aber übte von dort,seine Gewalt über die Untergebenen aus; er hatte an Bord seine Spione, die ihm Alleshinterbrachten. Fast täglich erschienen Befehle, welche die härteste Tyrannei übten, aberbefolgt werden mußten, weil sie die dienstlichen Schranken innehielten, und so wurdenhundert Menschen durch einen unsichtbaren Verfolger allmählich zur Verzweiflung getrieben.

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