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schöne „6on6tomini," „Mseroro mei Osus« und dgl. gelungen werden. Die Knabensollen in drei Klassen eingetheilt werden: primanii, Ksouiukaini und tsrtiauii. DerOrganist ist nicht allein wegen der Orgel, sondern auch der Schule wegen aufgenommen;
^ derselbe hat daher im Sommer nach der Kirche von 7 bis 9 Uhr, im Winter von 8 bis
^ 10 Uhr „schuel zu sizen Und die ^ixlmliotarioa Zu Verhören Und die buechstaben an
- die tabula zu schreiben, mit dein Haselstecken aufzuzeigen Und zusamsezen zu lehren."
s Auch hat er diejenigen Kinder, die eine taugliche Stimme haben, auszusuchen und täglich
von 11 bis 12 Uhr in der donla. zu unterweisen; dieselben müssen wenigstens gut! lateinisch lesen lernen. Man ersieht daraus, daß der Organist der unterste und mehrfür den deutschen Unterricht, der Kantor der mittlere, und der eigentliche „schuelhalter"
! oder „schuelmaister" der oberste Lehrer war; und da sich von Mädchen gar keine An-
' deutung findet, überhaupt damals noch Niemand strenge verpflichtet war, die Schule zu
besuchen, so scheint man die Mädchen nicht im Lesen und Schreiben, sondern nur in derOckonomie und dem Hauswesen, höchstens noch in der Bibel und etwas Gesang ab-gerichtet zu haben. Von einem Nechnungsunterrichte finden wir keine Spur. DasSchulgehen war damals auch nicht sehr angenehm, wenn wir bedenken, daß, wie wirgehört haben, bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts jeder Schüler wöchentlich einenArm voll Holz zur Beheizung des Schulzimmers selbst mitbringen mußte, und daß von' eigentlichen Schulbänken gar keine Rede war. Die Knaben standen und saßen auf dem
! Boden umher, schrieben an die Fensterbretter gelehnt u. s. w. Erst nach längerer Wirk-
^ samkeit der Reformation nahmen auch die Mädchen allgemeinen Antheil am Schulunter-richte, um ebenfalls wenigstens Bibel und Gesangbuch lesen zu können.
: Die Schulordnung von 1559 erhielt sich im Wesentlichen, ich sage, bis zum Jahre
' 1741. Eine im letztgenannten Jahre erschienene Schulordnung sagt nämlich in 16 Ar-
> tikeln wesentlich Folgendes:
Die Kinder werden, wenn die Zahl zu groß ist, in drei Klassen unv Schulen ge-theilt, so daß der „Rektor" die erste, der „Organist" die andere, der „Meßner" diedritte, aber lauter Mägdlein habe. Die erste Klasse ist vermischt von Deutsch und Lateinlernenden Knaben; der Rektor hat aber die besseren I n!>sniu zrun Latein, zum ciaoiiuirsn,conjrm'iiwn, und uu-uinontn machen, überhaupt soweit.zu bringen, daß sie in
den scniünnvils der Herren l'utrss Üooivtutis (Jesuiten ) bestehen können.
' (Schluß folgt.)
M i s e e l l s «r.
(D!as hoffnungsvolle Tiroler Büklein.) Ein Geistlicher in Tirol hattedie Kinder sehr lieb. Ging er aus, so waren seine Taschen mit gedörrten Birufchnitzengefüllt. Eines Tages fragte er einen kleinen Buben um eine Sache und der Burscheantwortete nichts. „Bub," sagte er zum Arotzkvpf, „gib Antwort, sonst steck ich Dichin den Sack." — „Thu's," erwiderte der Bube, „ich freß' Dir deine Birnschnitzelalle."
Der Hofnarr des Königs Jakob I. von England hatte einen Cavalier auf's Em-pfindlichste beleidigt. Dieser schwur dem Narren Tod, mit dem festen Vorsätze, ihn beider ersten Gelegenheit zu ermorden. Der Narr eilte zum König und bat ihn um Schutzund Beistand. „Fürchte Nichts," sprach der Monarch, „wenn Dich dieser Cavalier tödtet,muß er Tags darauf hängen." — „Halten Ew. Majestät zu Gnaden," entgegnete derNarr, „wenn ich unterthänigst bitte, ihn Tags zuvor aufhängen zu lassen."
(Der Instinkt.) Zwei Herren unterhielten sich in einem Gasthofe über denInstinkt der Thiere. Ein Oesterreicher, der dem Gespräch aus Ferne zugehört hatte,trat plötzlich hinzu und sagte: „Meine Herren, es is zwar halt ein Bissel unmanirli,daß i mi in Ihr Gespräch einmisch', aber i bin ein Oesterreicher, un hab g'hört, daßSie irr sind. Es is halt nit der Jnn, der stinkt, es is der Mühlgraben.