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monate hat 4 Pfennings müssen in die schuel geben undt auch das holtz selbsten zumeinheitzen in die schuel hat bringen müssen, das haben die Armen burgersinann nit Ver-möget. daß also die Armen auch etwan thuen lernen kunnten, so giebt die stüfftungjährlich dem schuelhalter 12 Gulden undt lasset 40 klaffter holtz jährlich aus dem waldzue schuel führen, tuet 7 Gulden 4 Haller 13 Pfenning undt hauen, tuet 3 Gulden2 Haller 24 Pfenning." Der Gehalt eines Lehrers war Mitte des 16. Jahrhunderts50, später 60 Gulden nebst einer kleinen Wohnung. Die Schule wurde theils aus-schließlich durch Geistliche versehen, theils war sie der bloße Ausfluß und das Anhängselder Kirche. So ist es erklärlich, daß auf den Unterricht in der lateinischen, wo nichtmehr, so doch ebensoviel Bedacht genommen wurde wie auf den Unterricht in der deutschenSprache. Dieser Usus wurde auch zur Zeit der Reformation besonders in simultanenGegenden beibehalten. Wir lassen nun eine Schulordnung vom Jahre 1559 folgen.Sie lautet wie folgt:
„Am montag hat der schuelhalter mit den primnnis die erst stund den Vonatumoder (IruinativLin Udilixxi oder etliche roßnlus auß dem s^ntuxi zu rLvitirLn, dieübere zeit das evangeli, weliches am sunntag gewesen, zu reoitirou. die ander stundäaolinirsn und oonsuZiren, deßgleichen die rsAuIas s^iitnxsos fragen, auch sollen dieknaben, waß ihnen auß den provorbis Laluiiiouis ist fürgelesen worden, einer nach demanderen exponiren Und Verdeutschen. Der Oantor soll die erst stund die bioouinlanvslesen hören Und ihnen eine leotiou Wiederumb auffgeben, Und waß sie dnheimd ge-schrieben haben, ybersehen, Und darauff die Hplraboturios (Abcschüzen) die buechstabenUnd deren zusamsezung yberhören. Nachmittags soll schuelhalter Und oautor einer nachden anderen U, stund musicam lesen Und eqerzieren, mit den größeren knaben ög-ura.1Und oiroral singen, den kleineren die noten Und die soula. kennen lernen. Nach dervesper soll der schulhalter den primuuis eine lateinische sentenz aus den Oioero odersunstigen poöteu oder autor fürschreiben Und intsrprotireu, expmrron Und aoustruironlassen, biß es drey schlaget, dan bethen Und Heimbgehen lassen, darausf achten, daß sieaufs der gasse'n ganz zichtig einhergehen Und die ehrachtbahren burgersleuth begrüßen Undkain unfug treiben. Der oantvr hat den seeunllunis ein kurz latein aus denen son-tsntiis, die Ixuliuann (ein berühmter Schulmann des 16. Jahrhunderts) zusamschriebenexponiren. Diser unterricht wird vortgesezet an erichtag, an niichatag Und an pfinztag,an welichen jedoch nachmitag feriä Und der badtag Wie bishero geschen, bleiben solle.(Auf das Baden der Schüler und im Allgemeinen werden wir etwas später zu sprechenkommen.) Am samstag wird lateinisch oonstruirtzt Und die anderen Zwey stunden inallen olassibus durchauß der katechismus lateinisch und deutsch auf's fleissigist exponiret.Nachmittag müssen die schüler ihre schuel reinkeren Und fegen. Die vürsteher der schuel solendieser ordnüng zum Vertreuligsten auffwarthen, ainig mit ainander seyn, auch die hochzeitsupenwie vor alter herkhomen aufs der schuel mit ainander Und nit in Anderen häußern essen."
Die Schulordnung von 1559 sagt auch noch ferners, die Knaben sollen allweg imSommer um 6 Uhr, im Winter um 7 Uhr sämmtlich in der Schule erscheinen, dort ver-lesen und beim Ausbleiben ohne stattgesundene Entschuldigung ohne Unterschied von Armoder Reich gestraft werden. Die Schule dauert alsdann im Sommer bis 9 Uhr, imWinter bis 10 Uhr, Nachmittags aber nur von 12 bis 3 Uhr. Beim Nachhausegchensoll darauf gesehen werden, daß sie nicht blos vor der Kirche, sondern auch auf der Gassestill und ordentlich sind, vor einem Kreuz, einem Muttergottesbild, den verschiedenenHeiligen sich neigen und den Hut abziehen, und auch vornehme Bürgersleute grüßen.In die Kirche sollen sie von dem Lehrer paarweise geführt, von Einem derselben dortstrenge beaufsichtigt und in Gebet und Gesang angeleitet werden. Beim Anfang derSchule soll das vöui suuoto Spiritus oder das veni eroator nebst einen: iUater nostsrgebetet werden, auch abwechselnd sonstige schöne lateinische Psalmen Gott zu Ehren undder Jugend zum Besten exerziret werden, damit sie solche bei Zeiten auswendig undfrugen lernen. Nach der Schule soll wieder gebetet, und es sollen Psalmen wie^das