Ausgabe 
(23.10.1880) 33
 
Einzelbild herunterladen

261

Dann fliegen wieder schwarze, bängliche, drohende Gedanken in ihm auf welcheganz dazu angethan waren, den armen Mann der Verzweiflung preiszugeben. Wenn sieunschuldig verurtheilt würde! Hatte man nicht oft die augenscheinlichsten, übersiihrendstenBeweise zu besitzen geglaubt? Wenn nun auch für sein Kind die Umstünde so ver-hängnißvoll zusammentrafen, daß man sie die Unschuldige als Diebin ver-urtheilte?!

Ein Schrei der Angst, der Verzweiflung rang sich aus der Brust des Gequälten,wie wahnsinnig durchschritt er das Zimmer und seine Hände wühlten in dem langenHaar. (Fortsetzung folgt.)

Das Schulwesen in Bayern zur sogenannten gute», alte» Zeit.

Eine kulturhistorische Studie nach einer alten Chronik von vi-. xlük Franz Beda Stubenvoll.

Volkswohl wird gefördert durch Volksbildung, Volksbildung ist vorzugsweise be-dingt durch die Volksschule, die Leistungen der Volksschule hängen größtentheils ab vonder Schuleinrichtung. Von großem Einfluß ist die innere Schuleinrichtung, hauptsächlichdie Unterrichtsmethode. Zuin Verständnisse des Volksgeistes der vergangenen Jahr-hunderte ist darum unumgänglich nothwendig die Kenntniß der Bildung des Volksgeistes,die Kenntniß der Geschichte der Schule. Vorliegende Skizze dürfte ein nicht uner-wünschter Beitrag zu diesem Zwecke sein.

Bis in's dreizehnte Jahrhundert hat es mit der Bildung des Volkes und dem,was wir Volksschule nennen, sehr traurig ausgesehen; es war weder Gelegenheit nochein Verlangen da, etwas zu lerne,:, seinen Geist mit Kenntnissen zu bereichern. DieKlosterschulen, in denen aber nur Knaben und zwar wiederum ausschlicßstch nur für denKüchendienst in derKunst" des Lesens und Schreibens unterrichtet wurden, abgerechnet,gab es keine weitere Schule mehr. Auf den: Lande dauerte dieser traurige Zustand nochviel länger; denn noch im Jahre 1566 wohnte in den größeren Pfarrdörfern ein Früh-messe:', Kaplan, oder in protestantischen Ortschaften ein Diakonus, welcher, da noch keinSchulmeister vorhanden war, die Schule hielt, aber bei einer Einwohnerzahl von etwa500 Personen, wenn es gut ging, es auf 9 bis 12 Schüler brachte. In Städtentrachtete man etwas mehr nach Aufklärung, und so finden wir bereits 1400 in denmeisten Städtchen Bayerns einen eigenenschuelhalter" oderschuelmaister", dessen Exi-stenz aber eine nicht sehr beneidenSwerthe war, da er größtentheils von der Güte desPfarrers abhing, der ihn: beinahe täglich zu essen gab, was später, wie es in einerChronik von 1559 heißt,sogar zu einer Art suris sich zu erheben ansangen thut."Oftmals kam es vor, daß die Bürgerschaft den Pfarrer zwingen wollte, daß er täglichden Schulmeister ausspeise, so daß in den meisten Fallen der Bischof sich in's Mittellegen mußte. So liegt uns ein Entscheid des Fürstbischofs Anton von Bamberg vomJahre 1445 vor, dahingehend, daß dervfarer den schuelhalter nur den sunntag undt inder fasten wochcnlich Drey Mahlen außsveissen müsse, so auch an denen betgängtägen,vorausgesszet, daß er dabey gegenwärtig seye und Singe." Der bisher mehr als Almosenden: Lehrer gegebene Kosttag an: Freitage ging nun in ein Gesetz über, hatte aber mehrauf die kirchlichen Verrichtungen als auf die Schule selbst Bezug.

Bis zum Jahre 1500, ja noch während des Verlaufes des ganzen 16. Jahr-hunderts scheint eS in den bayerischen Städten, wie heutzutage noch häufig in England ,so gehalten worden zu sein, daß zwei Lehrer zu gleicher Zeit und in einem und dem-selben Zimmer mehrere Abtheilungen unterrichtete,:. Im 16. Jahrhundert finden wirin den Orten von 1000 bis 8000 Einwohnern meist schon zwei oder drei Lehrer undzwar nicht bloseinfache deutsche schuelhalter", sondern mitunterexaininirte", ja öfterszumMagistcrgrad promovirte", in: Latein ziemlich bewanderte Lehrer, nicht blos demgeistlichen, sondern auch den: weltlichen Stande angehörend.

Eine städtische Faktoreistiftung von 1559 sagt:daß früher ein knab alle vver,