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unangenehme Befeuchtung erleben will. Statt der Singvogel, wovon mir in der ganzenGegend keine vorkamen, findet man hier- eine Unmasse von Dohlen, Krähen, Raben,welche alle Dächer und Mauern bedecken. Einkehrhäuser gibt es in Livno gar keine;erst seit der Occupation bestehen einige primitive Gast- und Kaffeehäuser. Die seit früherbestehenden türkischen Kaffeehäuser verdienen diesen Namen gar nicht; denn es sind elende,schmutzige, ebenerdige Räumlichkeiten, nur von der Hefe des Volkes besucht; die Gästesitzen einfach auf dem Fußboden herum, da von Tischen und Stühlen hier nicht die Redeist, rauchen ihren obligaten Tschibuk und trinken türkischen (mit dem Satze gekochten)Kaffee; statt aller sonstigen Musik wird anf der Gusla (einem primitiven, mit vier bissechs Stahlsaiten bezogenen, mandolinartigen Instrumente) geklimpert und dazu zeitweiligein wildes, unarticulirtes Geheul ausgestoßen, was man unmöglich Gesang nennen kann:
überhaupt findet man in Bosnien nicht den geringsten Sinn für Musik — am aller-
wenigsten aber unter den Türken, welche dieselbe förmlich hassen.
Der Türke liebt vor Allem die Ruhe, jeder Lärm ist ihm ein Greuel; man siehtsie an ihren Feiertagen und auch sonst vor ihren Häusern sitzen und mit dem Turbanauf dem Kopfe stundenlang unbeweglich ihren Tschibuk rauchend vor sich Hinstarren, scheinbarin tiefes Nachdenken versunken, aber in der That gar nichts denkend.
Noch muß ich eines höchst interessanten Nnturschauspicles erwähnen, nämlich derQuelle des Bistricabaches, welcher aus dem Felsen, an welchen sich Livno anlehnt, sehrmächtig hervorbricht und einen prachtvollen Wasserfall bildet; das klare Wasser vomschönsten Azurblau strömt dann unter Bildung kleinerer Katarakte mit lebhaftem Falle
durch und theilwcise um Livno herum. Der Karst, zu dem auch die hiesigen Gebirge
zählen, bildet überhaupt viele Höhlen und Löcher, aus denen bald, wie hier, mächtigeGewässer entspringen und auch wieder, wie bei Han-Prolog, in solchen Löchern wie ineinem Trichter verschwinden. Knapp an der Mündung dieses Wasserfalles (rechts undlinks von demselben) befinden sich zwei Höhlen, deren rechts gelegener nach längeremRegen gleichfalls Wasser entströmt, welches einen zweiten ähnlichen Wasserfall bildet; indieser sowie in der zweiten links gelegenen Höhle nisten zahlreiche wilde Tauben. Dieseletztere Höhle hatte ich Gelegenheit, etwas näher zu untersuchen; der Eingang ist einziemlich enges dreieckiges Loch, in dessen Inneres man aber nur kriechend und ziemlichmühsam eindringen kann; bald jedoch dehnt sich diese mächtig aus und man hat Ge-legenheit, die schönsten Stalaktytengebilde von den abenteuerlichsten Formen zu bewundern,man kann stundenlang darin vordringen, ja die Leute behaupten, daß noch ein zweiterAusgang eristire, der erst nach tagelangem Wandern darin zu erreichen sei.
Nachdem ich nun über eine der unwirthbarsten Gegenden Bosniens berichtet habe,werde ich nächstens über meine weitere Reise durch prachtvolle Wälder und lachendeThäler zu referiren die Ehre haben. (W. Vtl.)
M i s e e l l e n.
(Die Bienen als Soldate n.) Daß die Bienen wegen ihres Stachels gefürchtetsind, sich damit auch tüchtig wehren und vertheidigen können, ist allgemein bekannt; daßsie aber noch mehr auszurichten vermögen als Bürger und Soldaten, davon erzählt dieChronik von Kissingen, Stadt und Badeort in Bayern , ein artig Stücklein. Es warim Jahre 1642, also zur Zeit des dreißigjährigen KriegeS, als die'Stadt Kissingen vonden Schweden hart bedrängt wurde. Diese rückten immer näher heran, und wenn auchdie Stadt mit einer hohen Mauer umgeben war, so vermochte doch die geringe Besatzungnebst den Bürgern des kleinen Ortes dem kühnen Andrängen der Schweden nicht längerzu wiederstehen. Die Gefahr stieg aufs Höchste, die Schweden waren schon bis an dieMauern herangerückt, da faßte ein Bürger, Peter Hein, den kühnen Gedanken, die inder Stadt vorhandenen zahlreichen Bienenstöcke herbeizuholen und sie oben von denMauern hinab auf die Schweden zu werfen. Dies geschah und die durch den jähen Sturz