Ausgabe 
(17.11.1880) 40
 
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sich nicht versammeln und Glocken dursten nicht gelautet werden, die Priester durftenüberhaupt keine öffentlichen Functionen ausüben. So wurde im Dezember 1878 seit400 Jahren das erste Mal wieder in der Kirche der heiligen Apostclfürsten im KlosterGoriea das heilige Weihnachtsfest und im darauffolgenden Jahre das heilige Osterfestund die Frohnlcichnamsproccssion gefeiert. Wie rührend und erhebend war diese heiligeFeier, wie viele Priester und Laien sah man Freudenthränen vergießen!

Das FranciSkanerlloster Goriea ist ein geräumiges, solid gebautes Gebäude; hierwar das Verpflegungsmagazin für die in Rayon Livno dislocirten Occupationstruppenuntergebracht. Die Kirche der heil. Apostelfürsten Petrus und Paulus ist sehr groß undgeräumig, mit einem einfachen zicrdelosen Altare mit nur wenigen, jeden Kunstwerthesentbehrenden Bildern versehen (ich glaube höchstens drei). Es macht auf den gläubigenBesucher einen wirklich wehmüthigen Eindruck, den göttlichen Heiland in solch gar ein-facher Behausung zu wissen. Diese für die ganze Gegend so segensreich wirkende Kloster-gemeinde ist eben sehr arm, ohne jeden Besitz und nur auf Unterstützungen angewiesen.Kloster und Kirche verdanken ihr Bestehen lediglich der Munificcnz des österreichischenKaiserhauses. Erst seit der Occupation besitzt diese Kirche eine schöne Monstranz, welcheihr das nun in Wien stationirte k. k. 17. Infanterieregiment Baron Kühn bei Gelegen-heit seiner Anno 1879 dort gefeierten Fahnenweihe widmete, und anständige Ornate,welche sie nebst einer Geldspende von 200 fl. von Ihrer Majestät der verwittwetenKaiserin Maria Anna Pia aus Prag erhielt;, es wäre sehr zu wünschen, daß sich nocheinige fromme Gönner für dieses Kloster fänden, da noch sehr viel für den heiligenDienst bcnöthigt wird, z. V. eine Orgel, Baldachin, Kleider für die Ministranten, an-ständige Altartücher rc. Der bosnische Katholik ist zwar sehr fromm und opferwillig,aber fast durchgehends arm. Die Schulen werden durch die Franciskaner und diebarmherzigen Schwestern versehen, welche in Livno eine kleine Communität (jedoch ohneKirche) bilden und deren aufopfernde, selbst von den Türken in höchstem Grade aner-kannte Nächstenliebe man nicht genug hervorheben kann; auch sie sind ganz arm und auf dieUnterstützung frommer Christen angewiesen. In der Zeit, welche ihnen der Unterrichtund die Krankenpflege übrig läßt, verfertigen sie weibliche Handarbeiten und reinigenselbst Wäsche für Andere, um sich etwas für ihren Unterhalt zu verdienen; es ist wohlunnöihig, zu erwähnen, wie gering dieser Verdienst sein kann.

Vor Jahren bestand in der Stadt auch noch eine katholische Capelle; diese wurdeaber von den Türken schon längst gänzlich demolirt und die Steine zum Baue einerMoschee verwenvet, deren es hier eine Menge gibt.

Der Türke ist seinen religiösen Vorschriften sehr treu und eS wäre sehr zu wünschen,daß sich so mancher Christ hieran ein Beispiel nähme! Drei Mal des Tages, bei Tages-anbruch, des Mittags und Abends singt der Meuzzin von der Galerie der Minaretsgewisse, täglich wechselnde Koranstellen und Gebete ab, was einen ganz eigenthümlichenEindruck auf den Hörer hervorbringt; am Freitage, dem Sabbathe der Türken, sind alleDjamiaS (Moscheen) angefüllt und wer Gelegenheit hatte, diese Beter zu beobachten,wird sich über die tiefe Andacht und Ruhe derselben nur lobend aussprechen können;ich kann auch nicht umhin, hier zu constatiren, daß der Türke hinsichtlich der Ehren-haftigkeit und der Treue im Halten eines gegebenen Versprechens dem Serben weitvoransicht.

'Noch muß ich der vielen herrenlosen Hunde erwähnen, welche hier, sowie in allentürkischen Städten vorkommen; sie sind ganz harmlos und nähren sich von Abfüllen rc.,welche hier ganz einfach auf die Straße geworfen werden; sie erfüllen also die Obliegen-heiten einer Art SanitätSpolizeit. Der Schmutz und die Unordnung sind grenzenlos;wenn auch durch die Occupation. bezüglich der Reinlichkeit ein entschiedener Fortschrittconstatirt werden muß, so bleibt doch noch außerordentlich viel zu wünschen übrig; sogehen z. V., um nur Eines zu erwähnen, die ArKgüsse der Häuser auf die Straße her-aus und man muß ja nicht zu nahe an den Häusern gehen, wenn man nicht eine recht