Ausgabe 
(17.11.1880) 40
 
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zwei bis drei Zimmern im ganzen Hause, die kleinsten Häuser aber sind n^r Hütten ausBirkengeslecht mit nur einer Räumlichkeit. Unter den zerstörten Gebäuden gab es Häuservon ziemlich solider Bauart mit großen Räumlichkeiten. Die Stadt ist gepflastert, aberwehe dem, der mit europäischer Fußbekleidung hier viel gehen muß, denn die Pflasterungbesteht aus den schon erwähntenKatzenköpfen" und ist so unregelmäßig, daß daS Gehen,besonders aber das Reiten beinahe gefährlich wird; im Winter kann man in europäischenStiefeln die Stadt, deren Straßen sehr steil den Berg, an welchen Livno sich lehnt,hinaufführen, ohne Steigeisen gar nicht durchschreiten. Auf dem Punkte der Stadt stehtdie Festung mit der Ojumia. Aluviorr (Hauptmoschee) von einer Mauer umgeben, jedochin echt türkisch verwahrlostem Zustande; sie wird von den ganz nahen Felsen beherrscht;um diesem Uebelstande etwas abzuhelfen, sind auf der Höhe drei Kulas, d. i. fest-gemauerte runde Thürme zur Vertheidigung errichtet, welche auch bei der EinnahmeLivnos theilweise zerstört wurden.

Von irgend einem europäischen Comfort ist hier keine Spur; ja nicht einmal Bett-stätten findet man. Der Türke sowie der Christ schläft angekleidet auf einer längs denWänden des Zimmers angebrachten, ein bis anderthalb Schuh hohen, kistenartigen Er-höhung, welche mit einem Teppiche bedeckt wird: Stühle und Tische findet man nur beiden wohlhabendsten Leuten und zwar erst seit der Occupation; Tischtuch, Serviette,Gabel sind unbekannte Größen, da der Bosnier mit bloßen Fingern in die Schüsselgreift. Stühle sind den Leuten eigentlich ganz unnöthig, da sie sich nach türkischer Artmit untergeschlagenen Beinen auf den Fußboden oder die oben erwähnte, kistenartigeErhöhung niedersetzen. Um Tische, Stühle und Bänke zu erhalten, mußten die Occupa-tionstruppen sich solche aus alten Kisten, worin der Zwieback transportirt wurde, selbstherstellen. Livno hat etwa 5000 Einwohner, wovon die Hälfte Katholiken, der Nest aberTürken und Serben (d. i. nichtunirter griechischer Religion) sind; Juden sind nicht an-sässig und kommen nur sporadisch vor, wennGeschäfte" zu machen sind. Die Kleidungist durchgehends türkisch, meistens aber recht schmutzig und zerrissen.

Die türkischen Frauen zeigen sich nur mit ganz verhüllten Gesichtern, von denenaber auch gar nichts, nicht einmal die Augen zu sehen sind; sie tragen ein langes, dunkles,mit einem sehr langen Kragen versehenes Gewand und gelbe spitze Schuhe, so daßman auch nicht ihren Wuchs, wohl aber sehr oft recht große Füße ausnehmen kann;die christlichen Frauen gehen unverhüllt mit weiten türkischen Hosen und einer oft rechtreichen, mit Goldborten besetzten kurzen Weste, worüber eine mit Pelz besetzte Scrvianka,gewöhnlich aus Tuch und bei den Wohlhabenden wohl auch aus Sammt oder Seide,getragen wird. Die Fußbekleidung ist die der Türkinnen. Die Serben und die Katho-liken sind Antagonisten; ja der Serbe zieht den Türken beiweitem vor. Er ist nurKaufmann und lediglich auf das Geldverdienen, auf welche Art immer, bedacht; die Serbenwurden auch von den Türken stets begünstigt, so haben sie z. B. auch eine Kirche inder Stadt, während die Katholiken in das eine halbe Stunde entfernte FranciskanerklosterGorica gehen müssen, um eine heilige Messe zu hören. Die Katholiken standen über-haupt trotz aller Remonstrationen der Großmächte unter einem furchtbaren Drucke; sodurfte» die Franciskaner, denen allein die Erhaltung der katholischen Religion in dentürkischen Provinzen zn verdanken ist und die wahre Märtyrer waren, nie in ihremOrdenskleide, sondern nur in bosnischer Tracht sich außer dem Kloster sehen lassen, eben-sowenig durfte ein Priester ohn« Erlaubniß des Pascha die heilige Messe lesen, Beichtehören, die heiligen Sakramente ausspcnden; diese Erlaubniß wurde aber sehr willkürlichertheilt; kam aber ein Priester ohne erhaltene Erlaubniß seiner heiligen Pflicht nach,spendete er z. B> in sehr dringenden Fällen, wo eine Erlaubniß einzuholen nicht möglichwar, die letzte Oelung, so wurde er mit sehr harter Gefangenschaft, ja barbarischen Leibes-strafen gemaßregelt! Es scheint, daß sich in dieser Beziehung eine christliche Macht, welchesich für einen Culturstaat pur vxoollsnos hält, die Türkei zum Muster genommen habe.Man durfte keine öffentlichen religiöses Umzüge abhalten, zum öffentlichen Gottesdienste