Ausgabe 
(20.11.1880) 41
 
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aus,Willkommen, Doktor Acton!" sagte sie und streckte ihm eine ihrer Hände entgegenHeut besonders ist mir Ihr Kommen lieb. Ich möchte Manches mit Ihnen sprechen,die Zeit drängt, denn ich werde vielleicht auf einige Zeit fortgehen; mit den Humphrep'snach Deutschland möglicherweise, oder der Himmel mag wissen, wohin! Jedenfallsmuß dieses noch besprochen werden. Ich bin Ihre Freundin, Mr> Acton, und Siesind mein Freund, nicht wahr?"

Sicherlich, Miß Harland, Sie wissen es und ich weiß es auch."

Nun wohl. Ich will Ihrerseits den Beweis davon haben und ihn meiner-seits ebenfalls geben. Mr> Acton Ihrem Bruder soll und muß geholfen werden!"

Er sprang ungestüm auf.Was wollen Sie damit sagen, Miß Harland?! Esist mir schmerzlich, das; Sie von dieser Angelegenheit von der Schande, welche nundem Namen Acton für alle Zeit anhaften wird, durch Unberufene erfahren mußten!"

Und ich segne den Zufall. Ich bin glücklich, um Ihre Sorgen zu wissen, Ihnendieselben vielleicht momentan erleichtern zu können!"

So sehr Ihre Güte mich bewegt und zu Dank verpflichtet, Miß Harland ichmuß bitten"

Schweigen Sie, Mr. Acton!" unterbrach sie ihn ungewöhnlich lebhaft.Siehaben kein Recht, einen Beistand zurückzuweisen, welcher Ihnen feinern Charakter nach,noch fremd ist. Es wäre mir in der That schmerzlich, wenn Sie meinen; Zartsinnweniger vertrauten, als ich dem Ihrigen! Und dann: Ich bin Mitwisserin eines Ihrerwichtigsten Geheimnisse, Lewis Acton! Dieser Umstand gibt Ihr Schicksal völlig in meineHände . . ." Ein herzensgutes, leicht schelmisches Lächeln ging über Makels ernstesGesicht, während sie, mit flüchtigem Blick seine vom Handschuh entblößte Linke mit demverhängnißvollen Nubinring streifend, hinzufügte:Sie verstehen mich doch?!" Uebersein schönes, kummervolles Gesicht flammte es wie Feuerschein. Er schien erschrocken undniedergedrückt; aber vor Mabels durch Thränen leuchtenden Augen und glückseligemLächeln zogen alle schmerzlichen Empfindungen gleich Wolkenschatten vorüber. Die Sonnedes Glückes stieg siegreich über den Kämpfen und Sorgen, über dem ganzen, heimlichenElend und Herzeleid der vergangenen dunkeln Tage auf!

Mama," sagte Mabel an demselben Abend zu Mrs. Harland, und flocht sich,auf dem Bettrand derselben sitzend, das Haar zur NachtLewis Acton liebt mich!Wir lieben uns beide und werden einander, so Gott will, bald völlig angehören. Ja,ja, glaube es nur! Ich liebe ihn! Und weißt Du, wie laiuze? Seit ein gewisser kleiner,ländlicher Korbwagen mich zum ersten Mal aus dem Theater nach Hause fuhr! Dasleichte, kleine Ding mit den lustigen Braunen! Der Kutscher hatte sein Antlitz so ziemlichdurch Hut und Mantelkragen verborgen, aber die Augen sah ich und seine Hände,Mama, waren auffallend weiß und er trug einen Rubinring, Mama! Möchtest Duwissen, wer der Kutscher war? Doktor Acton! Ich erkannte ihn dann bei den Gregory'San seinem Ringe wieder, und sann eine Ewigkeit dem Räthsel nach. Endlich ward mirdurch Zufall die stille Schmerzensgeschichte seines Lebens klar, und er stand immer edlerund größer vor meiner Seele da! Um seinen ehrlichen 'Namen vor Schande zu be-wahren, um den Bruder vom Abgrunde zu reißen, ihn in ein neues, redlicheres Seinhinüber zu retten, that er Alles, Mama! Sguire Poore entlehnte Acton den Wagen zujenem seltsamen Zweck. Dergleichen soll bereits vorgekommen sein, mir das muß ichgestehen ist es ganz neu! Ich bewunderte Acton mehr, als ich sagen kann. DeineMabel will nun sie will es in allem Ernst! die Gattin eines Fuhrmannes werden,Mama. Sie hat nichts gegen das Gewerbe ihres Auserwählten einzuwenden, nur darfer nicht mehr zur Nachtzeit seine Fahrten thun, und keine anderen Damen nach Hausegeleiten, als sein Weib und höchstens wenn Du lieb und artig bist, Mama seineSchwiegermutter. Guts Nacht." (Deutsch . Montagsbl.)