Ausgabe 
(20.11.1880) 41
 
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ist eine endlose, in den nördlichen Vorstädten am Ende der Stadt sich verlierende Häuser-zeile, in welche die bedeutendsten öffentlichen Gebäude, sowie die ersten Hotels (Vietoria",Trinacrea",Bellevue" w.) liegen. Ihre eine Seite wird weithin durch die Palazzatagebildet, und zwar so, daß sie gegen den Hafen hinaus durch eine Folge von finstern,bogenüberwölbten Bicoli mit dem Quai in Verbindung steht. Innerhalb des eigentlichenStadtrayons erweitert sie sich zu drei kleinern Plätzen; der erste an ihrem Südende,von dem die Strada Cardines abzweigt, hat keinerlei Bedeutung, noch sonst etwasSchönes auszuweisen, während der zweite, viereckig, mit Bäumen bepflanzt, vor demgroßartig angelegtenMunicipio" gelegen, sowie der dritte und kleinste mit dem VoatroViktoria Lirmnuolo, im Sommer häufig zu Promenade-Concerten benutzt werden. DasVsstro Virtorio Lmanuoie, das schönste Siciliens, von Carlo Falconicri erbaut underst seit dem Jahre 1852 eröffnet, gewährt mit seinem einfachen, anspruchslosen Baustylund mit seinen schönen Marmorsculpturen von Zagari einen reizenden Anblick. An derrechten Seile zu ebener Erde enthält es einonb'motto <li lorturaV und im erstenStock einen großen Lese- und Börsen-Club. Verfolgen wir diese schöne Straße, dieselbst einedu-raria, tockosoa" auszuweisen vermag, in welcher Schweizer, Puntigamerund Wiener Flaschenbier servilen, so gelangen wir zur sogenanntenFlora", einemöffentlichen Garten, der in seiner Anlage recht husch, mit seinen kleinen Teichen, Grotten,lühlen Laubgängen, Blumenanlagen und einigen für Sicilien charakteristischen Gewächsendarunter zwei majestätische Dattelpalmen besonders ins Auge fällt, doch für eine sogroße und reiche Stadt wie Messina etwas zu klein bemessen sein dürfte. Auch diesesStückchen Grün wird von dem musikliebcnden Volke für Concerte ausgenützt. Es gibtüberhaupt auf Sicilien kaum eine, wenn auch noch so kleine Stadt, welche sich nicht eineCtadtmusik zahlte, die bei täglichen Proben an Sonn- und Feiertagen als Platzmusiksungiren, bei festlichen Gelegenheiten in Parade ausrücken muß und Manches recht gutspielt. ES dürfte kaum zu erwähnen sein, daß dieselbe ihren Hauptstoff aus denitalienischen LieblingsopernLucia",Traviata ",Rigoletto" rc. zu nehmen pflegt."Weiter hinaus führt die Strada Garibaldi durch die nördlichen Vorstädte, die wenigerregelmäßig gebaut sind. Auch kommt in dem engen Gassenwintelwerk auch schon dersicilianische Volkscharalter mehr zum Vorschein, der sich besonders in dem bekanntensicilianischen Unreinlichkeitssinn manifestirt.

Von der Flora aus durchschneidet der Corso Cavour die ganze Länge der Stadtin der Richtung von Nordost gegen Südwest. Eine gleichmäßig regelmäßige, reine, end-lose, von Berkaufsläden, Restaurationen, Casvs, Verkehrsanstalten, Geschüstslolalen,Barbierstuben rc. wimmelnde Straße, weist sie kaum ein einziges besonders schönes oderhervorragendes Gebäude auf, welches einem eleganten Corso entsprechen könnte. Uebcrallentwickelt sie ein buntes regen Treiben, das sich an den kleinen Plätzen, so an derckoi kjuuttro cmntoni" mit den vier originellen Brunnen und der Statue desDon Juan d'Ausiria, besonders aber an der Verbindungsstelle mit dem entschieden inter-essantesten Theile der Stadt, dem Centralpunkte für Verkehr und Müssigang, derpia^a.«ick cluomo", dem Domplatz, geltend macht. Der Letztere bietet zwei der wichtigstenObjecte: den berühmten Brunnen von Montosorli und die dem Platze ihre schöne Vorder-front zukehrende Kathedrale. Der Brunnen, den Jahren 16471651 entstammend,verräth in der Idee seiner Aufführung und Ausschmückung künstlerischen Geschmack undzeigt zugleich, daß nicht nur das Alterthum, seinen reichen Mythus für die plastischeKunst ausnützend, den lebendig hervorsprudelnden Wasserquell zu verherrlichen verstand,sondern auch die bildenden Künste des Mittelaltcrs im Dienste des Christenthums zurAusschmückung von Brunnen eine reiche Architektonik und Sculptur erfolgreich zu ent-falten und zusammenzustimmen wußten. Alle Gattungen Wassergottheiten, Sirenen undTritonen als Vertreter des heidnischen Cultus, nebst mittelalterlichen Nymphen undWasserjungfrauen tragen die verschiedenen Becken. Der Rand des mächtigsten derselbenwird durch die Personificationen des Ebro, Nil, Cunmno (bei Messina) und der Tiber ,