Ausgabe 
(20.11.1880) 41
 
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dem Herrn Jnspector ein Trinkgeld xudliao zu verabreichen, so mochte ich doch denAusdruck der Verachtung, mit dein ich schließlich entlassen wurde, fast auf die Unterlassungeines kleinen geheimen Trinkgeldes zurückführen. Hatte ich das Jn-die-Hände-drückenbesser verstanden, so wäre es mir auf meiner Rückkehr-in Neapel wohl nicht passirt,daß man nicht nur den Weingeist, in welchem ich naturhistorische Präparate aufbewahrthatte, sondern auch all' das Gethier, Quallen, Mollusken rc., die ich in demselben mit-fühlte, als t'rutti <ii inara (Mceresfrüchte) hoch verzollen wollte. Die Unberechtigungjenes Vorgehens zu beweisen gelang mir nur mit Aufgebot meiner ganzen italienischenRednergabe und Aufopferung einer vollen Stunde.

Wie aus dein Regen in die Traufe, so gelangte ich auf dem Wege von der Dogananach demHotel Victoria" unter eine Heerde jenes von den Reisenden lebenden Ge-sindels, dessen man sich nur mittelst des Stockes und der größten Grobheit erwehrenkann. Alles, was zu einer regelrechten Ankunft in einer unteritalienischen Stadt uner-läßlich ist, war da vertreten. Eine Menge von neugierigen Tagdieben, für welche dasLanden solch' eines unglücklichen Reisenden eine angenehme Abwechslung bietet, zog mirnach, und während ich die Facchini zurechtwies, die sich um das Gepäck streitend, das-selbe von Hand zu Hand gehen ließen, um in collegialer Eintracht Jedem Etwas vonder dann dreifachen Bezahlung zukommen zu lassen, riß mich der allzu diensteifrigeFremdenführer am Arm und wollte mich überreden, gleich jetzt die Sehenswürdigkeitender Stadt in seiner angenehm belehrenden Gesellschaft in Augenschein zu nehmen, javielleicht direct vom Schiff aus einen der nächsten Berge zu erklettern. Diesen, sowiedie Bande gieriger Geschäftsleute, welche mit grenzenloser Frechheit auf den Reisendeneindrang, ihre Waare zum Kaufe anpreisend, wurde ich auf italienisch derbe Manier

schließlich los durch wenige prägnante Worte, die ich mir von einer freundlichen Lehrerin

während meines sicilianischen Aufenthaltes angeeignet hatte.

Der Eindruck, welchen Messina auf mich machte, als ich von der jedem Reisendenwohlbekannten Neugicrde und Ungeduld getrieben, mein Hotel verließ, um ein erstes,flüchtiges Bild zu gewinnen, war ein außerordentlich günstiger und um so stärker imVergleich zu andern sicilianischen Städten, die ich schon vor Messina gesehen hatte. DieReinheit der schönen, regelmäßigen, mit Aetna -Lava gepflasterten Straßen, das Schau-gepräge der reichen Gcwölbe-AuSlagen, jener allgemeine Zug von Ordnung, der sich

sofort erkennbar macht, lassen fühlen, daß wir in Europa unS noch befinden, ja daß wir

eine reiche, dem modernen Sinne entsprechende Handelsstadt vor uns haben. Wie andas Ufer eines breiten Stromes hingezaubert, erhebt sich diese herrliche Stadt aus dentiefblauen Fluthen der Enge mit ihrer Palastreihe der Palazzata gleichsam als Quai,um sich allmülig auf den nächsten Hügeln der Umgebung zu verbreitern und sich zu lichten,in alten Stadtmauern, Thürmen und pittoresken Gebäuden der romantischen Zeit einenmalerischen Abschluß zu finden, endlich aber mit vielen Villen in Lustgärten und Orangen-hainen sich zu verlieren. Messina verdient wohl, ganz abgesehen von seiner mercantilenund maritimen Bedeutung, die ja eine nothwendige Folge seiner äußerst günstigen Lageam vorgeschobensten, den Eontinent fast berührenden Punkte der Insel Sicilien ist, denihr vom Volke gegebenen Namenla. nobila" in landschaftlicher Beziehung mit vollemRechte.-

Die Stadt selbst, die nach dem Gesagten in die Seestadt und Hügelstadt sichtheilen ließe, von vier nahezu parallel zu einander verlaufenden Straßen durchzogen, dieuntereinander durch unzählige Nebengäßchen nnatomosirend ein reiches Straßennetzwerkentwickeln, läßt an allen ihren Punkten eine Orientirung leicht zu. Diese vier Straßensind: der Quai oder die Marina, die Strada Garibnldi, der Corso Cavour und dieStrada dei Monnsteri. Die eigentlichen Adern, in welchen das städtische Getriebe, sowiedie ununterbrochene mercantile Bewegung ihren Kreislauf nimmt, sind entschieden dieStrada Garibaldi und der Corso und die Plätze, zu welchen sich beide erweitern, bildendie Brennpunkte des regen Gewerbe- und Geschäfts-VcrkehrS. Die Strada Garibaldi