mark sich einfindet, sollte das große Tschechenreich allein fehlen? da, wo sogar daslügende Crescens des türkischen Halbmondes noch leuchtet, sollte der kühne doppelschwänzigeLöwe nicht aufgehitzt prangen?! Doch wie fänden es wohl die Schiffe der Moldau derMühe werth, sich in die Meerenge von Messina zu verwirren!
Hunderte von Booten lehnen ruhig am Strande oder schaukeln an den Treppenauf den Wellen, welche in murmelnder Brandung ohne Rast an das Ufer schlagen, indeßdie Barcarioli herumlungernd, mit Schlafen, Rauchen oder mit dem Verzehren der viel-geliebten Maccaroni ihr Dasein hinbringen. Vorn aber am Quai zwischen den auf-gestauten Waarenballen und Fässerreihen, sowie an den knapp anliegenden Luftschiffenentwickelt sich die rastlose Thätigkeit des Ein- und Ausladens. Tausende von Menschenund Maschinen sind da in Bewegung, und die mit großem Lärm betriebene Arbeit gibtdem Ganzen ein eigenthümliches, durch das Johlen und Singen der Matrosen noch mehrcharakterisirtes Gepräge. Um uns aber ist der Hauptspectalel; von der einen Seite er-tönt das Geschrei der Fischverkäufer, das impertinente Anrufen der Stiefelputzer, anderer-seits dröhnt das Gebrüll eines Laden- oder Budeubesitzers, der die faulenzenden Lazza-roni zum Genuß der wohlschmeckenden Austern und der bekannten lrruti cli mark, wor-unter alle Auswurfsstoffe des Meeres, besonders die an Sohlenleder erinnernden Tinten-fische gehören, verleiten will. Die liebe Jugend vertreibt, wie überall bei einen: Volks-leben unter freiem Himmel, auch hier mit Herumplätschcrn im Wasser, Spitzbübereienuiü> Belästigung der Fremden ihre Zeit; hübsch ist es dennoch anzusehen, wie sich dieseJungen im Wasser, ihrem Element, bewegen und tauchen wie Seeottern.
Die Sonne hat sich gesenkt. Während auf uns die pelorischen Berge schon tiefstenSchatten werfen, leuchten noch die gesegneten Küsten des hohen Calabriens in mattemRoth, das allmälig dunkler wird und einem inS Grünliche hineinspielenden Silberglanzweicht, so das baldige Erscheinen des milden Mondes verkündend. Das ist der geeigneteMoment, diese Meerenge in ihrer einzigen Schönheit zu bewundern. Und mit Rechtmag der Bewohner von Messina stolz auf seinen Abend-Corso sein, der an jener Palast-reihe beginnend, weit die Küste entlang zieht und ihm täglich dieses Schauspiel bietet.Wohl mag man die Chiaja Neapels und die Marina Palermos mit ihn: vergleichen,doch keines kann man höher stellen. Wir waren schließlich auch unter die Schaaren derwallenden Paare und ledigen Fußgänger und auf den Versammlungsort der elegantenWelt gelangt, hatten das Erholungsgetriebe ein wenig mit angesehen und dachten nunan die Umkehr.
Im Hafen war es still geworden; nur der einförmige Schritt der Strandpostenunterbrach das tiefe Schweigen, das dem frühern Lärm gefolgt war. Die weitstrahlendeLaterne des Leuchtthurms, die vielen hundert Lichter auf den Schiffen, die Reihe vonGasflammen längs des Quais und schließlich wie Irrlichter auf den nächtlich ruhigenspiegelglatten Fluthen lautlos hingleitenden Fackeln der Fischerkähne und Corallensängerverliehen dem finstern Bilde ein magisches Aussehen. (Deutsche Ztg.)
Miseellen.
Zwei böhmische Köchinen gingen am Faschingsdienstage auf die Nedoute und liehensich bei einem Maskenhändler Masken aus. Dieser empfahl ihnen, auf dieselben wohlAcht zu haben, da sie von Merino seien. Auf der Redoute redet sie ein Herr an undspricht: „Meine lieben Masken, Ihr seid ja zwei sehr schöne Türkinen." Schnell ant-wortete die eine: „Mir sän kane Türkin' mi sän Merinos."
(Feine Begriffsscheidung.) A.: „Aber, Herr Professor, es ist Unrecht, soviel zu trinken!" B.; „O nein aber nach Hause gehen zu wollen, wenn man so vielgetrunken hat, das ist Unrecht."
Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg. — Druck und Verlag des
Literarischen Instituts von 1),-. M. Huttlcr.