Ausgabe 
(11.12.1880) 47
 
Einzelbild herunterladen

371

Freude des Wiedersehens in den Armen, bis der alte Eckardbauer endlich zur Abfahrtdrängte, da, wie er meinte, die Bräunl'n, die der Huberbauer hellte zum Empfang seinesSohnes eingespannt hatte, nicht mehr recht warten wollten.

Lustig gings nun mit dem flotten Gespann, welches Franzl, der mit seiner Leniim Vordersitz saß, mit kundiger Hand lenkte, den schönen Bergen zu, und als wüßten esdie flinken Rosse, daß sie ihr alter Freund wieder in der Hand hatte, trabten sie unver-drossen fort und schüttelten munter die Mähnen, die zur Feier des Tages mit blauenund mit weißen Bändern verziert waren.

llcberall wurden die Heimkehrenden mit Jubel begrüßt, auch die große Flagge amschöneil Wirthshaus von Neuhaus winkte ihnen schon von weitem entgegen, und als siedort um die Ecke bogen, und Franzl zum erstenmale wieder den König seiner heimath-lichen Berge, den Wendelstein , erblickte, stimmte er und Leni das Lied vomWendelstoan"an. Unter Singen und Jubel gings durchs schöne Aurachthal und bald erreichtensie Geitau und hielten am Hause des Eckardbauern, das mit grünen Laubgewinden undBlumenkränzen sinnig verziert und woselbst sämmtliche Freundschaft zur Begrüßung desheimkehrenden Kriegers versammelt war. Nach heiteren Stunden trennte sich die Ge-sellschaft und auch Franzl fuhr mit seinen Eltern dem schönen Huberhof bei Fisch-bachau zu.

Des andern Tages kamen beide Familien und die ganze Nachbarschaft in demromantisch gelegenen Wallfahrtskirchlcin zu Birkenstein zusammen, woselbst auf Veran-lassung der Mutter Franzls ein feierliches Dank- und Lobamt zu Ehren der Mutter-gottes, in deren Schutz dieselbe ihren Franzl bei seinem Abschied besonders empfohlenhatte, stattfand, nach welch kirchlicher Feierlichkeit sich die Theilnehmenden zu einem heiternGastmahl im nahen Marbach versammelten. Hier fehlte es nicht an ernsten und munternTrinksprüchen, und auch des braven Nikolaus Jaroczpn, der lieblichen Pflegerin Helenesowie auch ihres Vaters des wackern fränkischen Freiherrn wurde freundlichst und inherzlich einfacher Weise gedacht

Auf den beiden Höfen in Fischbachau und Geitau ging nun Alles wieder seinengeregelten Gang. Während Franzl sich zu Hause seinen frühern bäuerlichen Beschäftigungenwidmete, schaffte Leni wie sonst heiter und lustig auf der Alm unter ihren Pflege-befohlenen Vierfüßlern, und hatte des Abends im Heimgarten mit Rest, ihrer Freundin,gar vieles von ihrer Reise zu erzählen. Häufig trafen aus Würzburg Nachrichten vonFräulein Helene über das Befinden JnroczpnS ein, und stets wurde eine solche Nachrichtmit Freuden begrüßt, und der alte Fischerlenzl mußte immer gleich mit dem Brief zurLeni auf die Alm wandern, und auch der Alte hatte seine Freude, wenn ihm dasMädchen mit einem weithinausschallenden Juchzen von ferne begrüßte, dem er auch miteinigen verunglückenden MiHtönen zu erwidern versuchte, wonach er von dem Mädchenweidlich ausgelacht wurde.

Franzl und Leni waren nun mit freudiger Einwilligung der Eltern förmlich vorGott und der Welt verlobt, und da Ersterer seinen ehrenvollen Abschied von seinemBataillone erhielt, dachte sein Vater der alte Huberbauer ernstlich daran, den Hof seinemSohne zu übergeben. Aber zur Uebernahme desselben gehörte auch nothwendigerweissdie Verheirathung der jungen Leute, und allen Ernstes wurde an die Hochzeit gedacht.

Nun gings an die Herstellung der Aussteuer und Leni, die jetzt von ihrer Almabziehen mußte, hatte zu Hause mit den Näherinnen, vollauf zu thun.

Aber dieser Festtag sollte nicht gefeiert werden, ohne die Anwesenheit des bravenJaroczyn, den ja Franz im Lazareth zu Würzburg schon eingeladen, ihn sogar zumBrautführer Leni's bestimmt hatte.

Obwohl die Nachrichten von seiner Genesung stets günstig lauteten, so brachten siedoch niemals eine bestimmte Zusicherung seiner Ankunft.

Da geschah 'es eines Tages, ungefähr in der ersten Woche des Septembers, daßFranzl eben mit einer Holzfuhr zur Eisenbahnstation nach Miesbach fuhr, und als 'er