nteröuktungMatt
zur
„Angsburger postzeitung."
Nr. 50.
Mittwoch, 22. Dezember
1880.
Die Rückerinnerung an eine gute That schweigt nie; sie flüstert am lautesten in der Todes
stunde. —
Donndors.
Die rechte Sühne.
Novelle von Jenny Bach, Verfasierin von „Tannenburg" rc.
(Nachdruck verbot«,. Gesetz vom 11 IV. 70,)
(Fortsetzung.)
Leonhard trat mit dem Fuße den Boden. „Wären Sie nicht meine Mutter undauch einst eine Litten, ich würde diese Beleidigung nicht ertragen!"
„Du nennst eine Wahrheit Beleidigung. Der Name Litten ist nicht immer derbeste gewesen. Ich war eine Litten, aber ich wäre glücklich, hättest auch du den Namenmit dem besseren der Heideker vertauscht. Dann würde dich Niemand gebraucht haben»sich von der Tochter dieses — dieses Fälschers zu entledigen."
„Sie vergessen, Mutter, daß Praxedes mein Weib ist und daß ich sie liebe, trotzihres Vaters liebe; über alles liebe!"
Frau Katharina warf einen schnellen Blick auf ihren Sohn. „Die Liebe wird sichschon abkühlen, wenn sie so harte Proben zu bestehen hat, wie manche deiner Passionenes schon gethan, und dein Weib ist das Mädchen nicht, bevor du den Konsens hast! —Oder denkst du sie vielleicht deinem Oberst auch ohne diesen als deine Frau zu präsentiren "
„Nein, das kann ich natürlich nicht, aber da in wenigen Tagen —"
„Das laß uns abwarten", unterbrach ihn Frau Katharina scharf. „Ich bin so ver-trauensvoll nicht wie du und kann aber deine Heirath nicht anerkennen, bis alles inOrdnung."
„Nicht anerkennen? Praxedes ward mir angetraut."
„So sagtest du; trotzdem verlange ich von dir, daß du sie bis zum Empfang desKonsens nur als deine Verlobte ansiehst; und als solche können wir sie hier im Hausewie im Freundeskreise auch nur vorstellen. Bist du so leichtsinnig gewesen, in dieseheimliche Trauung zu willigen, so ist es nun deine Pflicht gegen dich selbst, dir nichtalles zu verderben, indem du sie veröffentlichst. Du weißt, wie solcher Ungehorsam be-straft wird!"
„Das weiß ich."
„Gut, so wirst du erkennen, daß ich nur für dein Bestes besorgt bin."
„Ja, aber ich hoffte, daß Sie selbst, daß unsere Familie Praxedes als mein Weibanerkennen würden."
„Das können wir nicht, ehe die Welt es darf. , Hättest du mir eine Tochter insHaus gebracht, die ich achten und werth halten könnte, würde ich dir vieles nachgesehenhaben — aber so — verlange das nicht!"
„Es ist grausam, ein unschuldiges Mädchen für die Sünde des Vaters zu ver-achten", rief Leonhard heftig.