Ausgabe 
(18.12.1880) 49
 
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ung weder, durch ihren Einfluß am Berilner Hof alles in Ordnung zu bringen, und soward Praxedes eines Abends in Anwesenheit weniger Zeugen in der Dorfkapelle des GutsLeonhard angetraut und reiste dann mit ihm in fast ununterbrochener Fahrt der altenStadt Frankfurt zu. .

An alles dies dachte die junge Frau, als sie, auf die weißen, im Mondglanzschimmernden Wege des Gartens hinabsehend, am Fenster stand. Wie war es nur sowunderbar, daß sie Leonhard sich so willig hingegeben, den sie nie zuvor gesehen, wo siedoch gegen den jungen Grafen einen so unüberwindlichen Abscheu empfand? War es nun, weiler sie so lebhaft an den alten Freund erinnert hatte, oder war es das wunderbareRäthsel der Liebe. Es war ihr gleich gewesen, als hätte sie ihn lange gekannt, in seinerNähe fühlte sie sich so geschützt, so geborgen; und ach so glücklich, so namenlos glücklich,wenn seine Augen mit so unendlicher Liebe in die ihren schauten. Dann vergaß siealles, die trübe Vergangenheit, die Furcht vor dem neuen Leben unter Fremden, wassie erlebt, vor dem sie gezagt hatte. Sie kreuzte die Hände über der Brust und hobdas Haupt empor, daß das silberne Licht des Mondes ihr liebliches Antlitz, ihre feineGestalt überfluthete, ihre Lippen flüsterten ein leises Dankgebet.

Da öffnete sich die Thür und Leonhard trat ein. Einen Augenblick blieb er stehenund gab sich ganz dem von dem Lichte der Kerze unberührten Bilde in der Finsternischehin. Dann trat er zu ihr und umschlang sie.

Praxedes, mein Herzlieb, für wen batest du eben!"

Für dich, Leonhard, für dich und unser Glück!"

Während Praxedes in ihrem Zimmer träumte, hatte ihr junger Gatte mit seinerMutter keinen leichten Kampf auszufechten. Er fand sie mit finsterer Miene in ihremZimmer auf- und abgehen, bei ihr immer ein Zeichen großer Erregung. Sie wies aufeinen Stuhl und sagte kurz:Setze dich und dann erzähle, wie kamst du zu diesemMädchen?"

Leonhard erzählte in gedrängter Kürze die Umstände seiner raschen, heimlichenHeirath, Frau Katharina hörte, ohne ihre Wanderung zu unterbrechen, ihm zu; als ergeendet, blieb sie vor ihm stehen.

Und der Konsens vom König?" fragte sie.

Den wird mir die Gräfin in wenigen Tagen verschaffen!"

Ah, ich dachte es mir, du hast ihn also noch nicht. Wenn aber die Gräfinnicht Wort hält, so ist deine Heirath ungiltig!"

Sie wird Wort halten."

Wer verbürgt dir das? Sie hat ihren Zweck erreicht, ihren Sohn von dein armenMädchen, dessen Vater ein Fälscher imd Betrüger war, zu trennen und einem andernaufzubürden!"

*Mutter!" rief Leonhard und sprang mit glühendem Gesicht von seinem Stuhl auf.

Spreche ich nicht die Wahrheit? Frage jeden in Wien , ob Arthur von Sternbergnicht drei Jahre wegen fälschlichen Bankrotts im Gefängniß gesessen", rief Frau Katharinannt flammenden Blicken und fügte dann, sich ein wenig abwendend leiser und zwischenden Zähnen hervorgestoßen hinzu:und vielleicht sagt man dir dann auch wie er nachWien kam und seinen Dienst verlor!"

Leonhard senkte das Haupt auf die Brust und stützte die Hand auf den Tisch.

Davon sagte die Gräfin mir nichts, sie sagte nur, Praxedes Vater sei aus-gewandert und wahrscheinlich gestorben!"

Sie verschwieg dir wohlweislich, was dich sehr wahrscheinlich zur Vernunft gebrachthätte, und dachte vielleicht, der mit dem Bürgerhause liirte Name der Litten könnte denFlecken besser vertragen als der der Schweitnitz!"

(Fortsetzung folgt.)

Für die Redaction verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von vr. M. Hnttler.