zur
„Ängslmrger Postzeitung."
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Nr. 51. Samstag, 25. Dezember 1880.
Weise Freunde bleiben
Stets das beste Buch de? Lebens,
Weil sie durch Belehrung würzen
Ihre; Umgangs Lievlichleit. Calderan.
Ile rechte Sühne.
Novelle von Jenny Bach, Verfasierin von „Tannenburg" rc.
(Nachdruck verbeten. Gesetz vvm IlsIV. ?0,)
(Fortsetzung.)
„Das war die alte Frau Katharina, die dort drüben alles regiert. Sie heirathetsspäter ihren Vetter Heideker und gäbe gewiß die Hälfte ihres großen Wittums dahin,wenn sie die Geschichte ihrer ersten Ehe auslöschen könnte. Uebrigens ist sie auch eineprächtige Frau, streng, aber von allen Seiten geachtet, und thut sehr viel Gutes, ebensomie ihr Sohn Philpp Heideker, der noch beliebter als sie ist.
„Hm, aus der ersten Ehe sind wohl keine Kinder da?"
„Gewiß, beide Söhne sind eigentlich von Litten. Der älteste ist von seinem Stief-vater adoptirt, der zweite setzte es durch, seinen Adel, der jedoch nicht weit her ist, zubehalten, weil er partout Offizier werden wollte, indeß damit stehr es jetzt auch wohlwacklig."
„Wie so?" warf der Reisende gleichgültig hin und setzte sich zum Essen.
„Nun," zuckte der Wirth die Achsel und schlug mit der Rechten den Zipfel seinerweißen Schürze unter den linken Arm, „man munkelt so allerlei; er habe sich heimlichohne Konsens mit einem Fräulein in Schlesien trauen lassen und werde nun, da'derKönig die Geschichte erfahren, wohl aus dem Dienst müssen. Gewiß ist, daß ein Fräu-lein von Sternberg seit einem Monat dort im Hause lebt, die feine Verlobte genanntwird, aber von Frau Katharina wie eine Gefangene gehalten werden soll"
„Das klingt ja abenteuerlich. Warum denn das?"
„Das kann ich nicht sagen, ich weiß nur von der Lena, die sie bedient, daß sieviel weint, traurig ist und stets in ihrem Zimmer sitzt, wenn der Lieutenant sie nichtalle paar Tage einmal in der Dämmerung spazieren führt. Die Lena sagt, es wäre einEngel an Schönheit und Sanftmuth; ihr wäre die Geduld bei der Behandlung schonzwanzigmal zerrissen."
„Das sind schöne Dinge, die Sie da erzählen," meinte der Fremde das Fleischzerschneidend, „da scheint es mir mit der gerühmten Herzensgute der Leute doch nicht sogroß zu sein."
„Na, wissen Sie, Herr, jeder Mensch hat semen schwachen Punkt; Frau KatharinasLiebling war immer der Lieutenant, und wenn der um das Mädchen Dienst und Ehrezu verlieren in Gefahr ist, ist es am Ende begreiflich, daß sie das Fräulein nicht liebt.Sie läßt es ja nicht hungern und quälen, sagt Lena, aber sie thut alles, die Leutchen