Ausgabe 
(6.10.1883) 81
 
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Die Türken vor Wie».

Gedicht von Kneie; aus dem Kroatischen imVersmaße des Originals überseht von HannsMctzler.

(Schluß.)

83. Da spricht Starhembcrg, der edle Feld-

herr:

Wer von euch will dein durchlauchtenHerzog

Von Lothringen eine Botschaft bringen?Ich verspreche hundert Goldducaten."

84. Still umstanden ihn die Helden alle;

Nur der junge Georg Mikalowitsch

Mit dem Muth und Herzen eines HeldenSprach zum Fürsten diese kurzen Worte:")

85.Gib mein theurer Feldherr, mir die Bot-

schaft,

Daß ich sie dem großen Herzog bringe;Mitten schreit ich durch das Heer desSrcktan,

Türkisch werd' ich reden und arabisch."

86. Als der Fürst das Wort vernommen hatte,Schrieb er eine Thräne in Sem AugeEinen Brief dem Herzog von Lothringen .In dem Brief aber stand geschrieben:

87.General und mein erlauchter Herzog!Hast Du denn die Deinen ganz vergessen?Länger können wir so nimmer leben,Länger nicht die Stadt des Kaisers schützen:

88. Denn schon fünfzig lange Tage drohenUns'rer Stadt die Türken unaufhörlich,Um von allen Seiten reißen BombenThürme nieder, nieder die Paläste.

89. Aus zwei Seiten gräbt der 'Türke Minen,Auf der dritten folgt ein Sturm dem an-dern.

Meine besten Generäle fallenUnd von Offizieren mancher Brave.

90. Wüßtest Du nur, mein erlauchter Herzog,Was der Feind für Teufelspferde reitet;Allzu schmal für sie wär' unser Graben,Würden sie nicht so zurückgehalten.

Ll. Arg und viel hat uns der Feind geschadet,Untergräbt noch fort und fort die Mauern.Komm, so bald Du kannst mit DeinemHeere,

Denn wir sind in einer bösen Lage."

92. Und es schrieb der Herzog von Lothringen :Lass' mein General den Muth nicht sinken,Denn es geht der Festtag nicht vorüber,Eh' Dir Hülfe kommt von allen Seiten.

Es ist merkwürdig, daß der Name desKolschitzki, der nur einmal den Gang durch'sTürkenlagcr machte, viel bekannter ist als derdes (Südslavcn?) Mikalowitsch, welcher diesesWagniß öfter unternahm und namentlich zurZeit der höchsten Noth. (S. O. K., x. 240.)

93. Denn am zwölften Tage des SeptemberHörest Trommelwirbel Du im Osten;Johann ist's der edle Polcnkönig,

Mit ihm kommen drcißigtausend Krieger.

94. Wieder wirst Du Trommelwirbel hören,Wo die Sonne niedersinkt im Westen;Diesmal sind es meine cig'nen Krieger,Drcißigtausend anserles'ne Deutsche.

95. Und zum dritten Male hörst Du trommeln,Denn von Norden kommt der Baycrn-

hcrzog.

Dieser führt ein Heer von zwamigtausend."Also schrieb dem Starhembcrg der Herzog.

96. Kaum jedoch hat er den Brief gelesen,Als im Kreise Fels und Bäume beben.Heute ist die Türkcn-Minc stärker,

Und vom Walle stürzt ein Stück zusammen.

97. Grüße breite Breschen riß sie diesmal;Eine zwanzig Klafter weite OcffnnngLäßt die Türken ein; mit blankem SäbelStürmen sie heran und kämpfen wüthend.

98. Tod und Teufel! alter Waffenbruder!Das war Krieg und das ein lust'ges

Fechten!

Fußsoldat und Reiter hauen wuchtigUnd der Lanzenträger schwingt die Lanze.

99. Lange währet so das Kopfabmähen;

Als die Türken jetzt ein wenig weichen,Stürzet Groß und Klein herbei zur Hülse:Weiber, Jungfrau'«, Greise, Priester,

Mönche.

100. Holz und Steine fliegen auf die Türken.Frisch geschmolz'nes Blei und heißeS

Wasser;

Handschare schwingt man dort und hierdas Messer,

Auch die schwere Keule thut das Ihre.

101. Die Studenten werden alle Helden,

Denn sie stürmen feurig auf die Türken;Jeder will sich einen Kopf crober'n

Und die Faust im Türkcnblutc baden.

102. Diese Schlacht vcrmältc Viele mit demSchwarzen Tode, Türken viel und Deutsche.Doch es war ihr theures Wien gerettetUnd in wilder Flucht die Kchlabschneidcr.

103. Als nach langem Tag die Nacht gekommen,Steigen auf zum Himmel rothe FlammenAus oem hohen Thurm des Heilgen Stephan.Zeichen sind es von der größten Trübsal,

104. Von der höchsten Noth der Stadt dem

Herzog.

Und die Bürger warten auf den DächernEiner bald'gcn Antwort. Endlich! endlichFlammt es auf den deutschen Alpcnhöhen.

105. Bald'gcr Hülfe sind es frohe Zeichen,

Und die Mahnung, treu und fest zu stehen,Wcn'ge Tage noch die Stadt zu schützenGegen Türkcnwuth und Heidengränel.

106. Jetzt, nachdem der zwölfte Tag gekommen,Sieht das kaiserliche Heer mit JubelAuf dem nahen Lcopoldiberge

Eine Kriegerschaar in schwarzen Mänteln.