Ausgabe 
(3.1.1883) 1
 
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Nr. 1.

1883 .

zur

Äugslmrger Pojheitnilg."

Mittwoch, 3. Januar

Z«m Jahresbeginn.

Des Jahres letzter Abend sank hernieder,

Ein neuer Morgen bricht durch dunkle Nacht;Im Dome Gottes schallen Jubellieder,

Zur Ehre dessen, der sür rrns gewacht.

Und dennoch flüitert's wie geheimes WehenDurch's kahle Laub, den schneebedeckten Hain:Allmächt'ger Gott, ich bitt', erhör mein Flehen,Laß es genug der harten Prüfung sein!

Schau nieder auf die Sorgen Deiner Kinder,Sieh' ihre Thränen, sieh' ihr Herzeleid;

O hab' Geduld, und sind sie gleich auch Sünder,Sie sind bedürftig der Barmherzigkeit!

Durch Hagelschlag, durch Wassersnoth und Regen,Empfand so mancher Deine strafend' Hand;Empfing auch nicht, wie sonst, den Erntesegen,Sein flehend Auge ist Dir zugewandt!

Drum hör' sein Flehen, nimm von ihm die SorgenGieb, daß des Morgensternes milde PrachtIhm neue Hoffnung beut' am heut'gcn Morgen,Damit er spricht: Mein Gott hat's wohl gemacht IAuf daß er dankend hin zn Dir sich neige,

So liebevoll, wie aller Eltern Kind,

Vor dem Altare seine Kniee beuge,

In dem Gebete neue Labe find'!

O, segne Gott , der Menschenhände Thaten!!Damit dereinst am srohen ErntetagEin redlich Handwerk wie des Landmann's SaatenDen reichsten Lohn und Garben bringen mag!

O mög Dein Stern recht frohe Hoffnung schürenFür's neue Jahr in aller Eltern Brust,

AuS Nacht zum Licht, aus Leid zur Wonne führen,Die sich der Sorgen sür ihr Lieb bewußt.

Doch joll's Euch Segen bringen das Neujahr,

Dann müßt Ihr auch auf Euern Gott vertrau'n!

O glaubt! Er hilft gewiß. Und dann fürwahrKönnt sroh Ihr in die dunkle Zukunft schau'n;

Dann wird im Augenstern oft selig blinken,

Die Freudenthrüne, die das Herz gebar;

Aus jedem Antlitz es verklärend winken:

Gott sei's gedankt! Gott Lob! Ein gutes Jahr I U. L»

Uor dem Madormrribilde

Erzählung von Hermann Hirschfeld.

(Nachdruck verbalen.)

Erstes Kapitel.

Bon Gasta her donnerte Kanonenhall durch das Land. Mit Aufbietung der Kraftder Verzweiflung vertheidigte das bedrohte Bourbonenthum in der Person des KönigsFranz von Neapel das letzte Bollwerk, das ihm geblieben, die letzte Festung seines Reiches.Wie oft mochte Feindesgier dem sonnigen Südgestade Italiens genaht sein, wenn derMauren und der Türken Heere mit Verderben drohten. Heute aber galt es nicht denKampf gegen den Muselmann, nicht Frankreich und Spanien stritten, wie einst in denTagen des Mittelalters, um den Besitz des Paradieses auf Erden Italien war gegen