2
i
!
-i
Italien aufgestanden — neue Zeit! Einheit! hieß des Tages Parole. In der Ver-bannung weilten die kleinen Fürsten Italiens , die der neuen Zeit eines KönigreichsItalien ihre Erblande zum Opfer bringen mußten. Schon war durch kühner FreischaarenStreich die Hauptstadt des neapolitanischen Reiches in den Händen des neuen Italiens und über seine letzte Beste, über Gavta zog sich wolkenschwer das Verderben zusammen.Was half die heldenmüthige Vertheidigung, was die Opferwillig^-: des jungen Königs-paares, das Noth und Mühen mit dem geringsten seiner Soldaten theilte, gegen desHungers und des Typhus drohende Gespenster, die täglich die Zahl der tapferen Be-satzung minderten. Nur noch gezählt waren die Tage bis zur Ergebung, aber Heldensinnermattet nicht, und wie am ersten Tage der Belagerung, donnerten die Kanonen derFestung den Kriegsschiffen entgegen, die von der Seeseite her einen Vortheil zu erreichensuchten.
Auch bis zum Garten des Herrn Väldini drang der kriegerische Hall. Und dochwar alles hier so still, so friedlich; harmonisch schmetterten gefiederte Sängerin Myrthen-und Cypressengesträuch ihre Lieder, der Granatbaum, die Aloe, sandten ihre Düfte undauf den Beeten prangten Blumen in tausendfarbigem Schmucke, aus dunklem Laube glühtedie Goldorange und über alle Herrlichkeit wölbte sich Italiens tiefblauer Himmel, glühteItaliens Sonnenschein.
An der Hinterseite des Hauses saß ein junges Mädchen von etwa zwanzig Jahrenauf einer Bank, mit einer Handarbeit beschäftigt. Augenscheinlich nicht eine Tochter desLandes, war sie zwar keine Schönheit zu nennen, aber der Ausdruck sinnigen Ernstesverschönte ihre Züge. Ihre Beschäftigung schien sie nur mechanisch zu betreiben, weitab schweiften ihre Gedanken und hin, und wieder rann, ihr selber unbewußt, eins Thräneaus den dunkelbraunen Augen die Wange hernieder.
„Alma — ich bei Dir und Thränen?"
War der Ton vorwurfsvoll, der an des jungen Mädchens Ohr drang, so warder durch den Ausdruck innigster Zärtlichkeit gemildert. Aus einer Seitenthür war einhochgewachsener junger Mann in dunkler Ofsiziersunisorm getreten und hatte sich ihr leisegenähert.
„Zürne nicht, Robert", — das junge Mädchen erhob sich und reichte beide Händedem Kommenden. „Habe ich nicht Grund zu Thränen? Mahnt es mich, trotz des stille»Glückes, das mir das Asyl des würdigen Herrn Valdini gewährt, trotz Deiner Liebe,die der Himmel mir beschied, doch noch immer an meine gute Mutter, die ich in Neapel hegrub, an den Bruder, den vielleicht zeitlich und ewig verlorenen, der statt der Mutterund Schwester Stütze zu sein, das Haus floh, das ihn geboren, um seinen wilden Ge-lüsten fern über Meer und Land nachzugehen? Und muß ich nicht um Dich selber zittern,Roberto, den tapfersten Offizier des KönigS Franz? Wie vielen Gefahren hast Du Dichschon ausgesetzt der Sache halber, der wir alle treu ergeben, — wie vielen gehst Du»och entgegen?"
„Ich flehe in Gottes Hand", entgegnete der Offizier; „doch nicht lange mehr" —düster war sein Antlitz — „brauchst Du für mich zu bangen, mein theures Mädchen.Nicht lange mehr kann sich das letzte Bollwerk des neapolitanischen Königreichs haltenund ist es dahin, kann ich dem erhabenen Paare, das seine Krone trug, nicht mehr meineDienste weihen, dann führe ich meine holde Braut zum Altar und schaffe meine kleineväterliche Besitzung zur Stätte des reinsten Glückes für uns und für andere. Darandenke, Alma, das sei Dein Trost während meiner Abwesenheit, denn noch diesen Abendverlasse ich Herrn Valdinis Villa und kehre nach Gavta zurück, meinem königlichen Herrndie traurige Kunde zu bringe», daß Alles für ihn verloren, kein Arm, der noch helfenkönnte, sich für ihn erhebt und dann an seiner Seite das Schicksal zu erwarten."
Das junge Mädchen ward bleich. „Nur wenige Stunden der Ruhe gönntest DuDir an meiner Seite und schon willst Du mich wieder verlassen?" klagte sie. „AberDu hast unserm König den Eid der Treue geleistet, fern sei es von mir, Dir Deine
!